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Aktuelle Entwicklungen

An dieser Stelle finden Sie aktuelle Informationen, die die kerntechnische Sicherheit in der Ukraine betreffen in umgekehrter chronologischer Reihenfolge - der jeweils aktuellste Beitrag an oberster Stelle.

Die Entwicklungen bis einschließlich 09.03.2022 finden Sie in diesem Webtext. Ab dem 10.03.2022 informieren wir in Form dieses "News-Blog" über die aktuellen Ereignisse und Entwicklungen und außerdem auch immer auf unserem Twitter-Kanal.

Aktuelle Ereignisse & Entwicklungen

27.01.2023

Die IAEA meldete gestern Abend, dass es vorgestern acht starke Explosionen in der Nähe des KKW Saporischschja gab, welche die Fensterscheiben von Büroräumen des Kraftwerks zum Vibrieren brachten. Überhaupt habe das IAEA-Team in den letzten Tagen und Wochen beinahe täglich Explosionen wahrgenommen, die sich im Umfeld der Anlage ereigneten und auf militärische Aktivitäten schließen lassen.

Die sechs Reaktorblöcke am Standort Saporischschja sind nach wie vor abgeschaltet. Zwei der Blöcke befinden sich im sog. "hot shutdown". Dabei wird in den betreffenden Anlagen Dampf erzeugt, mit dem der Standort selbst sowie das Fernwärmesystem der nahegelegenen Ortschaft Energodar versorgt werden. Den dafür benötigten Strom beziehen diese Blöcke (ebenso wie die übrigen für ihren Eigenbedarf) aus dem ukrainischen Landesnetz.

Zudem berichtet Energoatom, dass der sogenannte Full-Scale-Simulator, an dem das Betriebspersonal der Anlage geschult wird, aufgrund von russischen Aktionen zurzeit nicht zur Verfügung stehe. In einem Telegram-Post von Montag gibt Energoatom an, dass auch das IAEA-Team für den Standort Chmelnyzkyj mittlerweile am KKW eingetroffen ist. Damit sind an allen KKW-Standorten Vertreterinnen und Vertreter der IAEA präsent.

20.01.2023

In ihrem heutigen Update berichtet die IAEA vom Treffen des Generaldirektors Grossi mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Thema waren unter anderem die mittlerweile etablierten Missionen der IAEA an den ukrainischen KKW-Standorten Riwne, Süd-Ukraine und Tschernobyl (das Team für den Standort Chmelnyzkyj wird in den nächsten Tagen erwartet) sowie die angestrebte Sicherheitszone rund um das KKW Saporischschja. 

13.01.2023

Die Aufsichtsbehörde informierte am 10.1. darüber, dass das KKW Riwne am 7.1. im Rahmen der Safeguards-Initiative der IAEA inspiziert wurde.

In einer weiteren Meldung stellt der Leiter der Aufsichtsbehörde in Aussicht, dass die bereits im Dezember 2022 angekündigten Überwachungsmissionen der IAEA an allen in Betrieb befindlichen ukrainischen KKW sowie im KKW Tschernobyl „in naher Zukunft starten“ sollen.

09.01.2023

Die IAEA teilte am Samstag (07.01.) mit, dass die 330-kV-Leitung, die Ende letzten Jahres durch Beschuss beschädigt worden war, wieder repariert wurde. Somit ist die Anlage wieder über zwei Leitungen mit dem Landesnetz verbunden – neben der Reserveleitung handelt es sich um eine der 750-kV-Hauptleitungen. 

06.01.2023

Der Betreiber Energoatom informierte am Dienstag darüber, dass einer von neun betriebenen Blöcken für alle vier Jahre stattfindende Wartungsarbeiten abgeschaltet wurde. Demnach seien zurzeit acht Reaktoren am Netz. Die sechs Blöcke in Saporischschja sind nach wie vor abgeschaltet; die Anlage wird mit Strom aus dem Landesnetz versorgt.

02.01.2023

Die IAEA hat Ende letzter Woche ein neues Update veröffentlicht. Darin wird berichtet, dass die intakte 330-kV-Reserveleitung am KKW Saporischschja aufgrund von Beschuss unterbrochen wurde. Die Anlage ist daher nur noch über eine der vier 750-kV-Hauptleitungen mit dem Landesnetz verbunden. 

30.12.2022

Die Situation in der Ukraine hinsichtlich der nuklearen Sicherheit hat sich in der letzten Woche nicht wesentlich geändert. Energoatom teilte am Mittwoch in einem Telegrampost mit, dass die neun Reaktorblöcke nach wie vor am Netz seien.

In ihrem letzten Update gab die IAEA Ende letzter Woche einen Überblick dazu, wie der Stand der Verhandlungen für eine Sicherheitszone rund um das KKW Saporischschja ist. Das Update ist um ein paar technische Details ergänzt; so seien neun dieselbetriebene Heizkessel ("boiler") am Standort eingetroffen, die das Kraftwerk und die Stadt Energodar mit Wärme versorgen sollen. Weitere Heizkessel würden erwartet.

Das ukrainische Außenministerium drückte in einer Pressemitteilung zudem seinen Unmut über den Besuch von Sergei Kirijenko am KKW Saporischschja aus. Kirijenko ist seit 2016 erster Stellvertreter des Leiters der russischen Präsidialverwaltung.

23.12.2022

Gestern war eine Delegation der IAEA in Moskau, um über die Einrichtung einer Sicherheitszone rund um das von den Russen besetzte ukrainische KKW Saporischschja zu verhandeln. Bei den Verhandlungen, die zwischen IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi und dem Generaldirektor von Rosatom Aleksei Likhachev geführt wurden, sei laut Pressemitteilung von Rosatom festgestellt worden, dass die Vorstellungen beider Seiten, wie die Erklärung einer solchen Zone aussehen solle, weitgehend übereinstimmen. Die Verhandlungen würden dahingehend fortgesetzt werden, dass so bald wie möglich eine für beide Seiten akzeptable schriftliche Erklärung ausgearbeitet werde. 

Zudem informierte Energoatom gestern in seinem Telegramkanal darüber, dass der Block, der wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb genommen worden war, heute Morgen wieder ans Netz angeschlossen wurde. Damit seien 9 von 15 Reaktorblöcken der Ukraine am Netz; lediglich die 6 am Standort  Saporischschja seien derzeit abgeschaltet.

19.12.2022

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Russlands Ria Novosti /Radio Sputnik wird über dem Lager für abgebrannte Brennelemente am Standort des Kernkraftwerks Saporischschja aktuell eine Schutzkonstruktion angebracht. Sie soll das Zwischenlager vor Bombensplittern und Sprengkörpern schützen. 

Die sechs Blöcke des Kraftwerks sind weiterhin abgeschaltet. Für den Eigenbedarf verbrauchen sie Strom aus dem öffentlichen Netz in einer Größenordnung von ca. 100 MW.  Die neun Reaktorblöcke der verbleibenden drei Kraftwerke sind laut Energoatom am Netz, laufen aber teilweise mit begrenzter Kapazität. Aufgrund des anhaltenden Beschusses und der daraus resultierenden Herausforderungen bleiben die Energieinfrastruktur und die Stromproduktion volatil.

