NORM

Natürliche Radionuklide sind Bestandteil der menschlichen Umwelt. Sie kommen in Luft, Wasser, Nahrung und Erde vor und tragen ganz wesentlich zur Strahlendosis des Menschen bei. Wie hoch dieser Anteil im Einzelfall ist, hängt von der geographischen Lage, der Beschaffenheit des Untergrunds und den Lebensgewohnheiten ab. Die Strahlendosis variiert daher beträchtlich.

Mit dem Begriff NORM (Naturally Occurring Radioactive Material) werden Stoffe bezeichnet, in denen sich durch bestimmte Prozesse ‒ z. B. in einzelnen Industriebranchen ‒ diese natürlichen Radionuklide anreichern und damit die allgemein im Boden vorhandene Aktivitätskonzentration überschreiten. Beispiele für solche Radionuklide sind Uran - und Thorium-Isotope und ihre Zerfallsprodukte wie Radium aber auch das radioaktive Edelgas Radon.

Beispiele für NORM Die verschiedenen Arten von Anreicherungsprozessen
Untersuchungen verschiedenster industrieller Branchen konnten zeigen, wo NORM vorkommen und über welche Prozesse sie angereichert werden. In einigen Industriezweigen wurden unerwartet hohe Konzentrationen von Radionukliden aber auch erhöhte Strahlenexpositionen für Personal und Bevölkerung festgestellt.
Aus Sicht des Strahlenschutzes sind neben der Aktivitätskonzentration auch die strahlenbiologischen Eigenschaften der radioaktiven Materialien entscheidend. Beide unterscheiden sich abhängig davon, ob die natürlichen Radionuklide im Industrieprozess mechanisch, chemisch oder thermisch (z. B. Verbrennung) angereichert wurden.

Beim Gewinnen und Aufbereiten von Bodenschätzen kann sich die Aktivitätskonzentration der Radionuklide bereits durch erste mechanische Arbeitsschritte erhöhen. Nachfolgende chemische Prozesse können dazu führen, dass bestimmte natürliche Radionuklide sich in Rückständen wie Schlämmen, Ablagerungen oder sogar Endprodukten anreichern.

Bei thermischen Prozessen, wie z. B. dem Verbrennen fossiler Energieträger oder der Verhüttung von Erzen, reichern sich leicht flüchtige Radionuklide im Abgasstrom an. Sie werden hier in Filtern mit erhöhten Aktivitätskonzentrationen nachgewiesen. Weniger flüchtige Radionuklide verbleiben in Verbrennungsrückständen wie Schlacken oder Aschen.

NORM im Wasser
Bei der üblichen Aufbereitung von Trinkwasser werden u.a. auch natürliche Radionuklide aus dem Rohwasser entfernt. Dabei durchlaufen viele Kubikmeter Wasser die Aufbereitungsanlagen über einen längeren Zeitraum. Die natürlicherweise im Rohwasser vorkommenden radioaktiven Stoffe werden in den Filtern zurückgehalten und sammeln sich auf diese Weise in Rückständen an.

Grundwasser kann auch natürlicherweise bereits eine erhöhte Radioaktivität aufweisen. Durch die Förderung von Tiefenwässern beim Gewinnen von Bodenschätzen (z. B. von Kohle, Erdöl oder Erdgas) kann es an verschiedenen Stellen der Produktion zur Bildung von NORM kommen.

Strahlenschutz: Überwachung von NORM
Der Schutz von Mensch und Umwelt vor natürlichen Strahlungsquellen ist in Deutschland seit Juli 2001 durch die Umsetzung der EURATOM-Richtlinie 96/29 in die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) geregelt.

Da auf natürliche radioaktive Quellen zwangsläufig erheblich geringer regulierend eingewirkt werden kann als auf künstliche (z. B. in Kernkraftwerken oder der Medizin), konzentrieren sich die Regelungen hierzu auf den Strahlenschutz am Arbeitsplatz sowie den sachgerechten Umgang mit NORM. Beispielsweise sind für konkrete Arbeitsfelder, in denen Beschäftigte mit NORM in Berührung kommen, Anforderungen und Regelungen zum Schutz des Personals sowie zur Verwertung und Beseitigung von NORM festgeschrieben. Durch die Kombination aus der eigenverantwortlichen Überwachung einer Industriebranche und den Vorschriften der Strahlenschutzverordnung ist der Strahlenschutz bezüglich NORM in Deutschland heute bereits gut geregelt.

Weitere Informationen
Strahlenschutzverordnung (STrlSCHV)
Richtlinie 2013/59/Euratom des Rates vom 5. Dezember 2013 zur Festlegung grundlegender Sicherheitsnormen für den Schutz vor den Gefahren einer Exposition gegenüber ionisierender Strahlung und zur Aufhebung der Richtlinien 89/618/Euratom, 90/641/Euratom, 96/29/Euratom, 97/43/Euratom und 2003/122/Euratom