"Wasser marsch" oder "Hahn zu"? - Forscher entwickeln Anpassungsstrategien an Klimawandel und Bevölkerungsrückgang

05.08.2013

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Während sich die Kommunen an der Nordsee über den Tourismus freuen, stellt er die Wasserversorger in der Region jedes Jahr vor Herausforderungen. Bedingt durch die Nähe zum Meer droht Salzwasser in die unterirdischen Süßwasserreservoire an den deutschen Küsten einzudringen. Gleichzeitig steigt durch den Klimawandel der Meerwasserspiegel. Aber auch der demographische Wandel stellt neue Anforderungen an die Wasserversorger. Der Bevölkerungsrückgang in manchen Gegenden Deutschlands erschwert es, die Qualität des Trinkwassers aufrechtzuerhalten.

Die GRS koordiniert im Auftrag des Bundesforschungsministeriums (BMBF) seit Juli 2013 ein Projekt, das sich mit der veränderten Situation der Wasserwirtschaft beschäftigt. Gemeinsam mit vier deutschen Wasserversorgern, dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und der TU Braunschweig entwickelt die Wissenschaftler Strategien für Wasserversorger, um sich an die erwarteten Änderungen anzupassen und unser Trinkwasser langfristig zu sichern. Für das Projekt, das den Namen NAWAK („Entwicklung nachhaltiger Anpassungsstrategien für die Infrastrukturen der Wasserwirtschaft unter den Bedingungen des klimatischen und demographischen Wandels“) trägt, untersuchen die Forscher beispielhaft die Wasserversorgung in drei deutschen Regionen:

• das Einzugsgebiet des Wasserwerks Sandelermöns des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes an der Nordseeküste
• das Elbe-Weser-Dreieck am Beispiel der Wasserversorgungen im Stader Land und im Land Hadeln sowie
• das Versorgungsgebiet der Heidewasser GmbH in Sachsen-Anhalt.

Jede dieser Regionen ist mit speziellen Fragestellungen konfrontiert. Die Wasserversorger an Elbe und Nordsee beschäftigt vor allem die Salzwasserproblematik. In den deutschen Küstenregionen dringt schon jetzt die Grenze zwischen Süß- und Salzwasser im Untergrund weiter in Richtung Inland. In einigen Regionen Sachsen-Anhalts stellt dagegen die fortschreitende Landflucht die Wasserversorger vor technische Probleme. Grund dafür ist, dass die Infrastrukturen der Wasserversorger zu wenig genutzt werden.

Im Projekt NAWAK untersuchen die Forscher in einem ersten Schritt den Einfluss des Klimawandels und der demographischen Entwicklung auf die Wasserversorgung. Für Beeinträchtigungen der Wasserversorger leiten sie verschiedene Szenarien ab und bewertet deren Folgen. Dabei kommen unter anderem Rechenprogramme zum Einsatz, mit denen sich Wasserhaushalt und Grundwasserbewegungen modellieren und vorhersagen lassen. Basierend auf diesen Untersuchungen formulieren die Forscher in einem zweiten Schritt Anpassungsstrategien für die Wasserversorgung. Da sich die Probleme von Region zu Region unterscheiden und die Wasserwirtschaft dezentral organisiert ist, lassen sich keine allgemeingültigen Anpassungsstrategien für alle deutschen Wasserversorger formulieren. Die Forscher suchen im NAWAK-Projekt deshalb nach individuellen Strategien, die auch konkrete Maßnahmen beinhalten. Dabei soll es sowohl um Handlungsempfehlungen als auch um Vorschläge für technische Nachrüstungen gehen. Mit Ergebnissen ist zu Projektende 2016 zu rechnen.

Projektpartner
TU-Braunschweig
Oldenburgisch-Ostfrisischer Wasserverband (OOWV)
Leibnitz-Institut für angewandte Geophysik (LIAG)
Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
Wasserversorgungsverband Land Hadeln (WVV)
Trinkwasserverband Stader Land (TWV)
Heidewasser GmbH (HW)

Laufzeit
2013 bis 2016