16.12.2022

Alle ukrainischen KKW (bis auf Saporischschja) sind mittlerweile wieder am Netz und werden in Volllast betrieben. Dies teilte der Energieminister in einem TV-Interview mit, welches Energoatom am 15.12. auf seinem Telegramkanal veröffentlichte. Die letzte Anlage konnte am 13.12. wieder mit dem Landesnetz verbunden werden. Verhandlungen um eine Sicherheitszone rund um das KKW beschrieb der Minister als kompliziert. Zudem bestünde die Ukraine weiterhin darauf, dass sich die russischen Besatzer vom KKW Saporischschja zurückziehen.

14.12.2022

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) plant ihre Rolle in der Ukraine im Bereich der nuklearen Sicherheit und Sicherung auszubauen. Laut ihrem Update vom 13.12. soll eine ständige IAEA-Präsenz in allen vier ukrainischen Kernkraftwerken etabliert werden. Auf diese Weise will sie die Situation vor Ort überwachen und technische Beratung leisten. 

Das Kernkraftwerk Saporischschja (ZNPP) wird bereits seit drei Monaten von einer IAEA-Expertenmission begleitet. Laut IAEA-Team hatte das Kraftwerk gestern seine Verbindung zur 330-Kilovolt-(kV)-Reservestromleitung aus bislang unbekannter Ursache verloren. Die Anlage bezieht den Strom, den sie für die wesentlichen Sicherheitsfunktionen benötigt, aktuell weiterhin über eine externe 750-kV-Hauptstromleitung. Im Kernkraftwerk werden mobile, dieselbetriebene Wärmeerzeuger eingesetzt, um die kritischen Systeme vor winterlichem Frost zu schützen. Weiterhin werden im KKW nun auch mobile Dieselgeneratoren als Ergänzung zu den fest installierten Notstrom-Dieselgeneratoren aufgebaut. 

12.12.2022

Nach dem Update der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) vom 09.12. hat letzte Woche eine von der Ukraine beantragte IAEA-Expertenmissionen die Sicherheit und Sicherung in den Kernkraftwerken Chmelnyzkyj und Riwne untersucht. Beide Anlagen wurden bislang nicht beschädigt. Allerdings haben die Schäden an der ukrainischen Energieinfrastruktur zu Stromausfällen geführt, die den vorübergehenden Einsatz von Notstromdieselgeneratoren erforderlich machten. Ähnliche Missionen hatten vorab bereits am südukrainischen Kernkraftwerk und am Standort Tschernobyl stattgefunden.

Die Lage am Kernkraftwerk Saporischschja ist laut Einschätzung der IAEA weiterhin gefährlich. Die durch den letzten Beschuss am 20. November entstandenen Schäden sind weitestgehend behoben. Der Standort wird weiterhin über eine einzige externe 750-Kilovolt (kV)-Leitung mit Strom versorgt, wobei eine 330-kV-Notstromleitung vom nahe gelegenen Wärmekraftwerk zur Verfügung steht. Der Status der Reaktorblöcke 1 - 6 ist unverändert. Die Blöcke 5 und 6 bleiben in Heißabschaltung und produzieren den Dampf für den Standort und erhitzen das Wasser für das Fernwärmesystem. Die Diskussionen für eine Schutzzone um die Anlage machen laut IAEA-Generaldirektor Grossi Fortschritte.

09.12.2022

Am 08.12. meldete der Betreiber Energoatom in einer Telegramnachricht, dass die russischen Besatzer auf dem Gelände des KKW Saporischschja Raketenwerfer stationiert hätten. Außerdem seien Mitarbeitende erneut Opfer von Gewalt und Entführung geworden, wie es in einem separaten Telegrampost von heute, 09.12. heißt. 

Am 03.12. informierte die Aufsichtsbehörde SNRIU über die IAEA-Mission, welche am KKW Südukraine stattgefunden hatte. Unter anderem seien den Vertreterinnen und Vertretern dabei Informationen über den durch russische Angriffe erfolgten Ausfall der externen Stromversorgung am 23.11. und die anschließende Abschaltung von zwei Kraftwerksblöcken am KKW Südukraine gegeben worden. Letzte Woche hatte die IAEA auf Ersuchen der Ukraine bereits die Standorte Riwne, Chmelnyzkyj und Tschernobyl besucht.

02.12.2022

Aus einer Facebookmeldung des ukrainischen Betreibers Energoatom vom 01.12. geht hervor, dass die russische Rosenergoatom, bzw. deren eigens gegründete Betreiberfirma Zaporozhye NPP Operating Organisation, Joint Stock Company, den bisherigen ukrainischen stellvertretenden Chefingenieur des KKW Saporischschja, Yury Chernichuk, als neuen Kraftwerksleiter eingesetzt hat. Energoatom-Präsident Petro Kotin, unterzeichnete demnach eine entsprechende Anordnung zur Entlassung von Chernichuk. An seiner Stelle wurde Dmytro Verbytskyi zum amtierenden Generaldirektor des KKW und Igor Murashov zum Chefingenieur ernannt.

Am 29.11. informierte die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU über eine IAEA-Mission, die vom 22.-24. November am Standort Tschernobyl stattfand. Vertreterinnen und Vertreter der Organisation inspizierten demnach u.a. Lagerstätten für radioaktive Abfälle und führten Safeguards-Kontrollen durch.

25.11.2022

Die Ukraine hat die IAEO darüber informiert, dass auch die KKW Südukraine, Chmelnyzkyj und Riwne während des jüngsten Verlusts der Netzanbindung durch ihre Notstromdiesel versorgt werden mussten. Dies geht aus dem gestrigen Update der IAEO hervor. Der IAEO zufolge wurden die Blöcke 5 und 6 des KKW Saporischschja wieder in den "hot shutdown" gebracht. Das Team von IAEO-Fachleuten am Standort habe außerdem berichtet, dass am 24.11. vier Tankwagen mit Dieselkraftstoff für die dortigen Notstromdiesel eingetroffen seien.

In einem separaten Statement vom Abend des 24.11. berichtet IAEA Generaldirektor Rafael Mariano Grossi von einer aktuellen Anfrage der Ukraine, in der sie darum bitte, auch an die Kernkraftwerksstandorte Süd-Ukraine, Chmelnyzkyj, Riwne und Tschernobyl jeweils ein Expertenteam der IAEA zu entsenden. Am Standort Saporischschja ist bereits seit September ein solches Team vor Ort.

