Kernenergie weltweit: Übersicht über Reaktoren und Anteil am Strommix

10.05.2021
Gut zehn Jahre nach dem Nuklearunfall von Fukushima steht der Atomausstieg in Deutschland kurz vor seinem Abschluss: Noch in diesem Jahr werden drei Anlagen endgültig vom Netz genommen, die letzten drei bis Ende des kommenden. Doch die Kernkraftwerke (KKW) werden längst nicht überall abgeschaltet – weltweit werden ganz unterschiedliche Wege hinsichtlich der Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung eingeschlagen. Dabei lassen sich grob drei Gruppen unterscheiden: Während die einen den Ausstieg aus der Kernenergie anstreben, lassen andere ihre KKW weiterlaufen, wieder andere bauen ihre Kernenergiestrukturen aus oder fördern die Entwicklung neuer Reaktorkonzepte. Dabei werden jeweils plausible Argumente ins Feld geführt: So berufen sich Befürworter auf die Zuverlässigkeit, mit der die Kernenergie geliefert wird, oder verweisen auf die niedrige CO2-Bilanz, die im Kampf gegen den Klimawandel als Pluspunkt angesehen wird; Gegner nennen das bestehende Unfallrisiko, die Endlagerfrage oder hohe Kosten. 

Die unterschiedlichen Meinungen finden sich zurzeit exemplarisch in der Diskussion über die sogenannte Taxonomie der Europäischen Union wieder. Darin soll festgelegt werden, welche wirtschaftlichen Aktivitäten in der EU zukünftig als „nachhaltige Investitionen“ gekennzeichnet werden. Ob Kernenergie dazugehört, steht noch nicht fest, eine Einigung ist aufgrund der unterschiedlichen Positionen der einzelnen Mitgliedsstaaten schwierig. 

Dieses Dossier bietet einen Überblick über die Kernenergie weltweit. Einmal jährlich wird es aktualisiert und auf der Webseite der GRS neu veröffentlicht.
 

Lage in Deutschland

In Deutschland sind aktuell 6 Reaktoren am Netz: Brokdorf, Emsland, Grohnde, Gundremmingen C, Isar 2 und Neckarwestheim. Die letzten KKW werden Ende 2022 abgeschaltet. Das Durchschnittsalter der 6 Reaktoren beträgt 34,1 Jahre. (Die Zahlen zum Durchschnittsalter in diesem Text ergeben sich ab dem Tag des kommerziellen Leistungsbetriebs und geben den Stand Januar 2021 aus dem World Nuclear Industry Status Report wieder.) Die 6 KKW produzierten 2020 einen Anteil am Strommix von 11,3 %.

Doch KKW sind nicht die einzigen Nuklearanlagen in Deutschland. Die 6 zurzeit laufenden Forschungsreaktoren dürfen auch nach 2022 weiter betrieben werden. Gleiches gilt für die sogenannten Anlagen der nuklearen Ver- und Entsorgung. Dazu zählen neben den Zwischen- und Endlagern für radioaktive Abfälle die Brennelement-Fertigungsanlage in Lingen und die Urananreicherungsanlage in Gronau. 

 

Lage weltweit

Anteil der Kernenergie an der weltweiten Stromproduktion (Quelle: WNISR)Weltweit sind zurzeit 444 Kernreaktoren mit einem Durchschnittsalter von 30,7 Jahren in Betrieb, 50 Blöcke werden aktuell gebaut, 169 wurden stillgelegt bzw. werden gegenwärtig rückgebaut. Diese Zahlen sind hier und im Folgenden von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) übernommen. Der „World Nuclear Industry Status Report“ (WNISR) kommt auf eine etwas geringere Anzahl. Das liegt daran, dass bei den Zahlen der IAEO die sogenannten „Long-term-shutdown-Reaktoren“ mit einbezogen sind. Dabei handelt es sich um Reaktoren, die langfristig heruntergefahren sind, aber nicht final abgeschaltet. Der Großteil dieser Reaktoren steht in Japan.

