Die vorläufige Sicherheitsanalyse Gorleben (VSG) besteht aus vier inhaltlich aufeinander aufbauenden Arbeitsschritten:
1. Grundlagen schaffen
In einem ersten Schritt werden die Grundlagen erarbeitet. Dieser Schritt lässt sich wiederum in die folgenden drei Teile aufgliedern:
Der erste Teil besteht aus einer geowissenschaftlichen Beschreibung des Standorts und einer Prognose seiner geologischen Entwicklung in der kommenden eine Million Jahren. Die Basis hierfür bilden alle Daten, die seit Beginn der Erkundung bis zu deren Unterbrechung durch das Moratorium im Jahr 2000 ermittelt worden sind. Dabei geht es nicht nur um eine Zusammenstellung dieser Daten, sondern z.B. auch um die Bewertung ihrer Qualität.
In einem zweiten Teil geht es darum, die Abfälle zu charakterisieren, die in Gorleben voraussichtlich eingelagert werden könnten. Diese Daten sind unter anderem für die Festlegung der Größe eines möglichen Endlagerbergwerks notwendig. Dabei wird auch die Menge an Abfällen berücksichtigt, die durch eine Verlängerung der Laufzeiten voraussichtlich anfällt.
Schließlich wird in einem dritten Teil ein sogenanntes Sicherheits- und Nachweiskonzept entwickelt. Es dient der Spezifizierung der für die VSG maßgeblichen „Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle“ des BMU für die nachfolgenden Arbeitsschritte. Eine der grundlegenden Anforderungen ist der dauerhaft sichere Einschluss der Radionuklide in einem „einschlusswirksamen Gebirgsbereich" der den Bereich um das Endlagerbergwerk im Salzgestein beschreibt. Dieser Bereich liegt tief im Innern des Salzstocks.
2. Endlagerkonzeption
Die Analyse der Sicherheit setzt neben einer genauen Kenntnis der geologischen Verhältnisse und ihrer möglichen Entwicklung auch eine Beschreibung des Endlagerbergwerks sowie der Konzepte zur Einlagerung der Abfälle zum Verschluss des Bergwerks voraus. So müssen etwa die Art der Lagerung (z.B. Strecken- oder Bohrlochlagerung) und der Behälter (z.B. Pollux) beschrieben werden. Im zweiten Schritt der VSG werden konkrete Endlagerkonzepte entwickelt, die unter den Gesichtspunkten Betriebssicherheit, Langzeitsicherheit und Rückholung der Abfälle optimiert werden.
3. Die Systemanalyse
Das Kernstück der Systemanalyse ist die Langzeitsicherheitsanalyse. In dieser Analyse wird untersucht, ob Radionuklide durch den Verbund der geologischen Barriere (d.h. das Steinsalz) mit geotechnischen Barrieren (z.B. Verschluss von Schächten oder Strecken) im einschlusswirksamen Gebirgsbereich eingeschlossen werden.
Um Analysen für einen Zeitraum von einer Million Jahren durchführen zu können, ist es notwendig, mögliche Entwicklungen des Endlagersystems zu identifizieren. Grundlage hierfür bilden z.B. Prognosen zur geologischen Entwicklung am Standort und zur Veränderung im Salzgestein, die mit dem Bau und dem Betrieb eines Endlagers einhergehen. Hieraus werden Szenarien abgeleitet, die als Annahmen in die nachfolgenden Analysen einfließen. So werden beispielsweise die Auswirkungen von Eiszeiten auf das Endlager untersucht.
Für die Szenarien wird mittels spezieller geomechanischer und -hydraulischer Simulationsprogramme der Einfluss auf die Wirksamkeit der Barrieren ermittelt. Insbesondere wird analysiert, ob die Schutzfunktion des einschlusswirksamen Gebirgsbereich erhalten bleibt.
Der dauerhaft sichere Einschluss der Radionuklide in diesem Gebirgsbereich ist nur dann gegeben, wenn trotz der in den Szenarien unterstellten Einwirkungen entweder keine Radionuklide über den Rand dieses Bereichs in das umgebene Salz gelangen (man spricht dann von einem vollständigen Einschluss) oder aber die freigesetzten Radionuklidmengen nach den Bewertungskriterien der BMU-Sicherheitsanforderungen als geringfügig einzustufen sind.
4. Synthese der Ergebnisse
Im letzten Arbeitsschritt der VSG werden die Erkenntnisse der vorangegangenen Untersuchungen zusammengefasst und hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Aussagen bewertet. Anschließend werden entsprechend der Zielsetzung der VSG hauptsächlich folgende Ergebnisse herausgestellt: Zum einen wird auf Basis des heutigen Kenntnisstandes eine vorläufige Beurteilung über die Eignung des Standorts abgegeben; zum anderen wird der möglicherweise noch bestehende Forschungsbedarf identifiziert und Hinweise für eine weitere Erkundung gegeben. Die Ergebnisse der VSG werden während der Bearbeitungszeit fortlaufend durch eine externe deutsche Expertengruppe überprüft.
Nach der Analyse ein „Peer Review“
Nach Abschluss der VSG wird das BMU die Ergebnisse durch ein Team internationaler Experten bewerten lassen. In diesem sogenannten Peer Review wird dann geprüft, ob die methodische Vorgehensweise der VSG dem internationalen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht und ob die dabei erzielten Ergebnisse plausibel und nachvollziehbar sind.