24.11.2022

Die IAEO meldet in einem Update vom Abend des 23.11. unter Berufung auf ihre Experten vor Ort, dass das KKW Saporischschja nach dem gestrigen Verlust der Netzanbindung gegenwärtig von 8 der 20 Notstromdiesel versorgt werde. Die Blöcke 5 und 6, die bislang im "hot shutdown" gehalten wurden, um die Ortschaft Energodar sowie die Anlage selbst mit Dampf bzw. Fernwärme und Heißwasser zu versorgen, sollen in den "cold shutdown" überführt werden ("The two reactors that have been in a hot shutdown mode (...) will be prepared for cooling down").

Gegen Mittag des 24.11. informierte der Betreiber Energoatom via Telegram, dass alle ukrainischen KKW wieder mit dem Landesnetz verbunden seien. Das KKW Saporischschja werde wieder über das Netz versorgt, die Anlagen Südukraine, Chmelnyzkyj und Riwne sollen im Lauf des Tages wieder Strom einspeisen.

23.11.2022

Gegen 15:20 OZ meldete der Betreiber Energoatom, dass die KKW #Südukraine, #Chmelnyzkyj, #Riwne und #Saporischschja heute einer nach großflächigen Störung des ukrainischen Landesnetzes vom Netz getrennt worden seien. Die Anlage in Saporischschja werde durch ihre Notstromdiesel mit Strom versorgt. Die übrigen KKW sollen lt. Energoatom nach Stabilisierung des Landesnetzes wieder Strom einspeisen. 

22.11.2022

Nach dem schweren Beschuss des Kernkraftwerks Saporischschja am Wochenende hat ein Expertenteam der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) gestern die Schäden bewertet. Laut ihrem Update sind die wichtigen Bereiche der Anlage weiterhin intakt und es gibt keine unmittelbaren Bedenken hinsichtlich der nuklearen Sicherheit. Der Zustand der sechs Reaktorblöcke ist stabil, die Brennelemente und die gelagerten Abfälle sind unversehrt.

Die Schäden betreffen u.a. Kondensatlagertanks, aus denen nicht-radioaktive Stoffe ausliefen, eine Druckluftleitung, das Dach eines speziellen Hilfsgebäudes und eine Sprinklerladeleitung. Weiterhin wurden die Hauptstraße entlang der Reaktoren des Kraftwerks, eine außer Betrieb befindliche Werksbahn sowie ein Wachhausbereich getroffen.

Die Leitung des Standorts hat dem IAEA-Team mitgeteilt, dass vier Reaktoren kalt und zwei heiß abgeschaltet sind. Letztere produzieren Dampf und Heißwasser für den Standort und die Stadt Enerhodar, wo viele Mitarbeiter des Kraftwerks mit ihren Familien leben.

Der Generaldirektor der IAEA, Rafael Mariano Grossi, hat seine Bemühungen zur Einrichtung einer Schutzzone um das Kraftwerk vor dem Hintergrund des Beschusses noch einmal intensiviert.
 

21.11.2022

Wie die IAEA am Sonntag mitteilte, ist das Anlagengelände des KKW Saporischschja am Samstagabend und Sonntagmorgen gezielt beschossen worden. In einem weiteren IAEA-Update werden die Schäden genauer beziffert. Unter anderem seien ein Gebäude für die Lagerung radioaktiver Abfälle, Sprinklersysteme der Kühlteiche, ein Stromkabel zu einem der Reaktoren und eine Überführung zwischen einem anderen Reaktor und seinen Nebengebäuden beschädigt worden. 

Die Schadensangaben aus der Meldung des ukrainischen Betreibers Energoatom vom gestrigen Sonntag weichen davon etwas ab. Demnach seien unter anderem Lagertanks für demineralisiertes Wasser, das Abschlämmsystem eines Dampferzeugers, die Hilfssysteme eines der beiden mobilen Dieselgeneratoren und eine Überführung zwischen einem anderen Reaktor und seinen Nebengebäuden beschädigt worden. Auch im Bereich der Umspannstation Raiduha seien drei Einschläge registriert worden. Die Ziele seien so gewählt worden, dass das geplante Anfahren der Blöcke 5 und 6 durch die Schäden verhindert würde.

18.11.2022

In ihrem Update vom Abend des 16.11. informierte die IAEA, dass die Anlage in Chmelnyzkyj nach rund 9 Stunden Trennung vom externen Netz seit den frühen Morgenstunden des 16.11. wieder über zwei 330-kV-Reserveleitungen mit Strom versorgt werden könne. Die beiden Reaktoren seien abgeschaltet.

Am KKW-Standort in Riwne sei es am 15.11. nach Verlust der Anbindung an eine der 750-kV-Leitungen in einem der vier Blöcke zu einer Reaktorschnellabschaltung (RESA) gekommen.

16.11.2022

Die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU meldete der IAEA heute Morgen, dass das KKW Chmelnyzkyj die Anbindung zum ukrainischen Landesnetz gestern Nachmittag, am 15.11. um 18:35 Uhr OZ, verloren hat, nachdem das Landesnetz infolge russischen Beschusses beschädigt wurde. Die beiden WWER-1000-Blöcke am Standort, die zu dem Zeitpunkt auf Volllast liefen, würden laut Meldung zurzeit über die Notstromdiesel versorgt.

Block 1 des KKW Chmelnyzkyj (Inbetriebnahme 1988) verfügt über drei Notstromdiesel, Block 2 (2004) über fünf – insgesamt sind also acht stationäre Notstromdiesel vorhanden. Im Rahmen der Nachrüstmaßnahmen sind zudem mobile Diesel und mobile Pumpen angeschafft worden.

Laut Facebook-Meldung des KKW Chmelnyzkyj von heute Morgen wird die Anlage in Übereinstimmung mit den Anforderungen der Vorschriften betrieben („проводиться згідно з вимогами регламентів“).

15.11.2022

In ihrem Update vom 14. November informiert die IAEO darüber, dass auf Bitten der Ukraine in den kommenden Wochen Expertenteams zu den gegenwärtig noch betriebenen Kernkraftwerken Chmelnyzkyj, Riwne und Süd-Ukraine sowie zum Standort Tschernobyl entsendet werden sollen. Im Fokus der rund einwöchigen Missionen werden die Sicherheit und die Sicherung der Anlagen stehen; sogenannte Safeguards-Inspektionen, die der Verifikation von Maßnahmen zur Überwachung von Kernmaterial dienen, wurden und werden zusätzlich dazu durchgeführt.

Im KKW Saporischschja sind nach wie vor die Blöcke 1 bis 4 im „cold shutdown“. In diesem Zustand ist bei einem Druckwasserreaktor der Reaktor unterkritisch (d. h., es findet keine Kernspaltung mehr statt), der Primärkreis drucklos, und die Temperatur des Kühlwassers liegt unter dem Siedepunkt. Die Blöcke 5 und 6 werden hingegen im „hot shutdown“ gehalten, um den dabei entstehenden Dampf für die Fernwärmeversorgung der nahegelegenen Ortschaft Enerhodar zu nutzen. Dabei ist der Reaktor ebenfalls unterkritisch, und weil alleine die Nachzerfallswärme des Reaktorkerns über längere Zeiträume nicht ausreichend ist, wird das Kühlwasser durch Heizelemente im sogenannten Druckhalter und die Abwärme der Hauptkühlmittelpumpen aufgeheizt. Nach Angaben der IAEO soll das ukrainische Betriebspersonal des KKW in der vergangenen Woche vorgeschlagen haben, Block 6 wieder anzufahren und in einem niedrigen Leistungsbereich ausschließlich für die Erzeugung von zusätzlichem Dampf für Fernwärme zu nutzen. Dies sei von der ukrainischen Aufsichtsbehörde zwar genehmigt, von der russischen Betreiberorganisation mit Verweis auf die fehlende Verlässlichkeit der Netzanbindung abgelehnt worden.

