Nukleare Sicherheitsforschung: Projektträger der GRS veröffentlicht Bericht zu künftigen Schwerpunkten

08.05.2013

„Nukleare Sicherheitsforschung: Neuorientierung an aktuellen energiepolitischen Rahmenbedingungen“, lautet der Titel des kürzlich vom Kompetenzverbund Kerntechnik erstellten Evaluierungsberichts zur Zukunft der nuklearen Sicherheitsforschung.

Der GRS-Bereich „Projektträger/Behördenunterstützung” hat den Bericht in seiner Rolle als Projektträger für Reaktorsicherheitsforschung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) auf Veranlassung und im Namen des Kompetenzverbunds Kerntechnik herausgegeben. In die Beratungen zur inhaltlichen Abstimmung des Berichts waren auch die zuständigen Bundesressorts BMWi, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesumweltministerium (BMU) eingebunden.

Thematische Richtschnur für die nukleare Sicherheitsforschung

Der Evaluierungsbericht macht vor dem Hintergrund des Ausstiegs aus der Kernenergie zur Stromerzeugung auf Forschungsbedarf in verschiedenen Bereichen der nuklearen Sicherheit aufmerksam. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die Themen sicherer Restbetrieb, Stilllegung und Endlagerung. Darüber hinaus werden zukünftig  verstärkt internationale Fragestellungen zur nuklearen Sicherheit in den Fokus der Forschung rücken. Folgende Aufgaben sind aus Sicht des Kompetenzverbundes Kerntechnik zukünftig zu bearbeiten:

1. Restbetrieb deutscher Reaktoren technisch-wissenschaftlich absichern

Die deutschen Kernkraftwerke müssen bis zu ihrer Abschaltung weiterhin sicher betrieben werden. Auch nach Abschaltung muss die Sicherheit der Anlagen so lange aufrechterhalten werden, bis das Kernmaterial vollständig aus ihnen entfernt ist. Ziel der Forschungsarbeiten ist es, durch Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen und Weiterentwicklung des Standes von Wissenschaft und Technik zur Realisierung eines höchstmöglichen Sicherheitsniveaus beizutragen.  

2. Anlagen sicher stilllegen und zurückbauen

Mit dem Rückbau kerntechnischer Anlagen wird deren Betrieb schrittweise beendet, die Anlage in allen Teilen abgebaut und entsorgt und schließlich der Baugrund wiederhergestellt. Neue Forschungsarbeiten sollen darauf abzielen, vorhandene und etablierte Verfahren durch neue, verbesserte Technologien zu ergänzen, um sie an spezifische Problemstellungen in den jeweiligen Anlagen besser anpassen zu können.

3. Radioaktive Abfälle sicher behandeln, zwischen- und endlagern 

Radioaktive Abfälle aus Kernenergie, Industrie und Medizin müssen sicher entsorgt werden. Neben Arbeiten zur Sicherheit von in Frage kommenden Endlagersystemen, ist es Aufgabe der Forschung, wissenschaftliche Grundlagen für die sichere Zwischenlagerung der Abfälle bis zur Inbetriebnahme eines Endlagers bereit zu stellen. Auch Verfahren der Abfallbehandlung ‒ wie beispielsweise die Partitionierung und Transmutation ‒ sind als alternative Möglichkeiten zur direkten Endlagerung zu prüfen.

4. Sicherheitsstandards ausländischer Kernkraftwerke und neuer Reaktoren beurteilen

Forschungsbedarf  sieht der Kompetenzverbund Kerntechnik insbesondere im internationalen Bereich. Aufgrund potenzieller grenzüberschreitender Auswirkungen nuklearer Unfälle ist es wichtig, auch die Sicherheitsstandards ausländischer Kernkraftwerke und neuer Reaktortypen beurteilen zu können. Zukünftige Forschungsaktivitäten tragen dazu bei, die Kompetenz zur Einschätzung von Sicherheitsstandards zu erhalten und auszubauen. Zusätzlich bilden Forschungsergebnisse zur Unfallanalyse und zur Untersuchung der radiologischen Konsequenzen bei Unfällen im Ausland betriebener Reaktoren eine wichtige Grundlage für die Arbeit deutscher Krisenzentren.

5. Technisch-wissenschaftliche Grundlagen für Unterstützung internationaler Regelbildung zur nuklearen Sicherheit schaffen

Nach den Ereignissen in Fukushima wurden in der Europäischen Union Stimmen lauter, die innerhalb der EU ein einheitliches Regelwerk mit strengen Standards vor allem für künftige Reaktorkonzepte fordern. Auch wenn Deutschland ab 2022 vollständig auf die Nutzung der Kernenergie zum Zwecke der Stromerzeugung verzichtet, ist die Entwicklung und Einführung hoher Sicherheitsstandards für ausländische Kernkraftwerke von Bedeutung. Eine Einflussnahme auf solche Regelbildungen ist allerdings nur auf der Grundlage von Kompetenzen möglich, die auf Ergebnissen eigener, international anerkannter Forschung beruhen.

Weitere Informationen
Evaluierungsbericht „Nukleare Sicherheitsforschung: Neuorientierung an aktuellen energiepolitischen Rahmenbedingungen“
GRS-Projektträger Reaktorsicherheitsforschung
Kompetenzverbund Kerntechnik