Offene Diskussion zur Endlagerung hochradioaktiver Abfälle

13.11.2007

Bei der nach wie vor ungelösten Entsorgung hochradioaktiver Abfälle setzen die auf diesem Gebiet am weitesten fortgeschrittenen Länder in der Regel auf vergleichende Auswahlverfahren mit umfassender Beteiligung der Bevölkerung.

Dies ist ein zentrales Ergebnis der Fachtagung „RepoSafe“ in Braunschweig, auf der vom 6. bis 9. November international führende Experten auf Einladung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) und der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) die neuesten Erkenntnisse bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle präsentiert haben. Insgesamt nahmen rund 280 Teilnehmer aus 16 Ländern an der Tagung teil.

 

Vertreter der nationalen Entsorgungsinstitutionen der Schweiz, Schwedens und Finnlands betonten, wie wichtig die umfassende Einbindung der Öffentlichkeit für die derzeit laufenden Standort-Auswahlverfahren und deren Akzeptanz in der Bevölkerung sei. Dies sei die zentrale Lehre aus den bisherigen Erfahrungen. Eine Mehrheit der an der Konferenz teilnehmenden Wissenschaftler sprach sich zudem dafür aus, dass die Endlagerung radioaktiver Abfälle von heutigen Generationen und im eigenen Land gelöst werden muss. Dabei müssen sicherheitstechnische Fragestellungen Priorität genießen. Viele Experten betonten außerdem, dass in einzelnen Teilbereichen weiterer Forschungsbedarf bestehe, z.B. bei Fragen der langzeitlichen Wirkungsmechanismen für die Radionuklidrückhaltung, der Verfüllung und des Verschlusses von Endlagern und der Bewertung der Endlagersicherheit über lange Zeiträume.

 

Unbeschadet vieler Gemeinsamkeiten diskutierten die Teilnehmer auch Probleme und unterschiedliche Ansätze bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle. So werden weltweit unterschiedliche Wirtsgesteine als Endlagermedium untersucht. Länder wie Schweden oder Finnland planen Endlager in Granitgestein, Frankreich oder die Schweiz erforschen dagegen Ton, während Deutschland und die USA bisher auch Salz untersucht haben. Während eine Mehrheit auf die Endlagerung in tiefen geologischen Schichten setzt, verfolgen einige Länder, beispielsweise die Niederlande, das Konzept der langfristigen Zwischenlagerung.

 

Die Veranstalter legten bei der von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und dem Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig, Dr. Gert Hoffmann, am 6. November eröffneten Tagung Wert auf ein möglichst breites Meinungsspektrum und einen offenen Dialog. So wurden auch Vertreter verschiedener Bürgerinitiativen eingeladen, um ihre Erfahrungen einzubringen. Am ersten Konferenztag gaben Vertreter verschiedener internationaler, mit der Endlagerung betrauter Organisationen Einblicke in die internationale Entwicklung und den Stand bei der Endlagerung in den jeweiligen Ländern. An den Folgetagen präsentierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland aktuelle Ergebnisse auf dem Gebiet der Endlagerung. Im Fokus der Diskussionen standen u. a. neue Erkenntnisse für verschiedene Wirtsgesteine wie Ton oder Salz und Entwicklungen beim Langzeitverschluss von Endlagern für radioaktive Abfälle. Die deutsche Situation bezüglich der Endlagerung hochradioaktiver Abfälle wurde ergänzend zu den Ausführungen von Herrn Bundesminister Gabriel in Beiträgen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und der Energieversorgungsunternehmen näher beleuchtet.

 

Im Anschluss an die Vorträge und die fachlichen Diskussionen besuchten etliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz bei sogenannten Field Trips die Endlagerprojekte Konrad, Morsleben, Asse und das Erkundungsbergwerk Gorleben. Hier konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz ein Bild über die jeweilige Situation vor Ort machen.

Zu den vorläufigen Ergebnissen der fachlichen Diskussionen wird noch ein umfassender Tagungsband erstellt.

Köln, den 13.11.07