Die IAEO gibt weiterhin an, dass ihre vor Ort befindlichen Experten am 11. November das Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente des KKW Saporischschja in Augenschein nehmen konnten. In den vergangenen Wochen war wiederholt von ukrainischen Stellen berichtet worden, dass russische Militärkräfte dort nicht näher bezeichnete Arbeiten durchgeführt hätten, wobei sowohl den IAEO-Experten als auch Angehörigen des ukrainischen Betriebspersonals der Zugang verwehrt worden sei. Bei der nun durchgeführten Begehung haben die IAEO-Experten laut o. g. Update weder eine Beschädigung der Safeguards-Siegel an den Abfallbehältern noch sonstige Hinweise auf relevante Verstöße feststellen können.

Schließlich habe ein aus 24 Lkw bestehender Konvoi aus der Stadt Saporischschja am 13. November die Anlage erreicht. Geliefert worden seien unter anderem Ersatzteile, chemische Betriebsstoffe sowie elektrische Heizgeräte.

07.11.2022

Wie die IAEA am Wochenende mitteilte, sind die 750-kV-Linie sowie die 330-kV-Reserveleitung, die letzte Woche infolge von Beschuss beschädigt worden waren, bereits am späten Freitagabend wieder repariert worden. Das KKW wird seitdem wieder über das Landesnetz der Ukraine mit Strom versorgt. 

04.11.2022

In Ihrem Update von gestern Abend informiert die IAEA darüber, dass die vier Beobachter am Standort Saporischschja ausgetauscht worden seien. Es war der zweite Austausch seit dem 01. September; an diesem Tag wurde die IAEA Support and Assistance Mission am KKW Saporischschja etabliert.

Zudem habe die Beschädigung der 750-kV-Hochspannungsleitung vom 02.11. auch Auswirkungen auf das KKW Südukraine gehabt, welches über dieselbe Leitung mit dem Landesnetz verbunden ist. Bei einem der drei dort laufenden Blöcke musste infolgedessen die Leistung um 50 % reduziert werden.

03.11.2022

Am Morgen des 3.11. informiert der ukrainische Betreiber Energoatom über Facebook, dass am Abend des 2.11. infolge von Beschuss die letzten beiden Hochspannungsleitungen, die das KKW Saporischschja mit dem ukrainischen Landesnetz verbunden haben, beschädigt wurden. Das KKW sei um 23:04 Uhr vollständig abgeschaltet worden; Block 5 befand sich zu diesem Zeitpunkt noch im sog. "hot shutdown", Block 6 sollte in diesen Zustand gebracht werden (vgl. Update vom 02.11.). Zunächst seien nach dem vollständigen Ausfall der Netzanbindung alle 20 Notstromdiesel des KKW gestartet, am Morgen des 3.11. seien mit Blick auf den Strombedarf der Anlage noch 9 Diesel in Betrieb. Energoatom erläutert weiter, dass die Dieselkraftstoffvorräte auf der Anlage für etwa 15 Tage ausreiche.  

[Nachtrag 15:00 Uhr] Die IAEA teilt auf ihrer Webseite mit, dass die von der Ukraine angefragten Safeguard-Inspektionen (s. Update vom 25.10.) abgeschlossen seien. An insgesamt drei untersuchten Standorten in der Ukraine (Institute for Nuclear Research in Kiew, Eastern Mining and Processing Plant in Zhovti Kody sowie Production Association Pivdennyi Machine-Building Plant in Dnipro) seien keine Hinweise auf nicht-deklarierte nukleare Aktivitäten und Materialien gefunden worden; die Inspektoren hätten ungehinderten Zugang zu den Standorten erhalten und alle von der IAEO geplanten Aktivitäten durchführen können.

Aus dem IAEA-Update vom heutigen Nachmittag ergibt sich zudem, dass es sich bei den beiden zerstörten Leitungen einerseits um die letzte intakte 750-kV-Hochspannungsleitung und zum anderen um eine der 330-kV-Reserveleitungen handelt, die das KKW mit der Schaltanlage des nahegelegenen konventionellen Kraftwerks verbindet (zur Stromanbindung am KKW-Standort siehe auch die Grafik zum Update vom 05.09.). Laut ukrainischem Betriebspersonal gebe es Hinweise darauf, dass die Stromleitungen an zwei verschiedenen Stellen etwa 50 bis 60 Kilometer vom Kraftwerk entfernt auf ukrainisch kontrolliertem Gebiet beschädigt worden seien. Die Reparaturarbeiten an einem der Orte, an dem die 330-kV-Leitung beschädigt wurde, seien im Gange.

02.11.2022

In ihrem Update vom 31.10. informierte die IAEO darüber, dass eine 750-kV-Leitung, die vom Transformator des Blocks 4 im KKW Saporischschja zur Schaltanlage des KKW führt, am Abend des 30.10. bei der Explosion einer Landmine außerhalb des Anlagengeländes („outside the ZNPP’s perimeter fence“) beschädigt worden sei. Block 4 decke seinen Strombedarf seitdem über eine Reserveleitung, die das KKW mit der Schaltanlage des nahegelegenen konventionellen Kraftwerks verbindet.

Nach Angaben der vor Ort befindlichen IAEO-Experten sei es außerdem in der Umgebung des KKW in den letzten Tagen erneut zu Beschuss gekommen. Dabei sei es am 30.10. in der Nähe der Schaltanlage des konventionellen Kraftwerks zum Ausfall einer der 150-kV-Reserveleitungen gekommen, die das Kraftwerk mit dem KKW verbindet. Die beschädigte Leitung sei noch am selben Tag wieder in Betrieb genommen worden.

Die IAEA berichtete außerdem, dass Block 6 des KKW Saporischschja aufgeheizt werde, um in den Zustand eines „hot shutdown“ überführt zu werden. Block 5 befindet sich bereits in diesem Zustand, um Wärmeenergie in Form von Dampf für das Kraftwerk bereitzustellen; die übrigen Blöcke befinden sich nach wie vor im „cold shutdown“. Außerdem habe am 31.10. die IAEO-Mission begonnen, in deren Rahmen zwei ukrainische Anlagen hinsichtlich unerlaubter Verwendung radioaktiver Materialien kontrolliert werden. Die Mission erfolgt auf eine Bitte der ukrainischen Regierung, nachdem von russischer Seite behauptet worden war, dass die Ukraine den Bau bzw. Einsatz einer sogenannten „schmutzigen Bombe“ plane.