Der Anteil der Kernenergie an der weltweiten Stromproduktion lag in den letzten Jahren einigermaßen stabil zwischen 10 und 11 % (Die Zahlen bezüglich des Strommixes sind hier und im Folgenden von der Internationalen Energieagentur IEA übernommen und geben den Stand 2018 wieder.), von seinem Rekordhoch (17,5 % in 1996) ist er ein gutes Stück entfernt. Dieser Rückgang ist allerdings nicht darauf zurückzuführen, dass weniger Strom in KKW produziert wird. Vielmehr ist der relative Anteil abgesunken, weil die Erneuerbaren ausgebaut wurden, vor allem aber, weil fossile Kraftwerke absolut gesehen deutlich mehr Strom produzieren als in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten.

Anzahl in Betrieb genommener (blau) und abgeschalteter Reaktoren (braun) weltweit (Quelle: WNISR)Ein Blick auf die sich stetig verändernde weltweite Reaktorlandschaft lässt es zu, folgende Trends zu benennen: Die meisten neuen Reaktorblöcke werden in Asien gebaut, wohingegen die meisten im Rückbau befindlichen Reaktoren in Westeuropa und Nordamerika zu finden sind. Entsprechend ist das Durchschnittsalter der Reaktoren in Asien vergleichsweise niedrig. Neue Reaktorblöcke haben zudem durchschnittlich eine größere Leistung als die der stillgelegten, sodass trotz eines Rückgangs an Reaktorblöcken die installierte Leistung steigen kann.

In der nachfolgenden Übersicht wird die Situation sortiert nach Kontinenten (Europa, Amerika, Asien und Afrika) dargestellt. Australien/Ozeanien ist nicht berücksichtigt, da dort keine KKW betrieben werden. Nach einer kurzen Zusammenfassung wird für jeden Kontinent eine Auswahl an Staaten vorgestellt, die entweder besonders viele Reaktoren betreiben oder bei denen sich neue Entwicklungen ergeben haben oder abzeichnen. Für eine detailliertere Auflistung aller Staaten sei auf das Power Reactor Information System (PRIS) der IAEO bzw. auf den World Nuclear Industry Status Report verwiesen.
 
 

Europa

In Europa lag der Anteil der Kernenergie im Jahr 2018 bei ca. 23 % der Gesamtstromerzeugung. Damit rangierte sie auf dem ersten Platz. Insgesamt sind in Europa 180 Reaktoren in Betrieb, das Durchschnittsalter beträgt 33,6 Jahre. 15 Reaktoren werden zurzeit gebaut, 116 befinden sich im Rückbau. 

Westeuropa

Den größten Anteil am Strommix stellt die Kernenergie in Frankreich; 2019 waren es ca. 71 %. Mit 56 Reaktoren steht Frankreich auch in dieser Hinsicht europaweit an der Spitze. Allerdings ging der letzte Reaktor 1999 ans Netz, das Durchschnittsalter beträgt 35,1 Jahre. Im KKW Flamanville wird zurzeit ein neuer Block gebaut. Das Bauvorhaben begann 2007, ursprünglich war eine Fertigstellung bis 2012 geplant. Der Zeitplan wurde jedoch mehrfach verlängert, die Kosten haben sich seitdem vervielfacht. Kernenergie soll auch bei den Klimaschutzplänen Frankreichs eine wichtige Rolle einnehmen. Anfang des Jahres gab die französische Atomaufsichtsbehörde ASN bekannt, dass die Laufzeit der 32 ältesten Reaktoren unter Auflagen verlängert wird – von bisher 40 auf nunmehr 50 Jahre. Frankreich ist auch international aktiv. Aktuell wurde an Indien ein Angebot über den Neubau von 6 Reaktorblöcken übergeben.

Auch das Vereinigte Königreich setzt nach wie vor auf die Kernenergie – ca. 17,4 % des Stroms kommen aus KKW. Zurzeit werden 13 Reaktorblöcke betrieben, 2 weitere sind im Bau (Hinkley Point C), 30 Reaktorblöcke befinden sich im Rückbau. Am Standort Sizewell sollen 2 weitere Blöcke errichtet werden. Nach dem „Ten Point Plan for a Green Industrial Revolution“ der Johnson-Regierung sollen Small Modular Reactors (SMRs) und Advanced Modular Reactors zukünftig eine wichtige Rolle im Energiemix spielen. So hat beispielsweise der Konzern Rolls-Royce angekündigt, SMRs zu produzieren. Die Reaktoren im kleineren Maßstab sollen sowohl im Königreich als auch im Ausland Abnehmer finden – so ist beispielsweise Rolls-Royce in Gesprächen mit einem estländischen Start-up.

