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Sonderdruck von zwei Artikeln der GRS veröffentlicht in der Zeitschrift atw, Ausgabe 2/2011:
"Der Unfall von Tschernobyl 1986 und
Entwicklung des nuklearen Sicherheitsregimes und Unterstützungsprogramme
für Tschernobyl"
Kurzbeschreibung des Unfallablaufs und seiner Ursachen
Publikationen der Deutsch-Französische Initiative:
Sicherheit des Sarkophags
Studie zu gesundheitlichen Folgen
Studie zu radioökologischen Konsequenzen
Bericht des Kurtschatov Institutes:
Zustand des havarierten Reaktors eine halbe Stunde nach der Zerstörung
Chronologie 1986-2008:
Ereignisse um Tschernobyl
Bildersammlung:
Der Unfall von Tschernobyl
Am 26. April 2013 jährt sich zum 27. Mal die Katastrophe von Tschernobyl. Bereits kurz nach der Katastrophe hat sich die GRS mit der Analyse des Unfalls und seiner Auswirkungen befasst. Im Juni 1986 legte sie als eine der ersten Institutionen weltweit einen Bericht über den wahrscheinlichen Unfallablauf und dessen Folgen vor.
In den folgenden Jahren befasste sich die GRS intensiv mit der radiologischen Situation am Standort und mit Fragen zur Standsicherheit des unter extremen Bedingungen sowie höchsten ingenieur- und bautechnischen Anstrengungen errichteten Sarkophags. Unter anderem unterstützte die GRS die Ukraine sowie andere osteuropäischer Länder beim Aufbau nuklearer Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden.
Bis heute ist die GRS im Auftrag des Bundesumweltministeriums und internationaler Organisationen wie der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in verschiedenen Projekten für Tschernobyl aktiv. Ziel dieser Projekte ist es, den Standort Tschernobyl und seine Umgebung langfristig in einen ökologisch sicheren Zustand zu überführen.
Sammlung von Daten
Um dieses Ziel zu erreichen, sind genaue Kenntnisse der radioökologischen Situation am Standort erforderlich. Seit Mitte der 90er Jahre befasst sich die GRS in der Deutsch-Französischen Initiative (DFI) und in bilateralen Projekten – wie dem durch das Bundesumweltministerium geförderten Tschernobyl Aktion Plan (TAP) – mit der Erfassung solcher Daten. Im Projekt TAP-ICC (International Chornobyl Center) entwickelte die GRS zusammen mit ukrainischen Wissenschaftlern die „Shelter Safety Status Database“. In dieser Datenbank werden Daten zur radiologischen Belastung vor Ort systematisch zusammengefasst. Fachinstitutionen aus dem In- und Ausland sowie der Betreiber des Kernkraftwerks Tschernobyl nutzen die Datenbank.
New Safe Confinement
Eine zentrale Rolle für das Überführen des Standortes in einen ökologisch sicheren Zustand spielen der Rückbau von Teilen des Sarkophags und die Entsorgung der im zerstörten Block 4 noch vorhandenen kernbrennstoffhaltigen Materialien (nach Schätzungen sind noch über 90% im Inneren des Blocks).
Gegenwärtig befindet sich der Block 4 unter einer Baukonstruktion, die als „Sarkophag“ bekannt geworden ist. Der Sarkophag wurde kurz nach dem Unfall unter extremen Bedingungen auf den Resten des Reaktorblocks errichtet; seine Standsicherheit ist langfristig nicht gesichert. 1997 haben deshalb die G7-Staaten, die EU und die Ukraine die Verwirklichung des „Shelter Implementation Plan“ (SIP) vereinbart. Der SIP zielt darauf ab, den Sarkophag zu stabilisieren und darüber eine neue, größere Schutzhülle zu errichten: das „New Safe Confinement“ (NSC). Ein großer Teil der Stabilisierungsarbeiten, z. B. die Abstützung der Westwand, wurden im Jahre 2008 abgeschlossen.
Das NSC soll in Form einer bogenförmigen Metallrohrkonstruktion – ähnlich der mancher Bahnhofsgebäude, allerdings in erheblich größerem Maßstab – mit einer Breite von ca. 257 m, einer Länge von ca. 150 m und einer Höhe von ca. 109 m errichtet werden. An der Konstruktion wird eine doppelwandige Außenhaut angebracht, die das Innere gegen die Außenwelt abdichtet und gegen klimatische Einwirkungen isoliert. In das NSC wird eine Krananlage integriert, mit der während des späteren Rückbaus große Gebäude- und Anlagenteile bewegt werden können. Aus Gründen des Strahlenschutzes wird das NSC zunächst neben den Blöcken 3 und 4 errichtet und anschließend auf Schienen über den alten Sarkophag geschoben.
Da der Rückbau und die Entsorgung radioaktiver Materialien erst in einigen Jahrzehnten abgeschlossen werden kann, wird das Gebäude auf eine Standzeit von rund 100 Jahren ausgelegt. Eine Infrastruktur für den Umgang mit den rückgebauten Teilen und Materialien sowie ausreichende Zwischen- und auch Endlagermöglichkeiten sind die Voraussetzung hierfür.
Nach einer längeren Planungsphase wurde im März dieses Jahres mit dem Bau des NSC begonnen. Geplant und gebaut wird das NSC vom europäischen Konsortium Novarka, bestehend aus den französischen Firmen VINCI Construction Grands Projets und Bouygues Travaux Publics. Die Arbeiten sollen 2016 mit dem Verschieben des NSC beendet sein. Die GRS – als Teil eines Konsortiums aus RISKAUDIT und SCIENTECH – unterstützt seit 1998 die ukrainische Aufsichts- und Genehmigungsbehörde bei der fachlichen Begutachtung aller sicherheitstechnisch relevanten Fragen rund um den SIP und aktuell zu Planung, Bau und Fertigstellung des NSC.
Abfallbehandlung und -lagerung
Neben dem zerstörten Block 4 sollen auch die Blöcke 1 bis 3 des Kernkraftwerks Tschernobyl rückgebaut und entsorgt werden. Bereits auf dem Gipfel in Neapel im Juli 1994 entschieden sich die G7-Staaten dazu, die Ukraine durch eine breit angelegte Kooperation in die Lage zu versetzen, das gesamte Kernkraftwerk Tschernobyl stillzulegen. Am 15. Dezember 2000 wurde schließlich der letzte Block abgeschaltet. Das Kooperationsprogramm beinhaltet drei Projekte, mit denen der Rückbau und die Entsorgung ermöglicht werden sollen:
Die GRS ist seit über 10 Jahren an diesen Projekten beteiligt. Ihre Aufgabe liegt auch hier in der fachlichen Beratung und Unterstützung der ukrainischen Aufsichts- und Genehmigungsbehörde.
Bildquelle: © iStockphoto.com/© Iryna_Rasko, Novarka/EBRD