25.10.2022

In den vergangenen Tagen kam es auf ukrainischer Seite vermehrt zu Meldungen (u. a. zu finden auf der Telegramseite von Energoatom), in denen vor einer möglichen Sprengung oder Beschädigung des zum Wasserkraftwerk Kachowka gehörenden Staudamms am Fluss Dnipro gewarnt wird. Das Wasserkraftwerk liegt südwestlich des KKW Saporischschja noch vor der Stadt Cherson.

Zu den Gegebenheiten vor Ort: Das KKW bezieht Wasser für seine Kühlung aus dem Dnipro, genauer aus einem Becken, welches vom Fluss durch Dämme abgetrennt ist. Sollte der Kachowka-Staudamm brechen o. ä. und infolgedessen der Pegelstand des Dnipro sinken, ist deshalb zunächst nicht mit einem abrupten Wasserverlust in diesem Kühlbecken zu rechnen. Da jedoch über einen sogenannten Abschlämmkanal eine Verbindung zwischen dem Kühlbecken und dem Dnipro besteht, kann es hierüber grundsätzlich zu Verlust von Wasser aus dem Kühlbecken kommen.

Welche Auswirkungen der Bruch des Staudamms auf das KKW hätte, wurde bereits im EU-Stresstest (S. 50) untersucht, an dem sich die Ukraine freiwillig beteiligt hatte. Damals hatte man eine Beschädigung infolge von Erdbeben unterstellt.

Derzeit sind alle sechs Blöcke des Standortes vom Landesnetz getrennt und außer Betrieb. Ihren Strombedarf zur Aufrechterhaltung der sicherheitsrelevanten Systeme deckt die Anlage aktuell über die einzige intakte 750-kV-Leitung. Die Wärmeabfuhr erfolgt über Sprühteiche, die keine Verbindung zum Dnipro bzw. zum Stausee haben.

Außerdem bestätigte die IAEA am 24.10. eine Anfrage der Ukraine, an zwei KKW-Standorten sogenannte Safeguard-Inspektionen durchzuführen. Die Bitte steht im Zusammenhang mit Meldungen über „Aktivitäten mit nuklearen Materialien“ (sog. Schmutzige Bombe), die in den vergangenen Tagen u. a. von Energoatom und von russischer Seite geäußert wurden. Die IAEA kündigte eine entsprechende Mission für die kommenden Tage an.

20.10.2022

Am 18.10. meldete die IAEA, dass bereits am Vorabend die Verbindung zur letzten noch in Betrieb befindlichen 750-kV-Hauptstromleitung des KKW Saporischschja wiederhergestellt werden konnte (siehe auch Eintrag vom 18.10.).  

Außerdem bestätigte das IAEA-Team vor Ort die Freilassung des stellvertretenden Generaldirektors des KKW, der Anfang letzter Woche festgenommen worden sei. Allerdings drückte Generaldirektor Grossi zugleich seine große Besorgnis über die jüngsten Festnahmen von zwei weiteren KKW-Mitarbeitern aus.

Derzeit kommt es in der gesamten Ukraine zu Beschränkungen der Stromversorgung, wie das Energieversorgungsunternehmen Energoatom u. a. am 20.10. auf seinem Telegram-Kanal mitteilte. Grund sei die Zerstörung zahlreicher Energieversorgungsanlagen. Der Netzbetreiber Ukrenergo kündigt auf Facebook für heute ebenfalls Beschränkungen an.

18.10.2022

Die IAEA meldete gestern in ihrem 119. Update zur Situation in der Ukraine, dass das Kernkraftwerk Saporischschja aktuell nach dem erneuten Verlust der letzten 750-kV-Anbindung Strom über die Schaltanlage des nahe gelegenen Wärmekraftwerks erhält. 

Nach dem Ausfall der 750-kV-Leitung war einer der 20 Notstromdieselgeneratoren des Kernkraftwerks für etwa zehn Minuten in Betrieb gegangen. Er wurde wieder abgeschaltet, als das Notstromsystem den nötigen Strom liefern konnte.

Laut IAEA-Team sind drei Ladungen Dieseltreibstoff und Ersatzteile am Standort eingetroffen. Die Arbeiten zum Wiederhochfahren des Block 5 wurden nicht fortgesetzt. Der Block soll jedoch im Zustand des „hot shutdown“ bleiben, um das Kernkraftwerk mit Wärme zu versorgen. 

17.10.2022

Das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja ist laut Betreiber Energoatom erneut vom nationalen Stromnetz getrennt worden. In den frühen Morgenstunden kam es zum Ausfall der Netzverbindung über eine 750kV-Leitung aufgrund eines Beschusses der Umspannwerke kritischer Infrastruktur. Während der Umschaltung wurde die Stromversorgung der Anlage über Notstromdieselgeneratoren gewährleistet. In der vergangenen Woche waren die Notstromdieselgeneratoren bereits zweimal im Betrieb.

14.10.2022

Am Abend meldete die IAEA, dass am Standort Saporischschja die Reservestromleitung zur Schaltanlage des benachbarten Heizkraftwerkes wieder hergestellt werden konnte. Damit verfüge das KKW über ein Backup für die externe Stromversorgung, falls die letzte verbliebene 750-kV-Hauptstromleitung erneut ausfallen sollte. IAEA-Vertreter am Standort berichteten demnach, dass in den letzten Tagen zwei der Reservestromleitungen des KKW, die es mit den Schaltanlagen des Wärmekraftwerks verbinden, repariert wurden. Heute folgte auch eine der 330-kV-Leitungen, die die Schaltanlage des Heizkraftwerks mit dem externen Netz verbinden.

Außerdem würden weitere vorbereitende Arbeiten zum Neustart von Reaktorblock 5 fortgesetzt und Arbeiten zum Neustart von Block 6 voraussichtlich morgen beginnen. Hierfür seien einige Tage notwendig.

In der Meldung heißt es weiter, dass das KKW zusätzliche Kraftstofflieferungen für seine 20 Notstromdieselaggregate erhalten hat und die Anlage derzeit Diesel für mindestens zehn Tage Betrieb habe, sollte die externe Stromversorgung ausfallen.

Im Zuge der Verhandlungen zu einer Sicherheitszone rund um das KKW wies Generaldirektor Grossi bei Gesprächen in der Ukraine und Russland erneut auf den „inakzeptablen Druck“ hin, dem die ukrainischen Mitarbeitenden des KKW Saporischschja ausgesetzt seien. Derzeit würden sie aufgefordert, einen neuen Arbeitsvertrag mit dem russischen Staatsunternehmen Rosatom zu unterzeichnen, während der ukrainische Betreiber Energoatom sie auffordert, stattdessen seinen Anweisungen zu folgen.

