40 Jahre GRS: GRS feiert auf Fachgespräch ihr Jubiläum

08.05.2017

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Die GRS wird dieses Jahr 40 Jahre alt. Dieses Jubiläum hat sie am 8. und 9. Mai 2017 auf dem Fachgespräch in Köln gefeiert. Die jetzt veröffentlichte Broschüre „Die ersten 40 Jahre “ lässt noch einmal die Highlights der Unternehmensgeschichte der GRS Revue passieren. Im Folgenden gibt es vorab einen Einblick in die wichtigsten Stationen und Meilensteine seit der Gründung der GRS.

Die erste Dekade: Von der Risikostudie bis Tschernobyl

Entstehung der GRS. Der Bund, die Länder Nordrhein-Westfalen und Bayern, die Technischen Überwachungsvereine und der Germanische Lloyd gründen die Gesellschaft für Reaktorsicherheit zum Jahr 1977. Sie entsteht aus der Zusammenlegung des Instituts für Reaktorsicherheit der Technischen Überwachungsvereine (IRS) und des Laboratoriums für Reaktorregelung und Anlagensicherung (LRA). Zunächst arbeiteten die Wissenschaftler und technischen Mitarbeiter in Köln und Garching bei München.

Deutsche Risikostudie Kernkraftwerke. Die GRS führt die Methodik der probabilistischen Sicherheitsanalyse (PSA) erstmalig in Deutschland zur Beurteilung der Sicherheit technischer Systeme ein. Die „Deutsche Risikostudie Kernkraftwerke “ (Phase A) aus dem Jahr 1980 ist das bislang erste Beispiel für die Anwendung dieser Methode.

Tschernobyl (Quelle: GRS)Three Mile Island. Im US-amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island kommt es 1979 zu einer partiellen Kernschmelze. Die GRS analysiert den Ablauf des Unfalls und spricht daraus abgeleitet Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke aus.

Tschernobyl. Nach dem schweren Reaktorunglück 1986 in Tschernobyl  informiert die GRS weltweit als eine der ersten wissenschaftlichen Institutionen über Ursachen, Ablauf und Auswirkungen des Unfalls. Tschernobyl wird ein wichtiges Thema in der Forschung und Begutachtung der GRS. Ende der 1980er gründet die GRS vor diesem Hintergrund gemeinsam mit  dem französischen IPSN (Institut de Protection et de Sûreté Nucléaire) – dem heutigen Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN) – die sogenannte Deutsch-französische Initiative. Dies ist der Startpunkt einer bis zum heutigen Tage andauernden Partnerschaft. Die Ergebnisse der Forschung zu Tschernobyl fließen in mehrere gemeinsame Forschungsberichte ein.

Die zweite Dekade: Wende und Wachstum

Standort Berlin. Nach der Wiedervereinigung eröffnet die GRS 1990 einen Standort in Berlin und übernimmt Mitarbeiter verschiedener kerntechnischer Betriebe und Institutionen der DDR. In der Folge der Wende befasst sich die GRS im Auftrag des Bundesumweltministeriums mit sicherheitstechnischen Fragen in den neuen Bundesländern, z.B. zum Endlager Morsleben (ERAM) oder zu den Hinterlassenschaften der Wismut AG. Nach der Öffnung der Sowjetunion bewertet die GRS auch die Sicherheit osteuropäischer Kernkraftwerke. Der Transfer von Methoden und Wissen sowie die Unterstützung beim Aufbau von Genehmigungsbehörden nach internationalen Standards sind dabei wichtige Aufgaben.

Umbenennung. Die GRS erweitert ihr Portfolio um neue Arbeitsfelder. Immer öfter setzt sie ihr Wissen und  ihre Methoden aus der Kerntechnik in anderen Bereichen ein, wie zum Beispiel der Raumfahrt. Das schlägt sich auch in einem neuen Namen nieder: 1991 kommt es zur Umbenennung in Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS).

Riskaudit und ISTec. Die GRS wird 1992 zum Konzern. Sie gründet die beiden Tochterunternehmen Institut für Sicherheitstechnologie GmbH (ISTec) und Riskaudit . Riskaudit engagiert sich vor allem in europäischen Projekten zur Förderung der nuklearen Sicherheit. ISTec fokussiert sich auf Methoden für die Diagnose- und Sicherheitstechnik.

Endlagerforschungszentrum in Braunschweig. 1995 gründet die GRS in Braunschweig einen vierten Standort. Durch die Übernahme der Mitarbeiter des dort ansässigen Instituts für Tieflagerung der Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung (GSF) entsteht ein neuer Schwerpunkt in der GRS: die Endlagersicherheitsforschung. Im geowissenschaftlichen Labor betreibt die GRS ab jetzt auch experimentelle Forschung.

