Jod

Kaliumiodid-Tabletten zur „Jodblockade“ (Bild: © iStockphoto.com/ drfelice) Jod ist ein chemisches Element aus der Gruppe der Halogene. Weil Jod mit Metall zu Salz reagiert, wird es – wie z.B. auch Fluor und Chlor – zu den Salzbildnern gerechnet. Für Menschen und Tiere ist Jod ein essenzielles Spurenelement, z.B. als Baustein des Schilddrüsenhormons Thyroxin.


Stabile und radioaktive Jod-Isotope

In der Natur kommt Jod zu 100 % als stabiles, nicht radioaktives Isotop Jod-127 vor. Von Jod sind über 30 weitere künstliche radioaktive Isotope bekannt. Radioaktive Jod-Isotope entstehen u. a. bei der Kernspaltung in Kernreaktoren.

Medizinische Anwendungen
Die Nuklearmedizin nutzt radioaktives Jod zur Diagnose und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen. Bei der sogenannten Radiojodtherapie wird beispielsweise Jod-131 eingesetzt, um die Zellen der Schilddrüse lokal zu bestrahlen und die Erkrankung somit zu heilen. Stabiles Jod wird wegen seiner desinfizierenden Wirkung als Antiseptikum verwendet.

Schädliche Wirkung von radioaktivem Jod
Freigesetztes radioaktives Jod wie z.B. Jod -131 oder Jod -133 kann über die Atmung und die Nahrung in den menschlichen Körper gelangen. Es wird dort in der Schilddrüse gespeichert. Hohe Schilddrüsendosen führen zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Besonders gefährdet sind hierbei Kleinkinder. 

Eine Schutzmaßnahme vor der schädlichen Wirkung des bei einem Reaktorunfall freigesetzten radioaktiven Jods stellt die Einnahme von stabilem Jod in Form von Jodtabletten dar. Dieses führt zu einer Sättigung der Schilddrüse und unterbindet so die Speicherung von radioaktivem Jod.

Halbwertszeiten von Jod-131 (Bild: GRS)Vor allem in den ersten Tagen und Wochen nach einem Reaktorunfall geht von radioaktivem Jod eine Gefährdung aus. Wegen der kurzen Halbwertszeit – bei Jod-131 liegt sie bei acht Tagen (vgl. Abb.) – sinkt das Gefährdungspotenzial kontinuierlich.
 
1. Beispiel Tschernobyl
In den ersten Tagen nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl gab es in der Umgebung des Reaktors hohe Konzentrationen an Jod -131 und den kurzlebigeren Jod-132, Jod-133 und Jod-135 in der Luft und in den Nahrungsmitteln. Aufgrund mangelnder Gegenmaßnahmen kam es zu beträchtlichen Schilddrüsendosen in der Bevölkerung.

2. Beispiel Fukushima
Am Standort Fukushima wurden einige Tage nach dem Unfall in Bodenproben Ablagerungen von Jod-131 gefunden. Auch im Meerwasser stieg die Konzentration von Jod-131 stark an. Nach den Angaben der japanischen Aufsichtsbehörde NISA lag der Gesamtbetrag der Freisetzungen von Jod-131 und Cäsium-137 bei etwa 10% der in Tschernobyl freigesetzten Menge.
Aufgrund der kurzen Halbwertszeit von 8 Tagen, wird Jod-131 inzwischen nicht mehr nachgewiesen und trägt demnach in Fukushima zur Dosis nicht mehr bei.

Mehr erfahren
Informationen des Bundesumweltministeriums zur Einnahme von Jodtabletten nach einem Reaktorunfall