Das IAEA-Team vor Ort teilte außerdem mit, dass es in den vergangenen Tagen in der Nähe der Anlage wenig Beschuss gegeben habe. Heute Nachmittag seien allerdings zwei Landminen außerhalb des Anlagenzaunes explodiert.

12.10.2022

[Ergänzung 15:00 Uhr] Laut Meldung IAEA-Generaldirektors Grossi via Twitter, konnte die externe Netzanbindung des KKW Saporischschja wieder hergestellt werden. 

Der Betreiber Energoatom und der Generaldirektor der IAEA meldeten am Vormittag, dass auf Grund eines Beschusses gegen 9:00 Uhr OZ die letzte externe Netzanbindung (750kV) „KKW ZNPP – Schaltanlage Dniprovska“ des KKW Saporischschja erneut ausgefallen sei und die Stromversorgung der Anlage von Notstromdieselaggregaten übernommen wurde.

Darüber hinaus informierte die IAEA am 11.10. über Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, in deren Rahmen Grossi erneut die dringende Notwendigkeit betont habe, eine Sicherheits- und Schutzzone um das Kernkraftwerk Saporischschja einzurichten.

Das Energieministerium informierte am 10.10., dass auf Grund zahlreicher Angriffe auf das ukrainische Stromsystem und Kraftwerke die Stromexporte aus der Ukraine ab dem 11.10. eingestellt würden, um das Stromsystem zu stabilisieren.   

09.10.2022

Am Nachmittag meldete der Betreiber des KKW Saporischschja auf seinem Telegram-Kanal, dass die gestern beschädigte 750-kV-Hauptstromleitung wieder repariert werden konnte. Der Standort verfüge damit wieder über eine Anbindung an das ukrainische Landesnetz und werde darüber mit Strom versorgt. 

08.10.2022

Am Abend des 7.10. wurde lt. Meldung des ukrainischen Betreibers Energoatom die letzte der insgesamt vier Hauptstromleitungen (750 kV), die das KKW Saporischschja mit dem ukrainischen Landesnetz verbindet, beschädigt und außer Betrieb genommen. Laut Betreiberangaben war die Anlage daraufhin vollständig vom Netz getrennt und die Notstromdiesel zur Versorgung der Anlage starteten automatisch. Dieseltreibstoff zu deren Betrieb sei für 10 Tage auf der Anlage vorrätig. Unter diesen Umständen (fehlende Anbindung an das externe Stromnetz) seien Pläne, einen oder zwei Blöcke der Anlage wieder in Betrieb zu nehmen, „unrealistisch“, so der Betreiber weiter.

In ihrem Statement am 7.10. teilte die IAEA mit, dass bereits am 6.10. die Verbindung des Blocks 6 zu einer 150-kV-Reserveleitung wegen Beschuss unterbrochen wurde. , Während der Block an die Stromverteiler der anderen Blöcke angebunden wurde, übernahmen Notstromdieselaggregate die Stromversorgung des Block 6. Demnach waren fünf Dieselgeneratoren des Reaktors für etwa anderthalb Stunden in Betrieb. Die Kernkühlung sei jederzeit gewährleistet gewesen. 

Zudem wurden die beiden IAEA-Experten, die seit dem 1.9. im Rahmen der IAEA Support and Assistance Mission to Zaporizhzhya (ISAMZ) auf der Anlage präsent waren, von vier neuen Kollegen abgelöst.

06.10.2022

Die IAEA informierte am Abend über die Gespräche zur Situation am KKW Saporischschja, die zwischen der Ukraine und dem IAEA-Chef Grossi am selben Tag stattgefunden hatten. Laut IAEA hätten sich die Schwierigkeiten für das Personal des KKW diese Woche verschärft, da die Mitarbeiter aufgefordert würden, einen neuen Arbeitsvertrag mit dem russischen Staatsunternehmen Rosatom zu unterzeichnen, um ihren Arbeitsplatz zu behalten, während der nationale ukrainische Betreiber Energoatom sie dringend dazu auffordere, dies nicht zu tun und stattdessen seinen Anweisungen zu folgen.

Grossi verdeutlichte, dass die Mitarbeitenden einem inakzeptablen Druck ausgesetzt seien, da sie ihre entscheidenden Arbeitsaufgaben unter immer schwierigeren Bedingungen mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen für die nukleare Sicherheit und Sicherung ausführen. Es bestünde dringender Handlungsbedarf, so sein Appell.  

Die jüngsten Entwicklungen könnten demnach die Situation im KKW verschlimmern, indem sie zu Verwirrung darüber führen, wer die Verantwortung trägt, sowie zu Unklarheiten über die Befehls- und Kontrollkette in der Anlage aufwerfen, befürchtet der Generaldirektor weiter.

Unabhängig davon berichtete das am Standort eingesetzte IAEA-Team heute demnach auch, dass es in einem Industriegebiet in der Nähe der Zufahrtsstraße zur Anlage Beschuss gegeben habe.

05.10.2022

Am Abend nahm die IAEA in einer Meldung Bezug auf aktuelle Berichterstattung, laut der Russland die Übernahme des Betriebes des KKW Saporischschja plane. Aus einem Eintrag im russischen staatlichen Einheitsregisters geht hervor, dass am 3.10. vom staatlichen KKW-Betreiber Rosenergoatom die Aktiengesellschaft „ZAPOROZHYE NPP OPERATING ORGANIZATION, JOINT STOCK COMPANY“ zum Betrieb des KKW Saporischschja gegründet wurde. In einem „Präsidentenerlass“  wird dem KKW unter anderem ein neuer Status als „Status der Betreiberorganisation“ zugewiesen. Die ukrainische Betreiberorganisation Energoatom widerspricht diesen Plänen u. a. auf ihrem Facebookkanal.

Außerdem informierte die IAEA, dass die ukrainische Betreiberin des KKW plane, einen seiner sechs Reaktoren, die sich derzeit alle im sogenannten „cold shutdown“ befinden, wieder in Betrieb zu nehmen. Ähnlich äußerte sich der Leiter der Betreibergesellschaft, Petro Kotin, in einem Interview am 5.10. bei AP. Laut IAEA seien Vorbereitungen im Gange, Block 5 mit reduzierter Leistung zu starten, um Dampf und Wärme für den Bedarf der Anlage zu erzeugen. Es würde jedoch einige Zeit dauern, bis alle Vorbereitungen abgeschlossen sind und der Reaktorbetrieb wieder aufgenommen werden könne.

Seit dem 5.10. befindet sich IAEA-Chef Rafael Mariano Grossi laut eigener Angabe erneut auf dem Weg nach Kiew und im Anschluss daran nach Moskau, um die Gespräche über eine Sicherheits- und Sicherungszone um das KKW Saporischschja fortzuführen.

