(GRS 516) Beurteilung der menschlichen Zuverlässigkeit in PSA für übergreifende Einwirkungen

Autor: 
W. Faßmann, J. Peschke
Jahr: 
2018

Unfallabläufe, die sich durch übergreifende Einwirkungen in Kernkraftwerken ergeben können, sind durch Wechselwirkungen zwischen den Handlungen des Anlagenpersonals, dem System- und Prozesszustand sowie stochastischen Einflüssen im zeitlichen Ablauf gekennzeichnet.

In der GRS wurde das Crew-Modul entwickelt, mit dem ein Handlungsablauf, der sich durch die arbeitsteilige Ausführung von Handlungen durch die Schichtmannschaft ergibt, als ein dynamischer Ablauf von Handlungen modelliert und simuliert werden kann. Dabei können Abhängigkeiten des Handlungsablaufs von Prozesszuständen, zufälligen Einflüssen
und zeitlichen Wechselwirkungen berücksichtigt werden.

Die Methodik des Crew-Moduls wurde für das Anwendungsbeispiel eines Brandszenarios mit Brandbekämpfungsmaßnahme angewendet. Die Brandbekämpfungsmaßnahme wurde dabei als dynamischer Handlungsablauf modelliert und simuliert. Die Besonderheit der dynamischen Analyse der Brandbekämpfungsmaßnahme unter Verwendung des Crew-Moduls bestand dabei darin, dass der Faktor Stress als dynamische Größe in das Handlungsmodell eingebunden wurde. In dem Modell wurde gezeigt, dass sich unter bestimmten Bedingungen hoher Stress einstellen kann, der sich nicht global auf alle beteiligten Personen beziehen muss, sondern auch nur einzelne Personen betreffen kann. Es wurde gezeigt, wie es in Abhängigkeit der Stressentwicklung zu
unterschiedlichen Entscheidungsfindungen kommt und welche Handlungsabläufe sich aus den Entscheidungen ergeben. Dabei wurden Unsicherheiten bzgl. verschiedener Entscheidungsalternativen berücksichtigt.

Es konnte gezeigt werden, dass mit der vorgeschlagenen Methode sowohl der Einfluss der Stressentwicklung allgemein als auch der Einfluss getroffener Entscheidungen unter hohem Stress auf die Zuverlässigkeit einer Handlung probabilistisch quantifiziert werden kann.

Aufgrund des hohen Detaillierungsgrades, mit dem eine Modellierung menschlicher Handlungen unter der Verwendung der Methode des Crew-Moduls möglich ist, lässt sich die Schlussfolgerung ziehen, dass sich die Methode generell zur systematischen Anwendung der dynamischen Analyse menschlicher Handlungen bei Ereignisabläufen aus übergreifenden Einwirkungen von innen wie außen eignet.