Daneben ist vor allem Belgien hervorzuheben, wo 7 Reaktoren fast die Hälfte des Strombedarfs decken. Die Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 sollen 2022/2023 abgeschaltet werden. Geplant ist, die weiteren, im Schnitt 47,6 Jahre alten Reaktoren 2025 abzuschalten. Dies steht aber unter dem Vorbehalt, dass die Stromversorgung in Belgien damit nicht gefährdet wird. 

Große Ausbauaktivitäten lassen sich in Westeuropa insgesamt nicht ausmachen; neben Frankreich und Großbritannien baut lediglich Finnland zu den laufenden 4 Blöcken einen weiteren (Olkiluoto), wodurch das Durchschnittsalter von 41,8 Jahren gesenkt werden wird. Laut neuesten Meldungen soll der kommerzielle Betrieb im Februar 2022 aufgenommen werden. Für den Bau eines weiteren Reaktorblocks wurde die Baustelle eingerichtet und der Antrag auf eine Baugenehmigung eingereicht. Alle Projekte in Westeuropa haben gemeinsam, dass sich die ursprünglich kalkulierten Kosten und Bauzeiten massiv erhöht haben.

Mittel- und Osteuropa

Mehr als 50 % des Gesamtstroms produzieren die 15 Reaktoren in der Ukraine, die Energiestrategie der Regierung sieht vor, das Level bis 2035 zu halten. Um das zu realisieren, sollen die Reaktorblöcke Chmelnyzkyj-3 und -4 fertiggestellt werden, deren Bau 1986 bzw. 1987 begonnen, wegen eines Moratoriums seit 1990 aber unterbrochen ist. Das Durchschnittsalter der Reaktoren von zurzeit 31,9 Jahre wird dann sinken. Für die Bauprojekte laufen Gespräche mit Südkorea, China und Tschechien. Für die laufenden Reaktoren wurden teilweise Laufzeitverlängerungen genehmigt.

In der Slowakei werden zusätzlich zu den 4 laufenden Reaktoren, die einen Anteil von ca. 54 % produzieren, 2 weitere zeitnah in Betrieb genommen. Ähnliches gilt für Ungarn, das zurzeit knapp die Hälfte seines Stroms aus 4 Reaktorblöcken bezieht. Der Neubau von 2 Reaktorblöcken wird vorbereitet. Neueinsteiger in die Kernenergie sind Belarus, Polen und die Türkei: Polen plant, ab 2033 den ersten von insgesamt 6 Reaktoren ans Netz zu bringen; in Belarus steht der Beginn des kommerziellen Betriebs des ersten Reaktorblocks unmittelbar bevor, der zweite soll im nächsten Jahr folgen, in der Türkei werden aktuell 4 Reaktorblöcke gebaut.

In Russland werden 19,7 % des Strommixes mit Kernenergie produziert, hierfür sind 38 Reaktoren am Netz, deren Durchschnittsalter bei 27,8 Jahren liegt. In den letzten zwei Jahrzehnten sind 12 neue Reaktoren in Betrieb genommen worden, darunter die das schwimmende KKW Akademik Lomonossow. Es ist das erste KKW, bei dem SMRs für die zivile Stromversorgung zum Einsatz kommen. Weitere Blöcke sind geplant bzw. im Bau. Zudem ist Russland sehr stark im Ausland aktiv: Neben Ungarn und Belarus plant bzw. realisiert Russland den Reaktorneubau beispielsweise in Finnland, Iran, Türkei, Ägypten, Indien oder Bangladesch; weitere Zusammenarbeiten, vor allem mit afrikanischen Staaten, sind geplant.
 
