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Bilaterale Zusammenarbeit
Das im Atomgesetz verankerte politische Ziel der Bundesregierung, die Nutzung der Kernenergie in Deutschland geordnet zu beenden, sieht einen befristeten Auslaufbetrieb der deutschen Kernkraftwerke unter Einhaltung international höchster Sicherheitsstandards vor. Die hierfür erforderlichen wissenschaftlichen Grundlagen werden durch eine nationale von Industrie- und Verbandsinteressen unabhängige staatliche Vorsorgeforschung bereitgestellt.
Ein Höchstmaß an fachlicher Kompetenz sowie die Verfügbarkeit fortschrittlicher Bewertungsmethoden sind auch weiterhin unabdingbare Voraussetzungen für eine wissenschaftlich fundierte Sicherheitsbewertung von Nuklearanlagen nach Stand von Wissenschaft und Technik. Der Erhalt der dafür erforderlichen Fachkompetenz ist auch vor dem Hintergrund eines Ausstiegs aus der Kernenergie unentbehrlich, um die hohe Qualität der Sicherheitspraxis während der Restlaufzeiten der Kernkraftwerke aufrecht zu erhalten. Sie ist darüber hinaus Voraussetzung für eine aktive Mitwirkung bei der Weiterentwicklung der internationalen Sicherheitsanforderungen sowie für eine wirksame deutsche Einflussnahme auf die sicherheitstechnische Weiterentwicklung der Nukleartechnik und damit auf das Niveau des Sicherheitsstandards weltweit.
Es muss daher sichergestellt werden, dass Deutschland in dem dynamischen Entwicklungsprozess, in dem sich die Reaktorsicherheit international befindet, künftig nicht zurückfällt. Aus diesen Gründen kommt der seit Beginn der friedlichen Nutzung der Kerntechnik in Deutschland von der Bundesregierung intensiv geförderten internationalen Kooperation heute eine besondere Bedeutung zu.
Der Bereich Projektträger/Behördenunterstützung der GRS unterstützt das BMWi bei der inhaltlichen Planung und fachlichen Koordinierung von dessen internationalen Kooperationen.
OECD-Projekte
Neben den bilateralen Zusammenarbeits- und Austauschvereinbarungen zur Reaktorsicherheitsforschung sind besonders die Projekte im Rahmen der OECD-NEA (Nuclear Energy Agency) zu nennen, die in den zurückliegenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Diese Projekte führen das Interesse vieler Länder an der Lösung einer übereinstimmend erkannten sicherheitstechnischen Fragestellung und an der effizienten Nutzung der international noch verfügbaren experimentellen Ressourcen durch gemeinsame Finanzierung der erforderlichen Arbeiten zusammen. Darüber hinaus bieten sie einen wissenschaftlichen Mehrwert, weil Experten aus verschiedenen Ländern gemeinsam bis in technische Details die Planung der Projekte und deren Durchführung sowie die Interpretation der Ergebnisse und ihre sicherheitstechnischen Auswirkungen erarbeiten.
Für die OECD-Projekte wird jeweils zwischen den teilnehmenden Ländern, vertreten durch Signatare, ein Vertrag geschlossen, der das Arbeitsprogramm, die finanziellen Verpflichtungen der teilnehmenden Länder, die Regelungen für die Durchführung des Projektes und den Zugang zu seinen Ergebnissen festlegt. Interessierten deutschen Forschungsstellen können die Ergebnisse und Daten von Projekten mit deutscher Beteiligung in der Regel zur Verfügung gestellt werden (katharina [dot] stummeyer
grs [dot] de (Kontaktlink)).
Die Hälfte der Kosten für OECD-Projekte wird in der Regel von dem Land getragen, das die Versuchsanlage zur Verfügung stellt. Die verbleibenden Kosten werden auf die sich beteiligenden OECD-Länder aufgeteilt, wobei der jeweilige Anteil nach einem besonderen Verteilungsschlüssel der OECD-NEA berechnet wird.
Die finanzielle Beteiligung Deutschlands erfolgt in den meisten Projekten als Vorhaben im Rahmen der projektgeförderten Reaktorsicherheitsforschung des BMWi. Im Auftrag des Ministeriums übernimmt die GRS die Aufgaben des Signatars der internationalen Verträge. Der Bereich Projektträger/Behördenunterstützung der GRS vertritt in den Lenkungsgremien der Projekte (Board of Management oder Steering Committee) die deutschen Interessen. In Projekten mit finanzieller Beteiligung der deutschen Industrie ist diese ebenfalls im Lenkungsgremium des Projekts vertreten. Fachspezifische Fragen des Projektes werden von einer Programme Review Group "PRG" (zusammengesetzt aus Experten der teilnehmenden Länder) diskutiert und im Detail präzisiert. Die Arbeitsergebnisse der PRG werden dem Lenkungsgremium zur Entscheidung vorgelegt. In den PRGs arbeiten je nach Themenstellung Experten der GRS, Forschungszentren oder Universitäten oder der deutschen Industrie mit.
Deutschland beteiligt sich an allen gegenwärtig laufenden Projekten der OECD-NEA zur Reaktorsicherheitsforschung:
CABRI (Name des Reaktors in Cadarache)
SCIP 2 (Studsvik Cladding Integrity Project)
ROSA 2 (Rig of Safety Assessment)
HALDEN-Reactor-Project
PRISME 2 (Propagation d´un Incendie pour les Scénarios Multi-locaux Elémentaires)
THAI 2 (Thermohydraulik, Aerosole und Iod)
BIP 2 (Behaviour of Iodine Project)
PKL 3 (Primärkreislauf)
SFP (Sandia Fuel Pool Project)
STEM (Source Term Evaluation and Mitigation)
LOFC (Loss-of-Forced Cooling)
Bilsquelle: © iStockphoto.com/ philpell