Das ETSON-Netzwerk

22.10.2018

Gemeinsam für nukleare Sicherheit in Europa


 

Der technischen Sicherheitsorganisation (TSO) eines Landes kommt beim Thema nukleare Sicherheit eine besondere Bedeutung zu: Sie unterstützt die jeweilige nationale Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde in allen wissenschaftlich-technischen Fragen zur Sicherheit der Kernenergie. Dieses Fachwissen zu bündeln, um im Interesse der Sicherheit die besten technischen Ergebnisse zu erzielen, war der Leitgedanke bei der Gründung des europäischen Netzwerks der technischen Sicherheitsorganisationen, kurz ETSON (European Technical Safety and Support Organisation Network), im Jahr 2006.

Selbstverständnis und Zielsetzung von ETSON

Gründungsmitglieder waren neben der GRS die TSO in Frankreich (IRSN) und Belgien (BelV, damals AVN). Bis heute ist der Kreis der Mitglieder auf 17 Organisationen (davon drei als assoziierte Mitglieder) angewachsen. ETSON arbeitet international mit Partnern wie der Europäischen Kommission und der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) zusammen. Ein Beispiel ist das TSO-Forum, das die IAEO im Oktober 2018 ausgerichtet hat und bei dem auch die GRS mit Beiträgen vertreten war. Aber auch mit zahlreichen europäischen und den jeweiligen nationalen Organisationen pflegt ETSON einen engen fachlichen Austausch.  

Zielsetzung des Netzwerkes ist es, Sicherheitspraktiken und wissenschaftlich fundierte Sicherheitsbewertungen in den Teilnehmerstaaten zu verbessern und zu standardisieren und den Erhalt von Kompetenz im Bereich der Reaktorsicherheit langfristig sicherzustellen. Um den wissenschaftlichen Austausch zwischen den teilnehmenden TSO zu organisieren, wurden 14 Expertengruppen zu den wesentlichen Themenbereichen der Reaktorsicherheit eingerichtet. Darin befassen sich die Fachleute unter anderem mit technischen Aspekten wie elektrische Systeme, Kernverhalten, Sicherheitskonzepte und periodische Sicherheitsanalysen (unter GRS-Leitung). Aber auch zu Themen wie menschliche und organisatorische Faktoren und Notfallvorsorge gibt es Expertengruppen. Neben der wissenschaftlichen Zusammenarbeit werden dort auch gemeinsam genutzte Methoden entwickelt – formuliert in sogenannten Technical Safety Assessment Guides . Sie enthalten konkrete Empfehlungen, die zu den spezifischen Themenfeldern innerhalb der Expertengruppen erarbeitet wurden, beispielsweise zur deterministischen Analyse schwerer Unfälle.

Neben den Expertengruppen gibt es weitere Organisationseinheiten, die sich für das Netzwerk beispielsweise um Wissensmanagement, den Austausch zu Forschungsthemen, die Qualität des technischen Programms und Akquise kümmern. Ein weiteres wichtiges Instrument innerhalb des ETSON-Netzwerkes ist das Junior Staff Programm (JSP). Es fördert den Austausch und die Vernetzung junger Nuklearexperten innerhalb des Netzwerkes unter anderem im Rahmen der jährlich stattfindenden Sommer-Workshops.  

GRS übernimmt ETSON-Präsidentschaft

Seit Oktober 2018 hat die GRS, in Person ihres technisch-wissenschaftlichen Geschäftsführers Uwe Stoll, die ETSON-Präsidentschaft übernommen. Im Fokus der zwei Jahre dauernden Amtszeit stehen unter anderem Maßnahmen, die die Position von ETSON bei den Regulierungsbehörden stärken. Hierzu soll vermehrt der Schulterschluss mit dem Verband der westlichen Regulierungsbehörden (WENRA) gesucht werden, beispielsweise über die Etablierung von gemeinsamen Expertengruppen. Auch in die Arbeit der Europäischen Kommission und die der Joint Research Center (JRC) zum Thema Reaktorsicherheit möchte sich ETSON in Zukunft stärker einbringen, was beispielsweise über gemeinsame Projekte geschehen soll.
Daneben möchte ETSON in den kommenden zwei Jahren seine technischen Aktivitäten weiter ausbauen. Unter anderem, indem technische Unterlagen und Veröffentlichungen stärker beworben werden und ETSON-Seminare zu aktuellen Themen auch außerhalb der Reaktorsicherheit angeboten werden, wie beispielsweise zu Strahlenschutz und Stilllegung.

Weiterführende Informationen

ETSON-Webseite

WENRA-Webseite