GRS veröffentlicht Informationsbroschüre zur Stilllegung

27.02.2012

Weltweit wurden nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) bisher über 500 Reaktoren stillgelegt. Allein in Deutschland befinden sich derzeit 16 Kernkraftwerke und über 30 Forschungsreaktoren in verschiedenen Phasen der Stilllegung. Hinzu kommen die acht Kernkraftwerke, die 2011 vom Netz gingen.

 

Broschüre zur Stilllegung kerntechnischer AnlagenDie GRS hat jetzt im Auftrag des Bundesumweltministeriums eine Broschüre zur Stilllegung kerntechnischer Anlagen verfasst. Die Broschüre richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit und gibt einen Überblick über die verschiedenen Aspekte der Stilllegung: von Techniken der Dekontamination und Zerlegung über Zuständigkeiten und Genehmigungsverfahren bis hin zu Maßnahmen des Strahlenschutzes.

 

Vom Kernkraftwerk zur „grünen Wiese“
Der Begriff der Stilllegung bezeichnet im technischen Sinne den gesamten Prozess vom Erteilen der Stilllegungsgenehmigung bis zum Abbau der Anlage. Vom Beginn der Stilllegung eines Kernkraft-werks bis zu dessen vollständigem Abbau verstreichen erfahrungsgemäß etwa 15 Jahre.

 

Das Versuchsatomkraftwerk Kahl (VAK) zählt zu den ersten deutschen Kernkraftwerken, die vollständig abgebaut wurden. Die Rückbauarbeiten begannen 1988. Die letzten Gebäudeteile wurden 2010 abgerissen. Heute ist das ehemalige Kraftwerksgelände eine sogenannte „grüne Wiese“. Im Fachjargon bezeichnet die „grüne Wiese“ den wiederhergestellten natürlichen Ausgangszustand vor dem Bau des Kernkraftwerks, in dem keine behördliche Überwachung des Geländes mehr nötig ist.

 

Abbau des Forschungsreaktor FRJ-1 in Jülich (Quelle: Forschungszentrum Jülich)Abbau. Der eigentliche Abbau eines Kernkraftwerks läuft in der Regel von außen nach innen ab. Zunächst werden die nicht oder nur gering kontaminierten Bereiche (z. B. Teile des Maschinenhauses) abgebaut, anschließend die stärker kontaminierten (z. B. Dampferzeuger, Reaktordruckbehälter). Die stark kontaminierten Teile werden größtenteils fernbedient abgebaut. Ist das Gebäude vollständig ausgeräumt, müssen vor dem Abriss alle kontaminierten Gebäu-destrukturen noch dekontaminiert werden.

 

Dekontamination. Kontaminierte Gegenstände und Räume sind durch radioaktive Stoffe verunrei-nigt. Die radioaktiven Stoffe haften – ähnlich wie Staub – auf ihrer Oberfläche. Durch besondere Reinigungsverfahren (Dekontaminationstechniken) werden die radioaktiven Stoffe entfernt. Gängige Techniken sind z. B. die Hochdruckreinigung per Sandstrahl oder das Abschälen der Oberflächen.

 

Dekontamination mit Sandhochdruckreiniger (Quelle: EWN)Einige Anlagenteile des Kernkraftwerks – wie z. B. der Reaktordruckbehälter – sind durch die Strahlung selbst radioaktiv, d. h. aktiviert worden. Durch Dekontamination lässt sich dies nicht beseitigen. Die Anlagenteile müssen deshalb als radioaktiver Abfall zunächst zwischen- und später endgelagert werden.

 

Strahlenschutz. Um Mensch und Umwelt vor den Gefahren der Strahlung zu schützen, müssen bei der Stilllegung viele verschiedene Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden. Eine wichtige Aufgabe bei der Stilllegung ist der Schutz des Personals. Damit die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte überwacht werden kann, trägt jede Person im Überwachungs- und Kontrollbereich ein persönliches Dosimeter. Die Dosimeter werden von behördlich bestimmten Stellen ausgegeben und ausgewertet.

 

Arbeiten der GRS
Die GRS verfolgt aktuelle Fragen und Entwicklungen der Stilllegung kerntechnischer Anlagen. Einen Schwerpunkt bilden Arbeiten zum Strahlenschutz. Die GRS beschäftigt sich beispielsweise mit dem Schutz des Personals, Konzepten und Techniken des Abbaus und des Abfallmanagements sowie der Freigabe radioaktiver Stoffe.

 

Mehr erfahren
Informationsbroschüre zur Stilllegung
Informationen des Bundesumweltministeriums zur Stilllegung
Leitfaden zur Stilllegung von Anlagen
Leitlinien der Entsorgungskommission zur Stilllegung kerntechnischer Anlagen

 

GRS-Film
„Der Weg zur grünen Wiese“