Gestern, 4.10. meldete die IAEA, dass der am 3.10. freigekommene Anlagenleiter des KKW Saporischschja seine Aufgaben am Standort nicht wieder aufnehmen wird. Mit Meldung vom 5.10. berichtet Energoatom auf seinem Telegramkanal, dass Petro Kotin (Chef der Betreiberfirma Energoatom) diese Aufgabe übernimmt. Die IAEA-Experten vor Ort berichteten zudem, dass die Reparaturarbeiten am Sprinklerbecken im Bereich der Blöcke 5 und 6, die am 20. September durch Beschuss beschädigt worden waren, abgeschlossen wurden. Seit Samstag, dem 1. Oktober, sei kein Beschuss in der Nähe des ZNPP gemeldet.

04.10.2022

Am 01.10. meldeten die Betreiberin Energoatom und die IAEA, dass der Leiter des KKW Saporischschja von russischen Militärs festgenommen worden sei. Die IAEA zeigte sich besorgt, dass diese Inhaftierung erhebliche Auswirkungen auf mindestens zwei der sieben Säulen der nuklearen Sicherheit und Gefahrenabwehr habe und wies erneut auf den daraus resultierenden Druck und die psychologische Wirkung für das Bedienpersonal hin.

Auch seien am 01.10. erneut mehrere Explosionen in der Nähe des KKW zu hören gewesen. Demnach würde, wie bei früheren Explosionen die diese Woche von der IAEA gemeldet wurden, angenommen, dass diese durch Landminen verursacht wurden. Sicherheitssysteme der Anlage seien derzeit nicht direkt beeinträchtigt.

Am 03.10. wurde von der IAEA und Energoatom vermeldet, dass der Leiter des KKW Saporischschja wieder freigekommen sei.  

30.09.2022

In dieser Woche informierte die IAEA in Updates am 27.9., am 28.9. und am 30.9. zur Situation am Standort Saporischschja. Sie zeigte sich besorgt über  Landminenexplosionen, unter anderem in der Nähe eines Kanals, der Wasser für das Kühlsystem der Anlage transportiert, und eine weitere etwa 500 Meter von Block 1 entfernt. Die IAEA vermutet, dass die Explosionen von Tieren ausgelöst wurden. Es kam unter anderem zu Schäden an Fenstern in der Turbinenhalle des Reaktorblocks 2; außerdem wurde ein elektrisches Niederspannungskabel beschädigt. Vor diesem Hintergrund unterstrich die IAEA erneut die Notwendigkeit, eine nukleare Sicherheitszone um das KKW herum einzurichten. Dazu befände sich die IAEA in Gesprächen mit Russland und der Ukraine.

Am 29.9. kündigte die IAEA zudem weitere Lieferungen von Ausrüstung in die Ukraine an. Fünf Einrichtungen des Landes – darunter die Aufsichtsbehörde der Ukraine und der Betreiber Energoatom – sollen Strahlungsüberwachungsgeräte, Mobiltelefone, tragbare Stromversorgungssysteme und andere Artikel erhalten. Anfang dieses Monats traf bereits eine Hilfslieferung im Land ein.

21.09.2022

Wie der Betreiber Energoatom auf seiner Webseite mitteilte, wurde in der letzten Nacht durch erneuten Beschuss am Kernkraftwerk Saporischschja die Netzverbindung zwischen dem Block 6 und der Schaltanlage des KKWs beschädigt. Die Stromversorgung des Blocks war in Folge dessen zwischen 01:13 und 02:00 Uhr unterbrochen. Ab 02:00 Uhr konnte die Stromversorgung über die benachbarten Reaktorblöcke wiederhergestellt werden. In der Zwischenzeit wurde der Block 6 über Notstromdiesel versorgt.

20.09.2022 

In ihrem Update von gestern Abend informierte die IAEA zum einen über den Beschuss am Kernkraftwerk Südukraine (s. unsere Ausführungen vom 19.09.); zum anderen teilte die Organisation mit, dass die einzige intakte Stromleitung, die das Wärmekraftwerk Saporischschja derzeit mit dem ukrainischen Landesnetz verbindet, unterbrochen worden sei. Da alle drei Reserveleitungen des Kernkraftwerks Saporischschja über das Wärmekraftwerk führen, ist die am Wochenende reparierte 750-kV-Hochspannungsleitung, über die zurzeit auch die Stromversorgung des KKW gewährleistet ist, momentan die einzige intakte Verbindung des KKWs zum Landesnetz.

19.09.2022

Wie der Betreiber Energoatom auf seiner Webseite mitteilt, schlug in der vergangenen Nacht eine russische Rakete auf dem Industriegelände des Kernkraftwerks Südukraine ein, ca. 300 m von den Reaktoren entfernt. Infolge der Explosion sei es zu Gebäudeschäden (Glasbruch von Fenstern) gekommen; außerdem seien drei Hochspannungsleitungen abgeschaltet und nach einer kurzen Unterbrechung automatisch wieder ans Netz angeschlossen worden. In einer Telegrammeldung von heute Morgen gibt Energoatom an, dass alle drei Blöcke im Normalbetrieb laufen; Verletzte oder weitere Schäden seien nicht festgestellt worden.

17.09.2022

Eine der vier 750-kV-Hochspannungsleitungen, die das Kernkraftwerk Saporischschja mit dem Landesnetz der Ukraine verbinden, wurde am Samstag repariert, wie die IAEA gestern mitteilte. Damit ist es direkt mit dem Landesnetz verbunden – und nicht mehr indirekt über eine der Reserveleitungen, die allesamt über das benachbarte Wärmekraftwerk führen.

Außerdem erreichte ein Konvoi mit 25 Lkw das KKW, wie der Betreiber Energoatom bei Telegram informierte. Dabei wurden benötigte Ersatzteile und Chemikalien geliefert; vor allem wurde aber zusätzlicher Dieselkraftstoff geliefert, der den längerfristigen Betrieb der Dieselgeneratoren im Falle eines Stromausfalls gewährleisten soll.

14.09.2022

Die IAEA meldete gestern Abend, dass auch die dritte Reserveleitung, die das Kernkraftwerk Saporischschja mit dem benachbarten Wärmekraftwerk verbindet, repariert wurde. Damit sind nun zwei Redundanzen vorhanden. Das Kernkraftwerk wird zurzeit über das Landesnetz der Ukraine mit Strom versorgt; das Wärmekraftwerk ist laut Angaben der IAEA derzeit nicht in Betrieb. 

13.09.2022

Laut Angaben der IAEA ist am KKW Saporischschja seit gestern eine zweite Stromleitung wieder in Stand gesetzt. Die am 11. September reparierte 330-kV-Leitung wird nun als Reserveleitung genutzt.

Der abgeschaltete Reaktorblock 6 wurde gestern in einen kalten, unterkritischen Zustand überführt („cold shutdown). Dies bedeutet, dass die Temperatur des Kühlwassers nun weniger als 100 Grad Celsius beträgt, der Reaktorkern drucklos ist und keine Kettenreaktion mehr stattfindet.

