Zwei Jahre nach dem Unfall - GRS veröffentlicht überarbeiteten Bericht zu Fukushima

04.03.2013

Die Katastrophe in Fukushima jährt sich am 11. März 2013 zum zweiten Mal. Fast täglich gibt es neue Medienberichte, Daten und Bilder vom Unglücksort. Anlässlich des zweiten Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Fukushima veröffentlicht die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) eine aktualisierte und vollständig überarbeitete Ausgabe ihres Berichts „Fukushima Daiichi 11. März 2011 – Unfallablauf, radiologische Folgen“.

 

Der Bericht bietet einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand zu Ursachen, Ablauf und Folgen des Unfalls. Umfangreicher als in der ersten Auflage werden die bisher am Standort durchgeführten Arbeiten und die Erkenntnisse zu den radiologischen Folgen des Unfalls in der betroffenen Umgebung dargestellt.

 

Neu hinzugekommen ist eine Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse aus den Berichten der staatlichen Untersuchungskommissionen in Japan sowie über die Folgemaßnahmen, die seit dem Unfall in Deutschland und auch auf internationaler Ebene durchgeführt wurden.

 

Die radiologische Situation vor Ort
Aktuelle Evakuierungs- und Sperrzonen um Fukushima DaiichiIn den ersten Tagen des Unfalls gelangten erhebliche Mengen radioaktiver Stoffe z.B. durch die Explosionen und Druckentlastungen in die Umwelt. Im Mai 2012 korrigierte TEPCO die Werte für die Freisetzungen nach dem Unfall nach oben. Die Menge an freigesetztem Jod-131 und Cäsium-137 entspricht damit nach Angaben der japanischen Aufsichtsbehörde NRA etwa 10 % der in Tschernobyl freigesetzten Radioaktivität.

 

Etwa 99 % der Radioaktivität wurde unmittelbar nach dem Unfall frei. Aber auch derzeit treten noch immer radioaktive Stoffe aus den Blöcken 1 bis 3 aus, die der Betreiber TEPCO regelmäßig analysiert.

 

Die weiterhin bestehenden Evakuierungs- und Sperrzonen wurden mittlerweile entsprechend der erwarteten Strahlenbelastung in verschiedene Gebiete („Areas“) umstrukturiert und erste Einschränkungen damit aufgehoben. Für Area 1 wird eine Jahresdosis unter 20 Millisievert pro Jahr erwartet. Die Einwohner dürfen sich frei bewegen, Übernachtungen sind allerdings nicht gestattet. Area 2 darf nur mit Einschränkungen betreten werden, da Jahresdosen oberhalb von 20 Millisievert pro Jahr erwartet werden. In Area 3 liegt die bisherige Jahresdosis oberhalb von 50 Millisievert. Ein Betreten ist nur kurzzeitig und unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.

 

KKW Fukushima: Einhausung und Bergung der Brennelemente
Unmittelbar nach dem Unfall lag der Fokus zunächst darauf, die Lage zu stabilisieren. Die Kühlung von Reaktoren und Brennelementen in den Abklingbecken musste sichergestellt und die Auswirkungen der Kernschmelzen begrenzt werden.
Aktuell wird vor allem daran gearbeitet, die Freisetzung radioaktiver Stoffe zu unterbinden und die Bergung der Brennelemente vorzubereiten. Durch eine sogenannte Einhausung der Blöcke 1, 3 und 4, sollen die Reaktorgebäude luftdicht von der Umgebung abgeschlossen werden. Die sogenannte Einhausung besteht dabei aus einer Stahlkonstruktion, die mit vorgefertigten Kunststoffelementen versehen ist. Im Januar 2013 begann TEPCO mit dem Bau einer Stützkonstruktion zur Einhausung des Blocks 4. Die Einhausung für den am stärksten zerstörten Block 3 ist in Planung. Block 1 ist bereits vollständig eingehaust.

 

Aufnahme der ersten Arbeiten für den Bau der Stützkonstruktion neben Block 4. Das Fundament wurde bereits letztes Jahr fertiggestellt (Quelle: TEPCO)Die Einhausung der Reaktorgebäude soll unter anderem auch die radioaktiven Stoffe zurückhalten, die während der anstehenden Bergung der Brennelemente aus dem Abklingbecken frei werden. Im Juli 2012 hatte TEPCO bereits probeweise zwei unbenutzte Brennelemente aus dem Abklingbecken von Block 4 entnommen. Voraussichtlich Ende 2013 soll damit begonnen werden, die Brennelemente aus Block 4 zu bergen.


Ergebnisse japanischer Untersuchungskommissionen zu den Ursachen des Unfalls
Im Zuge der Aufarbeitung des Reaktorunfalls veröffentlichten im Sommer 2012 die von der japanischen Regierung eingesetzte Untersuchungskommission ICANPS (Investigation on the Accident at the Fukushima Nuclear Power Stations) und die Kommission des japanischen Parlaments NAIIC (National Diet of Japan Fukushima Nuclear Accident Independent Investigation Commission) ihre Berichte zu den Ursachen des Unfalls. Beide Institutionen kommen zu dem Schluss, dass die tieferliegenden Ursachen des Unfalls in menschlichem Versagen begründet lagen. Betreiber und zuständige staatliche Organisationen hätten es versäumt, Maßnahmen zur Verhinderung des Unfalls zu ergreifen. Dies beträfe insbesondere die unangemessene Auslegung der Anlagen gegenüber Tsunamis. Die Planung und Durchführung der Notfallmaßnahmen innerhalb und außerhalb des Anlagengeländes sei unzureichend gewesen.

 

Forschungsarbeiten der GRS zu Fukushima
Die GRS hat sich in den letzten zwei Jahren in mehreren Forschungsvorhaben mit dem Unfall in Fukushima befasst. Aktuell arbeitet sie u.a. am OECD-Projekt „Benchmark Study of the Accident at the Fukushima Daiichi NPS (BSAF)“ mit. Die GRS wurde für das Projekt als eine von weltweit acht Institutionen ausgewählt, um mit ihren Codes für die Simulation schwerer Unfälle den Reaktorunfall in Fukushima nachzurechnen. Anhand des Vergleichs der Rechenergebnisse der verschiedenen Codes wollen die Forscher ihre Modelle überprüfen und verbessern und zum besseren Verständnis des Unfallablaufs beitragen.

 

Weitere Informationen
„Fukushima Daiichi – Unfallablauf, radiologische Folgen“ (1. Auflage)

Fukushima-Portal der GRS
Weiterleitungsnachricht der GRS zu Fukushima
Bericht der ICANPS
Bericht der NAIIC
Nationaler Aktionsplan