Zum 31. Jahrestag: Überblick über aktuelle Arbeiten in Tschernobyl

25.04.2017

Auch über drei Jahrzehnte nach der bislang schwersten Reaktorkatastrophe wird am Standort Tschernobyl in verschiedenen Projekten intensiv an der Bewältigung der Unfallfolgen gearbeitet. Hier ein kurzer Überblick über die aktuellen Schwerpunkte:

Bild 1: Arbeiter mit Dichtungsmembranen für das New Safe Confinement (Quelle: ChNPP)Abdichtung des New Safe Confinement
Im November 2016 wurde eine Schutzhülle, das sogenannte „New Safe Confinement“ (NSC), nach seiner Fertigstellung von seinem Bauplatz aus über den alten Sarkophag geschoben. Das NSC soll den Sarkophag luftdicht abschließen. Dies ist wichtig, damit im Innenraum ein Unterdruck erzeugt werden kann. Damit wird sichergestellt, dass beim zukünftigen Betrieb und insbesondere beim Rückbau von Teilen des alten Sarkophags und des Reaktors keine radioaktiven Stoffe in die Umwelt gelangen.

Aktuell sind Arbeiter in Tschernobyl damit beschäftigt, die neue Schutzhülle mit den alten Gebäudestrukturen zu verbinden und damit den zerstörten Reaktorblock vollständig von der Umwelt zu isolieren. Dazu werden spezielle Membranfolien aus Kunststoff verwendet. Die Arbeiten sollen bis Ende 2017 abgeschlossen sein. Anschließend können Anlagen in Betrieb genommen werden, mit denen die Luftfeuchtigkeit im Bereich zwischen der inneren und der äußeren Hülle des NSC kontinuierlich unter 40 Prozent gehalten wird. Damit soll der Korrosion der Metallkonstruktion des auf 100 Jahre ausgelegten Gebäudes entgegengewirkt werden.

Erst wenn die Belüftungsanlage installiert ist, können die weiteren Rückbauarbeiten beginnen. Zunächst sollen ab 2018 instabile Teile des Sarkophags demontiert werden. Anschließend können der restliche Sarkophag und der zerstörte Reaktor zurückgebaut und die kernbrennstoffhaltigen Materialien geborgen werden.

Bild 2: Das New Safe Confinement von Innen (Quelle: ChNPP)

Anlagen zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle
Eine wesentliche Herausforderung bei der Sanierung des Standorts liegt in der sicheren Entsorgung der anfallenden radioaktiven Abfälle. Das Brennelementzwischenlager „Interim Spent Fuel Storage Facility“ (ISF-2) soll noch 2017 in Betrieb genommen werden. In der „Liquid Radwaste Treatment Plant“ (LRTP) werden seit 2014 flüssige radioaktive Abfälle konditioniert, d. h. in eine für die Zwischen- bzw. Endlagerung geeignete Form gebracht werden. Feste radioaktive Abfälle werden im „Industrial Complex for Solid Radwaste Management“ (ICSRM) konditioniert. Derzeit können die Abfälle im Endlager Buryakovka gelagert werden. Zusätzlich werden weitere Zwischen- und Endlager gebaut.

Aktuelle Arbeiten der GRS zu Tschernobyl
Die GRS hat sich in den letzten 30 Jahren intensiv mit dem Unfall in Tschernobyl beschäftigt: von der Analyse des Unfalls und dessen Folgen, über die radiologische Situation am Standort bis hin zur Standsicherheit des Sarkophags. Dazu unterstützte die GRS die nuklearen Aufsichts- und Genehmigungsbehörden auch bei der Begutachtung der Sicherheitsdokumentation für das New Safe Confinement.

Bis heute arbeitet die GRS mit ukrainischen Experten in Projekten zusammen, die das Kraftwerk Tschernobyl und seine Umgebung langfristig in einen ökologisch sicheren Zustand überführen sollen. So entwickelt die GRS derzeit zusammen mit ukrainischen Wissenschaftlern die „Shelter Safety Status Database“. In dieser Datenbank werden Daten zur radiologischen Belastung vor Ort systematisch zusammengefasst. Das Monitoring umfasst Daten aus der Luft, dem Grundwasser, des Kernbrennstoffs im Sarkophag, den Abfalllagerstätten und dem Kühlteich. In einem weiteren Vorhaben arbeitet die GRS ebenfalls mit ukrainischen Wissenschaftlern an einem 3D-Simulationsmodell für thermisch-getriebene radioaktiv kontaminierte Luftströme innerhalb des NSC und deren Freisetzung durch Öffnungen/Leckagen des NSC in die Umgebung. Außerdem werden zusammen mit ukrainischen Experten die zukünftigen Bedingungen des sicheren Betriebs des Systems New Safe Confinement/Sarkophag analysiert.

Weitere Informationen:
GRS-Projekte für Tschernobyl
Webseite des Kernkraftwerks Tschernobyl
Themenseite des BMUB: „Tschernobyl und die Folgen“