Das Felslabor Mont Terri: Forschung zu Endlagern in Tonstein

31.03.2014

Im Schweizer Kanton Jura befindet sich 300 Meter unter der Erde unmittelbar neben einem Autobahntunnel eines der wichtigsten europäischen Untertagelabors: Das Felslabor Mont Terri. Wissenschaftler aus der ganzen Welt kommen seit 1996 hierher, um Experimente im dort vorhandenen Opalinuston durchzuführen. Schwerpunkt der Forschungsarbeiten ist die Endlagerung radioaktiver Abfälle.

 

Arbeitsschwerpunkte in Mont Terri
Die Forschung im 500 Meter langen Laborstollen konzentriert sich in erster Linie darauf, die geologischen, hydrogeologischen, geochemischen und felsmechanischen Eigenschaften des Opalinustons als mögliches Wirtsgestein zu untersuchen. Opalinuston zeichnet sich wie andere Tone dadurch aus, dass er wasserundurchlässig ist. Er bindet Wasser, indem er aufquillt und dabei kleinere Risse kittet oder eingelagerte Objekte einschließt. Eine weitere Besonderheit von Ton ist, dass er Schadstoffe ‒ z.B. radioaktive Stoffe ‒ zurückhalten („sorbieren“) kann. Die Forscher entwickeln neue Untersuchungsmethoden und führen Demonstrationsexperimente zur Konzipierung eines Endlagers in Tonstein durch.
Mont Terri ist aber nicht nur für Endlagerforscher interessant. Es finden auch Experimente für die Entsorgung chemischer Abfälle, die CO2-Speicherung oder die Tiefengeothermie statt.Installation von Porenwasserdruckaufnehmern in Mont Terri

 

Derzeit forschen 15 Projektpartner aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Japan, Kanada, der Schweiz, Spanien und den USA in Mont Terri. Die GRS arbeitet seit 1998 im Felslabor, das vom staatlichen Geoinformationszentrum der Schweiz swisstopo betrieben wird. Neue Experimente müssen die Wissenschaftler beim Kanton vorstellen. Der Kanton prüft die Arbeiten und entscheidet gemeinsam mit den umliegenden Dörfern darüber, ob ein Experiment zugelassen wird oder nicht.

 

Arbeiten der GRS in Mont Terri
Die GRS erhebt und interpretiert in Mont Terri Daten zum Opalinuston, um die möglichen Prozesse in einem Endlager im Opalinuston besser zu verstehen. Dazu erarbeitet sie Modelle, die diese Prozesse und Wechselwirkungen abbilden können. Die Modelle bilden wiederum die Grundlage für Rechenprogramme, mit denen sich die Abläufe in Endlagern aus Tonstein simulieren lassen.

 

Aktuell ist die GRS an sechs Forschungsprojekten beteiligt. Gemeinsam mit der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), der Schweizer NAGRA und der spanischen ENRESA untersucht die GRS, wie sich ein Endlager im Tonstein unmittelbar nach seinem Verschluss verhält (Experiment PEBS/HE-E). Die Forscher wollen beobachten, wie sich die von den wärmeentwickelnden radioaktiven Abfällen ausgehende Wärme im Endlager ausbreitet und wie der Tonstein darauf reagiert. Der mehr als sechs Jahre dauernde Versuch soll u.a. dabei helfen, bestehende Simulationssoftware zu testen und zu verbessern.

 

Ziel vieler Experimente ist es, gezielt isolierte Phänomene zu betrachten. Dagegen will man mit einem sogenannten „1:1-Experiment“, das derzeit in Mont Terri durchgeführt wird, das Endlagersystem gemäß dem Schweizer Einlagerungskonzept in seiner Gesamtheit untersuchen (Experiment FE). Die GRS begleitet den Versuch u.a. durch  Porendruckmessungen. Gleichzeitig führt sie modelltheoretische Arbeiten durch und vergleicht Daten aus Messungen mit denen von zuvor erstellten Simulationen.
Wer sich selbst einen des Felslabors verschaffen möchte, kann an einer der angebotenen Führungen teilnehmen.

 

Weitere Informationen

Website des Felslabor Mont Terri
Besucherzentrum Mont Terri
Endlagerforschung in der GRS