Die GRS feiert dieses Jahr ihren 35. Geburtstag. Seit der Aufnahme des Geschäftsbetriebs im Januar 1977 hat sich die GRS als Forschungs- und Gutachterorganisation auf den Gebieten Reaktorsicherheit, Endlagersicherheit und Strahlenschutz einen Namen gemacht. Zunehmend besetzt sie aber auch nicht-nukleare Themenfelder. Zeit für einen Überblick über wichtige Ereignisse der letzten Jahrzehnte.
Die 70er Jahre: GRS positioniert sich Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) entsteht in den 70ern aus der Zusammenlegung des Instituts für Reaktorsicherheit der Technischen Überwachungsvereine (IRS) und des Laboratoriums für Reaktorregelung und Anlagensicherung (LRA). Zunächst arbeiteten die Wissenschaftler und technischen Mitarbeiter an den GRS-Standorten Köln und Garching bei München.
Deutsche Risikostudie Kernkraftwerke. In Deutschland wird in den Siebzigern eine intensive Diskussion um die Sicherheit der Kernenergie geführt. Ein Jahr nach ihrer Gründung veröffentlicht die GRS die „Deutsche Risikostudie Kernkraftwerke “ (Phase A). Die Studie zählt noch heute zu den bekanntesten und meist zitierten Untersuchungen deutscher Kernkraftwerke. Die GRS führt mit ihr die Methodik der probabilistischen Sicherheitsanalyse (PSA) erstmalig in Deutschland zur Beurteilung der Sicherheit technischer Systeme ein. Der zweite Teil der Studie wird 1988 herausgegeben.
Three Mile Island. Im amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island kommt es 1979 zu einer partiellen Kernschmelze. Die GRS analysiert den Ablauf des Unfalls, zieht einen Vergleich zur Sicherheit deutscher Kernkraftwerke und spricht Empfehlungen zu deren Verbesserung aus.
Die 80er Jahre: Ausbau der Kernenergie und Tschernobyl beherrschen den Arbeitsalltag
Die Bundesregierung beschließt Anfang der 80er Jahre, die Kernenergie auszubauen. Die GRS bewertet die Sicherheit der Kernkraftwerke sowie die radiologische Situation im normalen Betrieb und im Störfall. An ihrem Standort in Garching richtet sie eine Testwarte ein, mit der sich Abläufe in einem Druckwasserreaktor simulieren lassen.
Tschernobyl. Nach dem schweren Reaktorunglück 1986 in Tschernobyl informiert die GRS weltweit als erste wissenschaftliche Institution über Ursachen, Ablauf und Auswirkungen des Unfalls. Tschernobyl wird ein wichtiges Thema in der Forschung und Begutachtung der GRS. Noch heute bearbeitet die GRS Projekte zu Tschernobyl, beispielsweise zum derzeit im Bau befindlichen New Safe Confinement.
Partnerschaft mit IRSN. Ende der Achtziger begründen die GRS und das IPSN (Institut de Protection et de Sûreté Nucléaire) – dem heutigen Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN) – eine partnerschaftliche Zusammenarbeit in sicherheitstechnischen Fragen, die bis heute andauert.
Die 90er Jahre: Sicherheitsforschung nach der Wiedervereinigung
Standort Berlin. 1990 eröffnet die GRS einen Standort in Berlin und übernimmt Mitarbeiter des Staatlichen Amtes für Atomsicherheit und Strahlenschutz der DDR (SAAS). Nach der Wiedervereinigung befasst sich die GRS im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) mit sicherheitstechnischen Fragen in den neuen Bundesländern, z.B. zum Endlager Morsleben (ERAM), zu den Hinterlassenschaften der WISMUT AG oder zur Bewertung von Kernkraftwerken. Nach der Öffnung der Sowjetunion bewertet die GRS auch die Sicherheit osteuropäischer Kernkraftwerke, um zur Verbesserung ihrer Sicherheit beizutragen. Weitere Ziele sind vor allem der Transfer von Methoden und Wissen sowie die Unterstützung beim Aufbau von Genehmigungsbehörden.
