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Stresstest deutscher KKW

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Das Bundesumweltministerium (BMU) hat die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) in Abstimmung mit den Ländern damit beauftragt, eine anlagenspezifische Sicherheitsüberprüfung („Stresstest“) für alle deutschen Kernkraftwerke (KKW) durchzuführen. Ziel dieser Überprüfung war es, unter Berücksichtigung der Ereignisse in Fukushima zu untersuchen, wie robust die Auslegung der KKW und die geplanten Notfallmaßnahmen gegen erhöhte Einwirkungen sind, die nicht in der Auslegung unterstellt wurden.

Anforderungskatalog der RSK
Für diese Überprüfung hat die RSK einen Anforderungskatalogs erstellt, in dem die Prüfungsthemen konkretisiert werden. In diesem Anforderungskatalog werden Szenarien und Postulate vorgegeben, die bei den Prüfungen als erhöhte Einwirkungen zu unterstellen sind. Dabei handelt es sich sowohl um naturbedingte Ereignisse (Bsp.: Erdbeben, Hochwasser, extreme Wetterbedingungen sowie deren Folgewirkungen) als auch um zivilisatorisch bedingte Ereignisse (Bsp.: unfallbedingter und gezielter Flugzeugabsturz, Explosionen außerhalb der Anlage und mögliche Auswirkungen eines Unfalls in einem benachbarten Reaktor, terroristische Angriffe auf die Anlage einschließlich IT-Angriffe). Ebenfalls zu unterstellen waren ereignisunabhängige Annahmen wie der lang andauernde Ausfall der Stromversorgung und der Nebenkühlung sowie Ereignisse, die die Durchführung von Notfallmaßnahmen erschweren (Bsp.: erhöhte Strahlenbelastungen nach einer Kernschmelze). Bei den Prüfungen, die sich sowohl auf den eigentlichen Reaktor als auch die Brennelementlagerbecken beziehen, sollen auch Kombinationen aus den vorgenannten Ereignissen unterstellt werden.

Durch die Prüfungen sollte mit Blick auf die nachfolgende Bewertung festgestellt werden, ob bzw. in welchem Maß bei Annahme der vorgenannten Szenarien und Postulate die übergeordneten Schutzziele – Kontrolle der Reaktivität, Kühlung der Brennelemente und Begrenzung der Freisetzung radioaktiver Stoffe – eingehalten werden. Dazu sollte für diese Fälle auch der erforderliche Umfang anlageninterner Notfallmaßnahmen und deren Wirksamkeit ermittelt werden.

Bei der Einschätzung der Robustheit kommt der Identifizierung von möglichen plötzlichen Verschlechterungen in Ereignisabläufen (sog. cliff edges ) eine wesentliche Bedeutung zu. Damit ist gemeint, ob bereits bei geringfügig höheren Lasten als in der Auslegung angenommen wesentliche Verschlechterungen im Ereignisablauf eintreten.

Ablauf der Prüfungen
Die GRS wurde aufgefordert, federführend die erforderlichen Prüfungen zu organisieren und zusammen mit anderen Fach- und Gutachterorganisationen (TÜV Nord, TÜV Süd, Ökoinstitut, Physikerbüro Bremen, EnergieSystemeNord, Stangenberg & Partner) durchzuführen. Dazu wurden nach Vorgaben der RSK sieben Teams gebildet (vgl. Abb.), die für verschiedene Themenbereiche anhand des Anforderungskatalogs der RSK jeweils alle 17 KKW untersuchen. Ein achtes Team stand für kurzfristig erforderliche Abschätzungen und Berechnungen zur Verfügung.

Konform mit der Struktur der Atomaufsicht in Deutschland, wurde die GRS von den Ländern mit der anlagenspezifischen Sicherheitsüberprüfung beauftragt. 

Bewertung der Prüfergebnisse
Die Ergebnisse der einzelnen Teams wurden mit Blick auf die übergeordnete Zielsetzung des Prüfprozesses von der RSK bewertet. Da die zu betrachtenden Einwirkungen und Postulate jenseits der nach dem kerntechnischen Regelwerk geforderten Lastannahmen lag, konnte für die Bewertung im Wesentlichen nicht auf die Kriterien des existierenden Regelwerks zurückgegriffen werden. Deshalb erarbeitete die RSK Kriterien, mit denen insbesondere die geforderte Robustheit ermittelt werden sollte. Wesentlich hierfür waren u. a. die Diversität und Redundanz sicherheitstechnisch bedeutsamer Komponenten, deren räumliche Trennung und die vorhandenen Auslegungsreserven.

Die RSK hat auf der Grundlage ihrer Bewertungen einen Abschlussbericht erstellt.

 

Organigramm-Teambildung