(GRS 515) Entwicklung von Störfallszenarien für die Betriebsphase von Endlagern

Autor: 
S. Uhlmann
Jahr: 
2018

Der vorliegende Bericht enthält die Ergebnisse des Arbeitspaketes 5 des Projekts „Bewertung der Methoden zur Durchführung und Analyse der Betriebs- und Langzeitsicherheitsnachweise von Endlagern“

Um den Schutz von Mensch und Umwelt gegen die Gefahren radioaktiver Abfälle in einem Endlager nachzuweisen, werden Sicherheitsanalysen durchgeführt. Die Gesamtheit aller Sicherheitsanalysen wird als Safety Case bezeichnet /IAEA 12/. Damit enthält ein Safety Case alle wissenschaftlichen, technischen, administrativen und innerbetrieblichen Argumente und Nachweise, die die Sicherheit eines Endlagers belegen und damit die Erbringung eines umfassenden Sicherheitsnachweises ermöglichen. Die Definition des Safety-Case-Begriffs bezieht alle Arten radioaktiver Abfälle und alle Endlagerphasen mit ein. Der Safety Case eines Endlagers umfasst demnach die Standorteignung, die Anlagenauslegung, die Errichtung und den Betrieb der Anlage sowie die Störfallanalyse, die Verschlussphase und die Nachverschlussphase. Dazu gehören alle Arbeiten, die bezüglich der Sicherheit des Endlagers durchgeführt werden /IAEA 12/.

Im Fokus des Safety Cases stehen besonders potenzielle radiologische Auswirkungen. Ziel bei der Durchführung von Sicherheitsanalysen ist es, die potenziellen radiologischen Auswir-kungen zu ermitteln, die aus verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten folgen. Sind die ermittelten radiologischen Auswirkungen aus den Sicherheitsanalysen signifikant, d. h. liegen sie über den zulässigen Grenzwerten, müssen Änderungen und Anpassungen am Endlagerdesign und der -auslegung zu Gunsten der Sicherheit vorgenommen werden. Ziel dabei ist es neben der Einhaltung der jeweiligen Grenzwerte, die radiologischen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten (ALARA-Prinzip, § 6 StrlSchV /SSV 16/). Mit den implementierten Änderungen und Anpassungen werden die Sicherheitsanalysen erneut durchgeführt, um festzustellen, ob das ALARA-Prinzip sowie die radiologischen Grenzwerte eingehalten werden. Diese Vorgehensweise ist als iterativer Prozess zu bezeichnen /UHL 16/.

Störfallanalysen werden im Rahmen der Sicherheitsanalyse für die Betriebsphase durchgeführt und dienen dem Nachweis der Vermeidung bzw. der Beherrschung von Betriebsstörungen und Störfällen. Im Zuge des Genehmigungsverfahrens für das Endlager Konrad in Deutschland wurde eine Vorgehensweise für die Störfallanalyse für Endlager entwickelt /BFS 96/ und kommt seitdem in Deutschland zur Anwendung. Ein Beispiel für diese Anwendung ist die Störfallanalyse, die nach der Wiedervereinigung Deutschlands für das Endlager Morsleben /GRS 91/ durchgeführt wurde. Weiterhin kam die für das Endlager Konrad entwickelte Methode der Störfallanalyse für die ursprünglich geplante Stilllegung des Versuchsbergwerks Asse II /MAR 08/ zur Anwendung /UHL 16/.