GRS informiert Öffentlichkeit mit aktualisierter Broschüre über das Thema Stilllegung

11.12.2017

Bild: EWN

Aktuell befinden sich in Deutschland 21 Kernkraftwerke in der Stilllegung beziehungsweise im Rückbau. Allein im ersten Halbjahr 2017 haben fünf Kernkraftwerke die Genehmigung für Stilllegung und Abbau erteilt bekommen, darunter Isar 1, Neckarwestheim 1, Biblis A und Biblis B sowie Philippsburg 1. Zwischen der endgültigen Abschaltung und der Stilllegung liegt in der Regel eine mehrjährige Phase des sogenannten Nachbetriebs.

Die GRS hat im Auftrag des Bundesumweltministeriums eine Broschüre erarbeitet, die über das Thema Stilllegung informiert. Sie gibt einen Überblick über die Strategien und Techniken der Stilllegung und stellt verschiedene Beispiele aus Deutschland und anderen Ländern vor. Gleichzeitig werden Genehmigung und Aufsicht, Abfallmanagement und die Kosten der Stilllegung beleuchtet.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Stilllegung?

Leitstand für die fernbediente Zerlegung im Kernkraftwerk Obrigheim (Quelle: EnBw/ Uli Deck)Unter Fachleuten bezeichnet der Begriff Stilllegung sämtliche Maßnahmen, die nach Erteilung der Stilllegungsgenehmigung für ein Kernkraftwerk durchgeführt werden, bis eine behördliche, d. h. atomrechtliche Überwachung nicht mehr nötig ist. Ziel der Stilllegung ist, dass der natürliche Ausgangszustand vor dem Bau des Kernkraftwerks wiederhergestellt wird: die sogenannte „grüne Wiese“. Der komplette Prozess dauert in der Regel etwa 15 Jahre.

Wie läuft die Stilllegung eines Kernkraftwerks ab?

Zunächst muss die Stilllegung beantragt und genehmigt werden. Dazu muss der Betreiber des Kernkraftwerks belegen, dass die Anlage sicher und entsprechend dem kerntechnischen Regelwerk zurückgebaut wird. Nach der Genehmigung kann der eigentliche Abbau beginnen. Dieser läuft meist von innen nach außen ab. Zuerst werden die Bereiche des Kernkraftwerks abgebaut, die nicht oder kaum kontaminiert sind. Die stärker kontaminierten Teile werden anschließend demontiert. Wegen der hohen Strahlung geschieht dies teils fernbedient. Kontaminierte Gegenstände und Räume müssen dekontaminiert werden. Dabei finden spezielle Reinigungsverfahren ihren Einsatz wie zum Beispiel das Sandstrahlen oder das Abschälen von Oberflächen. Größere Komponenten, wie z.B. Dampferzeuger, werden eventuell vor ihrer Zerlegung mitunter eine Zeit lang zwischengelagert, damit die Strahlung weiter abnimmt. Zuletzt werden die Gebäude abgerissen.

Was passiert mit den Abfällen?

Beim Rückbau eines Leistungsreaktors fallen etwa 200.000 Tonnen an Reststoffen an. Der größte Teil davon ist nicht radioaktiv belastet. Er kann nach einer Kontrollmessung und anschließender Freigabe durch die Behörde recycelt oder konventionell entsorgt werden. Ein geringer Prozentsatz der Reststoffe ist radioaktiv belastet und muss in einem Endlager für radioaktive Abfälle gelagert werden. Da bislang in Deutschland noch kein Endlager zur Aufnahme solcher radioaktiver Abfälle bereit steht, werden die Abfälle in standortnahen Zwischenlagern untergebracht.

Welche Vorkehrungen schützen die Arbeiter vor den radioaktiven Strahlen?

Leeres Brennelement-Lagerbecken im Kernkraftwerk Obrigheim, das während des Abbaus als Zerlegebereich genutzt wird (Quelle: EnBw/ Uli Deck)Für den Kontrollbereich eines Kernkraftwerks gelten besonders strenge Strahlenschutzvorschriften. Es handelt sich hierbei um den Bereich, in dem Personen im Jahr einer effektiven Dosis von mehr als 6 Millisievert oder höheren Organdosen als 45 Millisievert für die Augenlinse oder 150 Millisievert für die Hände, Unterarme, Füße, Knöchel und Haut ausgesetzt sein können.

Abhängig davon, in welchem Bereich die Arbeiten anfallen, tragen die Arbeiter eine Schutzausrüstung. Diese schützt sie vor der radioaktiven Strahlung. Die Arbeiter im Kontrollbereich tragen ein Dosimeter. Über das Dosimeter wird gemessen, wie hoch die Strahlenexposition der einzelnen Person ist. Behördliche Stellen werten die Dosimeter aus. So kann festgestellt werden, ob die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden.

Wer trägt die Kosten für die Stilllegung?

Die Kosten für den Abbau eines Kernkraftwerks variieren abhängig von der Art der Anlage, der Strategie und der Dauer der Stilllegung. Groben Schätzungen zu Folge fallen pro Anlage rund 700 Millionen Euro an. Für diesen Betrag kommen die Energieversorgungsunternehmen (EVU) auf. Die Verantwortung für die Zwischen- und Endlagerung liegt in der Hand des Staates. Hierfür haben die EVU finanzielle Mittel in Höhe von rund 24 Milliarden Euro in einen öffentlich-rechtlichen Fonds eingezahlt.

Arbeiten der GRS zur Stilllegung

Die GRS verfolgt aktuelle Entwicklungen in puncto Stilllegung in Deutschland, aber auch im internationalen Bereich. Schwerpunkte der GRS-Arbeiten bilden dabei der berufliche Strahlenschutz, das Abfallmanagement, die Freigabe radioaktiver Stoffe sowie die Techniken und Konzepte des Rückbaus.

Mehr erfahren

Stilllegungsbroschüre
Arbeiten der GRS zur Stilllegung
Informationen des Bundesumweltministeriums zur Stilllegung
GRS-Bericht: Strahlenschutzaspekte gängiger Abbau- und Dekontaminationstechniken