Riskaudit und ISTec. Die GRS gründet 1992 die beiden Tochterunternehmen Institut für Sicherheitstechnologie GmbH (ISTec) und – zusammen mit IRSN – Riskaudit. Riskaudit übernimmt die Leitung der beiden technischen Büros, die GRS und IRSN in Moskau und Kiew einrichten. Über die beiden Büros soll schwerpunktmäßig die Arbeit in den osteuropäischen Ländern koordiniert werden.
Deutsch-Französische Initiative (DFI). 1996 begründen die Umweltministerinnen Deutschlands und Frankreichs die Deutsch-Französische Initiative (DFI). Sie soll zehn Jahre nach Tschernobyl die offenen Fragen des Unfalls aufarbeiten. Die GRS und ihre Partnerorganisation IRSN werden mit der Umsetzung der Initiative beauftragt. Sie veröffentlichen in den folgenden Jahren mehrere wissenschaftliche Publikationen hierzu.
Umbenennung. Nicht-nukleare Themen gewinnen in der GRS an Bedeutung. Aus der inhaltlichen Erweiterung des Tätigkeitsfeldes resultiert 1991 die Umbenennung in Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS).
Standort Braunschweig. 1995 gründet die GRS in Braunschweig einen vierten Standort. Durch die Übernahme der Mitarbeiter des Instituts für Tieflagerung der GSF – Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit – entsteht ein neuer Schwerpunkt in der GRS: die Endlagersicherheitsforschung.
GRS und IRSN rufen die EUROSAFE-Initiative ins Leben. Erstmalig findet 1999 die internationale Fachtagung EUROSAFE Forum statt.
2000 bis 2010: Die Welt nach dem 11. September
Der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 löst neue Diskussionen zur Sicherung von Kernkraftwerken aus. Die GRS wird von der Bundesregierung mit Untersuchungen zu den Auswirkungen eines terroristischen Anschlags auf Kernkraftwerke beauftragt.
ETSON. GRS, IRSN und Bel V gründen 2006 das Europäische Netzwerk der technischen Sicherheitsorganisationen (ETSON), um vergleichbare Maßstäbe und einheitliche Methoden zur Erforschung und Bewertung der nuklearen Sicherheit zu entwickeln.
Generationenwechsel. Wegen des altersbedingten Ausscheidens von Fachleuten sieht sich die GRS vor der Herausforderung, ihre Fachkompetenz auf dem Gebiet der nuklearen Sicherheit zu erhalten. Sie stellt deshalb vermehrt Nachwuchskräfte ein und erweitert ihr Aus- und Weiterbildungsprogramm u.a. um das Traineeprogramm.
Seit 2010: VSG und Fukushima
ENSTTI. Als weitere Maßnahme zur Förderung des Nachwuchses gründen die ETSON-Mitgliedern das litauische Energieinstitut Lietuvos Energetikos Institutas LEI, IRSN und GRS 2010 das European Nuclear Safety Training and Tutoring Institute (ENSTTI).
Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben. Die GRS bearbeitet zusammen mit anderen Institutionen das Forschungsvorhaben Vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben (VSG). Ziel des Forschungsvorhabens ist es, vor dem Hintergrund der bisherigen Erkenntnisse eine nachvollziehbare Einschätzung abzugeben, ob und gegebenenfalls unter welchen Umständen ein sicheres Endlager am Standort Gorleben möglich sein könnte. Dabei werden auch Methoden entwickelt, die für die Bewertung möglicher alternativer Standorte gebraucht werden.
Fukushima. Am 11. März 2011 kommt es in Fukushima zum schwersten Reaktorunglück seit Tschernobyl. Die GRS beginnt im Auftrag des BMU unmittelbar nach dem Ereignis damit, Informationen zum Unfall zu sammeln, auszuwerten und Ministerien, Medien und Öffentlichkeit über die Lage vor Ort zu informieren. Das BMU und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) beauftragen die GRS mit Forschungsprojekten, in denen u. a. der genaue Unfallablauf analysiert wird.
Und die Zukunft?
Auch in Zukunft werden Themen wie die Sicherheit und die Stilllegung von Kernkraftwerken, die Endlagerung radioaktiver Abfälle und der Strahlenschutz und auch nicht-nukleare Themen die Forscher und Gutachter der GRS immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Der Fokus wird dabei genau da liegen, wo er auch seit der Gründung der GRS liegt: auf der Sicherheit.
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Broschüre 30 Jahre Forschungs- und Sachverständigentätigkeit