Die dritte Dekade: Internationale Vernetzung und der 11. September

EUROSAFE und ETSON. Die GRS und IRSN vertiefen ihre Partnerschaft und rufen die EUROSAFE-Initiative ins Leben. Gemeinsam veranstalten sie im Namen dieser Initiative seit 1999 die internationale Fachtagung EUROSAFE Forum.
Sieben Jahre später gründen GRS und IRSN zusammen mit der technischen Sicherheitsorganisation Belgiens – Bel V – das Europäische Netzwerk der technischen Sicherheitsorganisationen (ETSON). Bis heute setzen sich mit ETSON mittlerweile 16 Mitglieder gemeinsam dafür ein, vergleichbare Maßstäbe und einheitliche Methoden zum Erforschen und Bewerten der nuklearen Sicherheit zu entwickeln.

Internationale Untertagelabors. Die GRS vernetzt sich auch in der Endlagerforschung. Um Experimente untertage durchführen zu können, kooperiert die GRS mit den Schweizer Untertagelabors Grimsel und Mont Terri sowie dem schwedischen Hartgesteinslabor ÄSPÖ.

World Trade Center. Der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 löst neue Diskussionen über die Sicherheit von Kernkraftwerken aus. Die GRS untersucht daraufhin gemeinsam mit externen Partnern den gezielten Absturz von Flugzeugen auf deutsche Kernkraftwerke.

Die vierte Dekade: Generationenwechsel und Fukushima

Generationenwechsel. Eine ganze Generation von Fachleuten verabschiedet sich ab 2007 in den Ruhestand. Die GRS schafft es, in fünf Jahren mehr als die Hälfte ihrer Mitarbeiter zu wechseln und gleichzeitig ihre fachliche Kompetenz weiter zu entwickeln. Die guten Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung in der GRS tragen zu einem nahtlosen Übergang bei.

Fukushima. Am 11. März 2011 kommt es in Japan zu einem starken Erdbeben mit anschließendem Tsunami. Am Standort Fukushima kommt es als Folge davon zur Kernschmelze in 3 Reaktoren. Die GRS beginnt im Auftrag des Bundesumweltministeriums unmittelbar nach dem Unfall damit, Informationen zu sammeln, auszuwerten und Ministerien, Medien und Öffentlichkeit über die Lage vor Ort zu informieren. Das Bundesumwelt- und  das Bundeswirtschaftsministerium beauftragen die GRS mit Forschungsprojekten, in denen u. a. der genaue Unfallablauf analysiert wird. Auf Basis dessen spricht die GRS Empfehlungen zur weiteren Erhöhung der Robustheit deutscher Kernkraftwerke aus. Die Erfahrungen aus dem Unfall in Fukushima fließen auch in den Aufbau eines neuen Notfallzentrums ein, das 2013 in Köln seinen Betrieb aufnimmt.

Endlagerforschung. Die Wissenschaftler der GRS setzen neue Maßstäbe in der Endlagerforschung. Gemeinsam mit anderen Forschungsinstitutionen entwickelt die GRS mit VIRTUS das erste virtuelle Untertagelabor  der Welt. Im Projekt VerSi  wird  erstmalig eine Methode für den sicherheitsanalytischen Vergleich von Endlagersystemen in unterschiedlichen Wirtsgesteinen entwickelt. Mit der „Vorläufigen Sicherheitsanalyse Gorleben“ erarbeitet die GRS gemeinsam mit den führenden deutschen Institutionen der Endlagerforschung eine Referenz für die Durchführung von umfassenden Sicherheitsanalysen.

Neue Arbeitsfelder. Die Fachleute der GRS beschäftigen sich verstärkt mit neuen, anderen Forschungsgebieten. Sie erforschen den Umgang mit gefährlichen Stoffen (z.B. Quecksilber), die Untertagedeponierung chemisch-toxischer Abfälle oder nachhaltige Anpassungsstrategien für die Wasserwirtschaft  vor dem Hintergrund des klimatischen und demographischen Wandels.

Und die Zukunft?

Auch in Zukunft wird die GRS ihre Mission weiter verfolgen und mit Wissenschaft zum Schutz von Mensch und Umwelt beizutragen. Wer neugierig auf mehr geworden ist und auch erfahren möchte, welche Pläne die GRS für die Zukunft hat, findet weitere Informationen in der Broschüre „Die ersten 40 Jahre“.