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Weiterleitungsnachricht

Kommt es in einer in- oder ausländischen kerntechnischen Anlage zu einem Ereignis mit sicherheitstechnischer Bedeutung, so können die daraus gewonnenen Betriebserfahrungen für den sicheren Betrieb deutscher Anlagen von Interesse sein. Diese Ereignisse auszuwerten und ihre Übertragbarkeit auf deutsche bzw. andere deutsche Anlagen zu überprüfen, gehört zu den Aufgaben der GRS. Ergibt die Auswertung/Analyse, dass die Erkenntnisse übertragbar sind, verfasst die GRS im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) dazu eine sogenannte Weiterleitungsnachricht (WL).

Vorgehensweise beim Erstellen von WLVorgehensweise beim Erstellen von WL

Als Grundlage für WL werden im Wesentlichen meldepflichtige Ereignisse aus deutschen Kernkraftwerken (KKW) und Forschungsreaktoren herangezogen. Über das Incident Reporting System (IRS) erhält die GRS zudem die Informationen über die Ereignisse in ausländischen Kernkraftwerken, die ebenfalls auf ihre Übertragbarkeit hin überprüft werden. Aber auch sonstige Erkenntnisse und Informationen (z. B. aus Betreiberberichten oder Behördenkontakten) können Anlass zu einer WL geben.

Kriterien

Um in einer WL aufgegriffen zu werden, muss ein Ereignis bestimmte Kriterien erfüllen. Hierzu zählen insbesondere die sicherheitstechnische Bedeutung und die Übertragbarkeit auf andere Anlagen. Man spricht in diesem Zusammenhang von der tatsächlichen oder potentiellen sicherheitstechnischen Bedeutung. In WL werden die Ereignisse hinsichtlich beider Ausprägungen bewertet.

Nicht immer ist jedoch ein konkretes Ereignis in einer kerntechnischen Anlage Anlass für eine WL.
Sie werden zum Beispiel auch dann erstellt, wenn Sachverhalte aus dem nichtnuklearen Bereich bekannt werden, die auch für Kernkraftwerke von Bedeutung sein können, wie z. B. im Herbst 2010 der international bekannt gewordene „stuxnet“-Fall. In einer WL informierte die GRS über die Schadsoftware „stuxnet“ und ihre Relevanz für kerntechnische Anlagen.
Bei der Bewertung der sicherheitstechnischen Bedeutung von „stuxnet“ stellte die GRS fest, dass die Schadsoftware für KKW zwar relevant ist, das Reaktorschutzsystem davon jedoch nicht beeinträchtigt werden kann. Grund hierfür ist, dass in allen deutschen Anlagen die Reaktorschutzsysteme aus festverdrahteten Baugruppen bestehen und nicht mit softwarebasierter Technik aufgebaut sind. Damit bieten sie von außen keinen „Angriffspunkt“ für „stuxnet“.
Auf Basis dieser Untersuchungsergebnisse sprach die GRS Empfehlungen zum Schutz vor Schadsoftware aus und gab generelle Empfehlungen zur IT-Sicherheit in deutschen Anlagen.

Analyse, Bewertung und Empfehlungen – die Inhalte einer WL

Identifiziert die GRS ein sicherheitsrelevantes Ereignis/Thema für eine WL nach den genannten Kriterien, erstellt sie einen Entwurf, den das BMU freigibt. Die WL wird daraufhin an Aufsichtsbehörden, Sachverständigenorganisationen, Betreiber und teilweise an die herstellende Industrie versandt.

Der inhaltliche Aufbau einer Weiterleitungsnachricht erfolgt immer nach dem gleichen Muster: Nach der Beschreibung des Ereignisses und seiner Ursache, werden die bisher eingeleiteten Maßnahmen des Betreibers dargestellt. Daran anschließend bewertet die GRS das Ereignis hinsichtlich seiner sicherheitstechnischen Bedeutung. Den entscheidenden Teil bilden jedoch die Empfehlungen der GRS zur Vermeidung vergleichbarer Ereignisse in anderen deutschen Anlagen. Diese Empfehlungen können konkrete Änderungen, Überwachungen, Prüfungen oder Untersuchungen in der Anlage sein.

Ein Beispiel für eine solche Empfehlung und die daraus resultierenden Maßnahmen findet sich in der WL zu einem Ereignis im schwedischen Kernkraftwerk Barsebäck im Jahr 1992. In der Anlage kam es zu einer Sumpfsiebverstopfung, woraufhin die GRS in ihrer WL auch für deutsche Anlagen eine Untersuchung dieser Phänomene empfahl. Die Ergebnisse der Untersuchungen hatten umfangreiche Umrüstungen in deutschen Kernkraftwerken zur Folge.

Anzahl WL 1981 bis 2010 zu in- und ausländischen EreignissenErfahrungsrückfluss

Nachdem die Betreiber die WL erhalten haben, nehmen sie dazu schriftlich Stellung (z. B. zum Umsetzungsstand der empfohlenen Maßnahmen bzw. zu alternativen Maßnahmen) und lassen diese Informationen über die Landesbehörde der GRS zukommen. Sie wertet den Erfahrungsrückfluss ebenfalls aus und stellt ihn allen Beteiligten in Form von regelmäßigen Berichten zur Verfügung.

Wie viele Weiterleitungsnachrichten pro Kalenderjahr erstellt werden hängt davon ab, wie häufig  Ereignisse mit sicherheitstechnischer Bedeutung und Übertragbarkeit für deutsche Anlagen eingetreten sind. 2010 wurden zum Beispiel sieben WL erstellt: eine WL zu einem Ereignis in einer kerntechnischen Anlage im Ausland und sechs WL zu Ereignissen in deutschen Anlagen.