Umgang mit gefährlichen chemischen und biologischen Abfällen: GRS unterstützt EU-Projekt in Afrika

28.04.2014

 Als im August 2006 eine niederländische Firma verbotenerweise mehrere hundert Tonnen chemische Abfälle bei Abidjans (Stadt an der afrikanischen Elfenbeinküste) in die Umwelt entsorgt, hat das fatale Folgen: nach einer Information der EU aus dem Jahr 2006 sterben acht Menschen an den Folgen der Umweltgifte, bei Zehntausenden führen sie zu teils gravierenden gesundheitlichen Beschwerden. Neben diesen medial bekannten Umweltkatastrophen finden aber auch vermeintliche Alltagshandlungen wie beispielsweise der übermäßige Einsatz von Pestiziden, die Lagerung von Schwermetallen aus der industriellen Fertigung oder Rohstoffgewinnung, der Umgang mit biologischen Abfällen aus Krankenhäusern oder Schlachthäusern in vielen afrikanischen Ländern unter Bedingungen statt, die umweltschädlich und gesundheitsgefährdend sind.

CBNRUm Institutionen und Fachpersonal im Umgang mit diesen Abfällen zu sensibilisieren und zu schulen, startete im Januar 2014 das von der EU-Initiative Centres of Excellence (CBRN) initiierte Projekt “Management of Hazardous Chemical and Biological Waste in the African Atlantic Facade Region”. Das Vorhaben wird von der spanischen Stiftung FIIAPP (öffentlich rechtlich) koordiniert und in Kooperation mit Partnern aus Deutschland (GRS), Spanien (AENOR), Italien (ICIS) und acht afrikanischen Partnerländern durchgeführt. Zu den Partnerländern zählen die sogenannten AFF-(African Atlantic Facade) Staaten an der Atlantikküste: Elfenbeinküste, Gabun, Liberia, Mauretanien, Marokko, Senegal und Togo. Hinzu kommt Tunesien als weiteres Partnerland. Finanziert wird das Projekt von der Europäischen Union.

Projektinhalte und -ablauf: Bestandsaufnahme
In dieser ersten Phase (ca. 12 Monate) sollen zunächst internationale Anforderungen und Richtlinien für den sicheren Umgang mit gefährlichen chemischen und biologischen Abfällen zusammengestellt werden. In einem weiteren Schritt soll unter anderem der Bestand dieser Abfälle in den jeweiligen Partnerländern ermittelt werden. Erfasst werden sollen außerdem das Equipment, das die Partnerländer zur Überwachung dieser Abfälle einsetzen und die Anzahl der chemischen und biologischen Referenzlabore, in denen die Länder beispielsweise Proben der Abfälle untersuchen können.

Zusätzlich zu diesen Erhebungen werden auch Angaben zur Verbrennung von Abfällen, dem Export von Phosphaten, den Beständen von abgelaufenen Chemikalien (Pestizide/Insektizide), zu chemischen Abfällen aus Branchen wie Petrochemie, Landwirtschaft oder Pharmazie, zu chemisch belasteten Standorten und zu gefährlichen biologischen Abfällen aus Krankenhäusern oder Schlachthäusern ausgewertet.

Ausbildung, Schulung und Best-practice
Im Mittelpunkt der zweiten Projektphase (ca. 30 Monate) steht die Entwicklung und die Umsetzung eines nachhaltigen Ausbildungs- und Schulungssystems zur Abfallwirtschaft für gefährliche chemische und biologische Abfälle. Es ist vorgesehen, rund 160 Labortechniker und Wissenschaftler jeweils vor Ort in Trainings und Workshops zu schulen. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist die Sensibilisierung der Institutionen und Mitarbeiter/innen. Einerseits für das Gefährdungspotenzial, das von chemischen und biologischen Abfällen beispielsweise im Hinblick auf terroristische Zwecke ausgeht. Andererseits soll auch ein fachlicher Austausch zwischen den Ländern und auch zu internationalen Partnern etabliert werden. Darüber hinaus ist vorgesehen, die fachliche Kapazität auch in den Referenzlaboren (siehe Phase 1) zu stärken, so dass beispielsweise mehrere Mitarbeiter/innen eines Labors über die Fertigkeiten und das Wissen verfügen, um bestimmte Messungen oder Prüfungen von chemischen und biologischen Abfallkomponenten vornehmen zu können.

Aufgaben der GRS
Aufgabe der GRS in diesem Projekt wird es sein, vor Ort die Abfallvorkommen und -mengen jedes Landes zu ermitteln und diese Daten in einer Datenbank zu erfassen. Diese Daten bilden dann die Grundlage für die Entwicklung der späteren Schulungs- und Ausbildungsinhalte. 

Zur Bearbeitung des Projekts kann die GRS auf umfangreiche Erfahrungen zurückgreifen, die sie im Rahmen von Forschungsarbeiten zu chemisch-toxischen Schadstoffen gesammelt hat. Arbeitsschwerpunkte waren beispielsweise Untersuchungen zur untertägigen Entsorgung chemisch-toxischer Abfälle. Dabei hat die GRS unter anderem Konzepte entwickelt, wie diese Stoffe von der Umwelt isoliert werden können. Mit der Unterstützung von Transfer- und Schwellenländern hat die GRS in mehreren, von der EU geförderten, Forschungsvorhaben zu Vorkommen und Entsorgung des Schadstoffs Quecksilber bereits Erfahrungswerte sammeln können. 

Weitere Informationen
Projektwebsite “Management of Hazardous Chemical and Biological Waste in the African Atlantic Facade Region” des CBRN
Website der EU-Initiative CBRN 
GRS-Vorhaben zu Quecksilber