 

Amerika

Im Jahr 2018 lag der Anteil der Kernenergie am Gesamtstrommix auf dem Kontinent Amerika bei ca. 15 %. Zur Produktion sind 120 Reaktoren mit einem Durchschnittsalter von 39,4 Jahren in Betrieb. Hier ist allerdings ein deutliches Nord-Süd-Gefälle zu beachten: Während in den USA und Kanada 113 Reaktoren laufen, sind es südlich davon gerade einmal 7. Gebaut werden zurzeit 4 Blöcke, im Rückbau befinden sich 45. 

In den Vereinigten Staaten sind mit 94 Reaktoren mehr am Netz als in jedem anderen Land der Welt; sie stellen 19,7 % des Stroms zur Verfügung. Das durchschnittliche Alter beträgt 40,2 Jahre. Dieser Wert wird in den nächsten Jahren wohl noch steigen: Laufzeitverlängerungen eines Großteils der Reaktoren von 40 auf 60 Jahre sind bereits beschlossen, eine weitere Verlängerung auf 80 Jahre ist für 6 Reaktorblöcke bereits genehmigt, über 100 Jahre Laufzeit wird zumindest laut nachgedacht. Da allerdings in einigen Fällen die Nachrüstungen, die für solche Laufzeitverlängerungen Voraussetzung sind, zu teuer gewesen wären, wurden etliche Anlagen abgeschaltet, zuletzt der dritte und letzte Block in Indian Point im Bundesstaat New York. In der Energieplanung des neuen Präsidenten Joe Biden soll Kernenergie eine größere Rolle spielen. So soll die Entwicklung neuer Reaktorkonzepte gefördert werden, vor allem von SMRs. Zudem sind amerikanische Firmen wieder zunehmend  an Reaktorprojekten im Ausland interessiert, wie z. B. in Polen, Rumänien und Bulgarien.

Fast 15 % des Strommixes produzieren die 19 Reaktoren (Durchschnittsalter 37,5 Jahre) in Kanada. Hier sind zwar keine neuen Reaktorblöcke im Bau, dafür werden aber teils Projekte zu SMRs gefördert, teils wird deren Potenzial in Machbarkeitsstudien geprüft. Südlich der USA werden in lediglich drei Staaten Reaktoren betrieben: 3 in Argentinien und jeweils 2 in Mexiko und Brasilien. Der Anteil am Strommix lag in diesen Ländern zwischen 2,7 und 5,3 %. Geplant wird ein neuer Reaktorblock in Argentinien, in Brasilien wurden die Arbeiten am dritten Block nach sechs Jahren Unterbrechung wieder aufgenommen.

 

Asien

  
In Asien kommt der Anteil der Kernenergie auf gerade einmal 4 %. Sieben Länder betreiben insgesamt 142 Reaktoren. Deren durchschnittliches Alter beläuft sich auf 19,1 Jahre. Zudem werden hier 35 Blöcke neu gebaut – dem gegenüber stehen 31 Reaktoren, die sich im Rückbau befinden. Auf keinem anderen Kontinent werden auch nur annähernd so viele neue KKW gebaut. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Anteil Asiens an der Weltbevölkerung bei über 50 % liegt und sich der Energiebedarf in den letzten Jahrzehnten in keinem Kontinent so vervielfacht hat wie hier.

Fernost

4,9 % beträgt der Anteil der Kernenergie am Gesamtstrommix in China. Dafür sind 50 Reaktoren mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 8,6 Jahren verantwortlich. 18 neue Reaktoren verschiedener Typen werden zurzeit gebaut – für Chinas Bemühungen, den CO2-Ausstoss zu reduzieren, spielt die Kernenergie eine wichtige Rolle. Das wird auch im neuen 5-Jahres-Plan noch einmal bekräftigt, in dem weitere Reaktorneubauten enthalten sind. China drängt zudem in neue Märkte vor, um seine Technologie und Kompetenzen zu verkaufen. So hat man in Großbritannien für den Reaktortyp Hualong-One eine generische Sicherheitsüberprüfung abgeschlossen und in Pakistan stehen 2 Hualong-One Reaktorblöcke kurz vor der Fertigstellung.

