(GRS-892) Bewertung der Einsatzmöglichkeiten moderner, durch IT-Angriffe nicht manipulierbarer Leittechniksysteme zur Ausführung von Sicherheits-, Sicherungs- und Schutzfunktionen in kerntechnischen Anlagen und Einrichtungen (Kurzbericht)
Förderkennzeichen 4722R01570
IT-Angriffe auf industrielle Steuerungssysteme stellen auch für kerntechnische Anlagen eine Herausforderung dar. Der Bericht untersucht, inwieweit sich die Angriffsfläche von Leittechniksystemen für Sicherheits-, Sicherungs- und Schutzfunktionen durch den Einsatz weniger manipulierbarer Systeme verringern lässt. Dazu wurden relevante IT-Angriffsvektoren ermittelt und vier aktuell verfügbare Systeme vertieft betrachtet: die festverdrahtete Systeme ProSafe-SLS und Hardline, das rechnerbasierte Tricon mit dreifach redundanter Architektur sowie das FPGA-basierte Teleperm XS Compact. Die Systeme wurden mit einem typischen rechnerbasierten Leittechniksystem verglichen.
Die Analyse zeigt, dass sich die Angriffsfläche bei ProSafe-SLS, Hardline und Teleperm XS Compact unter bestimmten Voraussetzungen deutlich reduzieren lässt. Voraussetzung ist insbesondere, dass zusätzliche Komponenten zur Kommunikation, Konfiguration oder Wartung nicht beziehungsweise nur kontrolliert genutzt werden. Die festverdrahteten sicherheitsrelevanten Funktionen von ProSafe-SLS und Hardline sind durch IT-Angriffe nicht direkt manipulierbar. Auch Teleperm XS Compact bietet ohne angeschlossene Service-Einheit und ohne optionales Gatewaymodul einen deutlich verringerten Angriffsspielraum. Tricon weist dagegen aufgrund seiner programmierbaren, rechnerbasierten Architektur keine signifikant geringere Angriffsfläche auf. Seine dreifach redundante Struktur erhöht jedoch die Ausfallsicherheit und kann dazu beitragen, Angriffe früher zu erkennen und ihre Auswirkungen zu begrenzen.
Damit zeigt das Vorhaben, dass am Markt Leittechniksysteme verfügbar sind, die gegenüber typischen rechnerbasierten Systemen eine deutlich geringere Angriffsfläche bieten können. Grundsätzlich lassen sich mit allen vier untersuchten Systemen unterschiedliche leittechnische Funktionen realisieren. Bei den festverdrahteten Systemen ProSafe-SLS und Hardline können jedoch die begrenzte Systemgröße sowie der höhere Aufwand für Aufbau, Installation, Betrieb und Instandhaltung die Einsatzmöglichkeiten einschränken. Entscheidend für die IT-Sicherheit ist außerdem der kontrollierte Umgang mit Schnittstellen, Servicegeräten und Freigaben für Änderungen an den Systemen.