33 Jahre nach Tschernobyl: Aktuelle Arbeiten vor Ort

08.04.2019

Am 26. April 1986 kommt es im Block 4 des ukrainischen Kernkraftwerks Tschernobyl zu einem schweren Reaktorunfall. Während eines Experiments steigt die Leistung des Reaktors durch eine Reihe von Bedienfehlern übermäßig stark an. Der Brennstoff überhitzt, es kommt zu mehreren Explosionen und einem Brand. Dabei gelangen etwa acht Tonnen radioaktiver Brennstoff aus dem Reaktorkern in die Gebäude und die Umgebung.

Neue Schutzhülle wird abgedichtet

Das New Safe ConfinementAuch 33 Jahre nach dem Unfall sind dessen Folgen auf dem Anlagengelände noch sichtbar. Über den zerstörten Reaktorblock und den alten Sarkophag wurde 2016 eine Schutzhülle geschoben: das New Safe Confinement. Unter ihm soll der Sarkophag in den nächsten Jahren abgeschottet von der Umwelt zurückgebaut werden. Zunächst sollen instabile Teile des Sarkophags demontiert werden. Anschließend können der restliche Sarkophag und der zerstörte Reaktor zurückgebaut und die kernbrennstoffhaltigen Materialien geborgen werden.
Derzeit finden noch Funktions- und Abnahmetests für die Lüftungsanlage statt. Hierbei kam es in jüngster Zeit immer wieder zu Verzögerungen, da das New Safe Confinement noch nicht vollständig abgedichtet ist.

Das Brennelemente-Zwischenlager (ISF-2) für die genutzten Brennelemente am Standort wird derzeit erprobt und soll 2020 in Betrieb genommen werden. Hier sollen bis 21.000 bestrahlte Brennelemente trocken gelagert werden können. Die schwach- und mittelaktiven Abfälle werden derzeit im 13 Kilometer vom Kernkraftstandort entfernt gelegenen Endlager Buryakovka gelagert.

GRS-Experten sammeln Daten zu Waldbränden

Die GRS befasst sich seit 1986 mit dem Reaktorunfall von Tschernobyl und dessen Folgen. Dies umfasst sowohl die wissenschaftliche Aufarbeitung des Unfalls als auch die Unterstützung der Behörden vor Ort. Seit 2006entwickelt die GRS zusammen mit ukrainischen Wissenschaftlern die „Shelter Safety Status Database“ (SSSD). In der Datenbank werden Daten zur radiologischen Situation vor Ort gesammelt, die in Zusammenarbeit mit ukrainischen Experten erhoben werden.

Screenshot aus der Shelter Safety Status Database. Schraffierte Flächen zeigen Bereiche, zu denen Daten zu den sogenannten Abfallgräbern vorliegen. Grüne und rote Rechtecke zeigen Probenentnahmepunkte von Grundwasser bzw. bodennaher Luft (Abbildung: GRS)
 
Aktuell wird die Datenbank um Informationen speziell zur Thematik Waldbrände ergänzt. In Gebieten in- und außerhalb der 30-Kilometer Sperrzone kommt es in Zeiten größerer Trockenheit häufiger zu Waldbränden. Die Brände können dazu führen, dass radioaktive Partikel aufgewirbelt werden und in die Atmosphäre gelangen. In der Datenbank kombinieren die Fachleute nun Informationen zu den Waldbränden mit den Luftmesswerten, um mögliche Zusammenhänge zwischen den Bränden und belasteter Luft besser untersuchen zu können.

Vorhaben zum Umgang mit kernbrennstoffhaltigen Materialien in Tschernobyl

Das als "Elefantenfuß" bekannt gewordene, geschmolzene Corium unterhalb des ReaktorbodensIn einem weiteren Projekt unterstützt die GRS die Technische Sicherheitsorganisation (TSO) SSTC/ NRS und die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU dabei, Möglichkeiten für den zukünftigen Umgang mit dem kernbrennstoffhaltigen Material innerhalb des Sarkophags zu finden. Der Schwerpunkt liegt dabei insbesondere auf regulatorischen Fragestellungen wie beispielsweise, wie die offenen Kernbrennstoffe bis zu ihrer Bergung und Endlagerung optimal überwacht werden können. Der Kernbrennstoff liegt in unterschiedlichen Formen vor, unter anderem als sogenannte Lava (siehe Abbildung), als Staub oder in Wasser gelöst.

Die Wissenschaftler analysieren u.a., welche Faktoren auf den Zustand des Kernbrennstoffs einen wesentlichen Einfluss haben.

Weitere Informationen

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Fact Sheet zu Tschernobyl