In Südkorea ist der Anteil der Kernenergie ein ganzes Stück höher: 26,3 % produzieren die aktuell 23 laufenden Reaktoren. Obwohl die Regierung den Ausstieg aus der Kernenergie plant, werden die 4 in Bau befindlichen Reaktorblöcke fertiggestellt. Bis 2043 sollen 12 Reaktoren stillgelegt werden. Südkorea bemüht sich zudem in verschiedenen Ländern darum, in Bauprojekte mit einzusteigen; in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist man schon aktiv, Gespräche mit beispielsweise Tschechien oder der Ukraine laufen.

Zu den Ländern, deren Kernindustrie durch Fukushima stark beeinflusst wurde, gehört logischerweise auch Japan. Vor dem Unglückstag liefen dort 54 Reaktoren, die fast 30 % des Strombedarfs deckten. Diese wurden nach der Katastrophe zunächst alle heruntergefahren, 9 davon sind mittlerweile wieder am Netz. Dem gegenüber stehen 27 Reaktoren, die sich zurzeit im Rückbau befinden, der Anteil am Strommix beläuft sich auf 7,5 %. Die restlichen Reaktoren sind nach wie vor abgeschaltet, wie es weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Ein neuer Reaktorblock wird derzeit gebaut.

Taiwan hat nach den Eindrücken der Ereignisse aus Fukushima den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Die verbleibenden 4 Reaktoren sollen noch bis 2025 Strom erzeugen, bevor sie abgeschaltet werden. 

Anders sieht es in Indien aus, wo zusätzlich zu 23 laufenden Reaktoren 6 weitere Blöcke gebaut werden. Der Anteil von 3,2 % am Gesamtstrommix wird also voraussichtlich steigen. Dabei handelt es sich um indische Eigenentwicklungen auf Basis des CANDU sowie Reaktorblöcke russischen Typs. Geplant ist außerdem der Neubau von 6 Reaktorblöcken westlicher Bauart. 

Naher und Mittlerer Osten

Auch in Pakistan wird die Kernenergie zur Stromerzeugung genutzt: 6 Reaktorblöcke decken hier ca. 6,6 % des Strombedarfs, 2 weitere sind im Bau. Im Iran läuft seit knapp zehn Jahren der erste Reaktorblock, auch hier werden 2 weitere gebaut.

In Asien gibt es auch eine Reihe von Ländern, die aktuell in die Kernenergie einsteigen. Dazu zählen zum einen Bangladesch, wo zurzeit 2 Reaktorblöcke russischer Bauart gebaut werden, zum anderen die Vereinigten Arabischen Emirate: Barakah-1nahm vor Kurzem den kommerziellen Betrieb auf, 3 weitere werden in Kürze folgen (alles koreanische APR-1400).

 

Afrika

In ganz Afrika werden lediglich zwei Reaktoren betrieben, die einen Anteil am Gesamtstrommix von etwa 1 % produzieren. Sie stehen beide in Südafrika, wo Kernenergie auf einen Anteil von 6,7 % kommt. Beide Anlagen wurden zeitgleich gebaut und gingen 1984 bzw. 1985 ans Netz, woraus sich ein Durchschnittsalter von 36,1 Jahren ergibt. Weitere Bauprojekte sind in Südafrika zurzeit nicht geplant. 

Dass die Kernenergie in Afrika zurzeit kaum stattfindet, bedeutet nicht, dass sie für manche Länder nicht interessant ist. Die Stromnetze auf dem Kontinent werden in den nächsten Jahren ausgebaut werden müssen, die Kernenergie könnte dabei eine Rolle spielen. China und Russland haben längst ihre Fühler ausgestreckt. 

So ist der Bau von insgesamt 4 russischen Reaktorblöcken in Ägypten beschlossene Sache, avisierter Baubeginn ist 2022. Dazu kommt eine Reihe von Übereinkommen mit afrikanischen Staaten, die noch keinen konkreten Zeitplan aufweisen, aber durchaus realisiert werden könnten. Solche Übereinkommen hat China mit Kenia, Sudan und Uganda; Russland ist in Gesprächen mit Algerien, Äthiopien, Ghana, Nigeria, Ruanda, Sambia und Sudan. Mit Namibia und Niger befinden sich in Afrika zudem der viert- und der fünftgrößte Uranproduzent.

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