You are here

Untertagelabor

Bild: NAGRA/ Comet PhotoshoppingIn Untertagelaboren, d. h. unterirdischen Laboren (z. B. in einem Bergwerk oder Tunnel) führen Endlagerforscher unter natürlichen Umgebungsbedingungen Experimente durch. Sie untersuchen dort „in situ“, also an Ort und Stelle, physikalische und chemische Prozesse im Wirtsgestein und in dort eingebauten (geo-) technischen Komponenten, die so auch in einem Endlager ablaufen. Ziel ist es dabei, unterschiedliche Gesteinsformationen - wie Steinsalz, Tonstein und Granit - im Hinblick auf ihre Eignung als mögliche Wirtsgesteine für Endlager oder Untertagedeponien zu testen sowie geotechnische Einbauten (z.B. Verschlussbauwerke) in ihrem Zusammenwirken mit dem Wirtsgestein zu untersuchen.

Bedeutung und Funktion von Untertagelaboren
Für die Entwicklung eines Endlagers für radioaktive Abfälle in tiefen geologischen Formationen sind Untertagelabore sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus technischer Sicht von großer Bedeutung. Viele nationale Entsorgungsprogramme sehen daher Untersuchungen in Untertagelaboren vor, die zumeist in internationaler Kooperation durchgeführt werden. Generell dienen Untertagelabore folgenden Zwecken:

•    Entwicklung von Untersuchungsmethoden
•    Charakterisierung von Wirtsgesteinen und Standorten
•    Verstehen von Prozessen und Wechselwirkungen in Endlagern
•    Gewinnen von Eingangsdaten für Langzeitsicherheitsanalysen
•    Testen von Einlagerungstechniken
•    Testen des Einbaus und der Wirksamkeit von technischen und geotechnischen Barrieren
•    Nachweis der Machbarkeit eines Endlagerkonzeptes: Errichtung, Betrieb, Überwachung, Verschluss und Sicherheit eines Endlagers

Arten von Untertagelaboren
Grundsätzlich lassen sich zwei verschiedene Typen von Untertagelaboren unterscheiden:

1. Generische Labore
Generische Untertagelabore werden an Standorten eingerichtet, die nicht für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen vorgesehen sind. Sie nutzen entweder bereits existierende untertägige Einrichtungen, wie Bergwerke oder Tunnel (z. B. das Felslabor Grimsel in der Schweiz) oder werden neu eingerichtet (z. B. Hard Rock Laboratory HRL Äspö in Schweden). Generische Untertagelabore befinden sich in einem vorgesehenen Wirtsgestein selbst (z. B. Felslabor Mont Terri in der Schweiz) oder in einer dafür repräsentativen geologischen Formation.

2. Standortspezifische Labore
Standortspezifische Untertagelabore werden definitionsgemäß an einem vorgesehenen Endlagerstandort errichtet (z. B. Gorleben, Konrad). Aufgabe standortspezifischer Endlager ist es, die tatsächliche Eignung des ausgewählten Endlagerstandortes zu untersuchen.

Untertagelabore in Deutschland
Untertagelabore werden in unterschiedlichen Ländern und Wirtsgesteinsformationen betrieben: beispielsweise in der Schweiz (Granit, Tonstein), in Schweden (Granit), in Belgien (plastischer Ton) und in Frankreich (Tonstein). In Deutschland wurde Endlagerforschung in Untertagelaboren bereits seit Ende der 1960er Jahre betrieben.

Seit Mitte der 1970er Jahre sind deutsche Institutionen intensiv an verschiedenen Forschungs- und Entwicklungsprojekten der Europäischen Kommission in europäischen Untertagelaboren in anderen Wirtsgesteinen beteiligt, um die internationale Methodenentwicklung zu verfolgen. Ein Schwerpunkt dabei ist die Anwendbarkeit bzw. Übertragbarkeit dieser Methoden auf die Wirtsgesteine zu prüfen, die in Deutschland für eine Endlagerung in Betracht kommen. Neben der in Deutschland zunächst favorisierten „Salzoption“ wurden die Arbeiten in den 1980er Jahren um Untersuchungen in kristallinen Gesteinen (z. B. Granit) und seit den späten 1990er Jahren zunehmend auch in Tonsteinen erweitert. Derzeit verfügt Deutschland über kein eigenes Untertagelabor.