12.09.2022

Das ukrainische Betreiberunternehmen Energoatom teilte am Sonntagmorgen auf ihrer Website mit, dass eine der Stromleitungen zum KKW Saporischschja wiederhergestellt wurde. Man habe sich daraufhin entschieden, den Block 6 herunterzufahren, der den Eigenbedarf der gesamten Anlage bis dahin im sogenannten Inselbetrieb sichergestellt hatte. Der Strombedarf des KKW wird nun über die wiederhergestellte Stromleitung gedeckt. Sollte die Leitung wieder unterbrochen werden und bis dahin keine weitere repariert worden sein, müsste die Anlage über die Notstromdiesel versorgt werden.

09.09.2022

Der am 6.9. veröffentlichte IAEA-Bericht zur Situation der nuklearen Sicherheit, der Sicherung und der Überwachung der KKW in der Ukraine ist hier abrufbar. Darin sind u. a. auch die Erkenntnisse aus der IAEA-Mission an den Standort Saporischschja aufgeführt. So enthält der Bericht die Forderung, eine Sicherheits- und Sicherungszone um das KKW herum einzurichten. Außerdem gebe es laut IAEA keine Hinweise darauf, dass Kernmaterial am Standort entwendet worden sei (Safeguard-Initiative). Während ein Großteil des Fachteams nach Abschluss der Mission wieder abgereist ist, verbleiben zwei Fachleute der IAEA dauerhaft auf dem Kraftwerksgelände.

Die IAEA informierte zudem am 7.9. darüber, dass wohl bereits am Dienstag eine der drei Reserveleitungen, die das KKW Saporischschja mit dem benachbarten Wärmekraftwerk verbindet, beschädigt wurde. Das ändert allerdings insofern nichts an der Situation, als dass die Anbindung des Wärmekraftwerks zum Landesnetz ohnehin seit Montag unterbrochen ist.

In einer Meldung vom 4.9. informiert der ukrainische Netzbetreiber Ukrenergo darüber, dass die Kapazitäten für den Import und Export von Strom zwischen dem ukrainischen Stromnetz und dem europäischen Netzverbund ENTSO-E ab dem 5.9. auf 250 bzw. 300 Megawatt erhöht werden.

Die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU nahm am 7.9. Stellung zu einer von einigen, auch internationalen, Medien kolportierten Information, der Betreiber plane alle Blöcke des KKW Saporischschja abzuschalten. SNRIU stellt in diesem Zusammenhang klar, dass zwar alle Optionen für den sicheren Betrieb des Standortes untersucht werden, die komplette Abschaltung jedoch nicht als ein Hauptszenario für die nahe Zukunft zu verstehen sei. Einer der Gründe sei, dass dabei die Stromversorgung zur Deckung des Eigenbedarfs des KKW nicht mehr zur Verfügung stünde.

06.09.2022

Die IAEA hat gestern in einem Update berichtet, dass die letzte Verbindung zwischen dem KKW Saporischschja und dem Landesnetz der Ukraine absichtlich getrennt wurde, um ein Feuer zu löschen. Es handelt sich dabei um die Verbindung zwischen der Schaltanlage nahe Nikopol und dem Wärmekraftwerk, an das wiederum die Reserveleitungen des KKW angeschlossen sind (s. Update vom 05.09.). Die Ukraine teilte der IAEA mit, dass die Verbindung wiederhergestellt wird, sobald das Feuer gelöscht ist.

Zurzeit wird die gesamte Anlage von Block 6 mit Strom versorgt. Wegen der fehlenden Verbindungen wird allerdings kein Strom ins Landesnetz eingespeist. Sobald die 330-kV-Leitung wieder freigeschaltet ist, soll auch wieder Strom ins Landesnetz fließen. Zudem soll nach ukrainischen Angaben die letzte beschädigte 750-kV-Leitung so schnell wie möglich repariert werden. Dies werde aber einige Tage dauern.

Gestern verließen vier IAEA-Fachleute das Anlagengelände. Das IAEA-Team hatte unter anderem die physischen Schäden am KKW Saporischschja bewertet, die Funktionsfähigkeit der relevanten Systeme überprüft und die Arbeitsbedingungen des Personals sowie die derzeitigen Notfallkapazitäten des Kraftwerks bewertet. Zudem haben die Inspektorinnen und Inspektoren dringende Safeguards-Aktivitäten durchgeführt. Zwei IAEA-Leute bleiben dort, um eine dauerhafte Präsenz der Internationalen Atomenergie-Organisation am Standort zu etablieren.

05.09.2022

[Nachtrag 16:30] Energoatom teilte heute Nachmittag auf Telegram mit, dass die letzte Stromverbindung des KKW Saporischschja zum ukrainischen Landesnetz  durch ein Feuer beschädigt wurde, woraufhin die Anlage vom Netz getrennt wurde. Es handelt sich dabei um die Verbindung des Wärmekraftwerks mit einer Schaltanlage in der Nähe von Nikopol (das KKW war nur noch über eine Reserveleitung über das Wärmekraftwerk mit dem Stromnetz verbunden). Block 6 wurde infolgedessen auf Eigenbedarf heruntergefahren und deckt zurzeit den Strombedarf der gesamten Anlage. 

Am Samstag teilte Energoatom auf Telegram mit, dass die letzte 750-kV-Hochspannungsleitung aufgrund von Beschuss beschädigt wurde. Infolgedessen wurde Block 5 abgeschaltet. Block 6 speise mit reduzierter Leistung weiterhin ins Landesnetz ein und versorge den Standort. Der Anschluss an das Landesnetz sei zurzeit über eine 330-kV-Reserveleitung gewährleistet, die das KKW Saporischschja mit dem benachbarten Wärmekraftwerk verbindet.

Die Stromanbindung am KKW-Standort (zum Vergrößern klicken)

Neben dieser einen existieren noch zwei weitere Reserveleitungen mit einer Kapazität von 330 bzw. 150 kV (s. Bild). Über diese kann allerdings kein Strom ins Landesnetz eingespeist, sondern nur für die Versorgung des KKW bereitgestellt werden. 

Alle drei Reserveleitungen sind über das Wärmekraftwerk Saporischschja mit dem Landesnetz der Ukraine verbunden.

02.09.2022

[Nachtrag 16:00] Am 02.09. gegen 15 Uhr OZ meldete der Betreiber Energoatom auf seinem Telegram-Kanal, dass Block 5 des KKW Saporischschja wieder in Betrieb sei und Strom in das Landesnetz einspeise.

Am 01.09. meldete der Betreiber Energoatom u. a. auf seinem Telegram-Kanal, dass Block 5 des KKW Saporischschja in Folge von erneutem Beschuss abgeschaltet wurde. Demnach kam es außerdem zu Schäden an der 330-kV-Reserveleitung, mit der der Standort mit dem benachbarten Wärmekraftwerk verbunden ist. In diesem Zusammenhang musste wohl auch der bereits abgeschaltete Block 2 kurzzeitig von den Notstromdieseln versorgt werden. Block 6 des KKW ist weiterhin in Betrieb und speist sowohl Strom in das Landesnetz ein, als dass er auch die Versorgung der anderen Kraftwerksblöcke übernimmt. 

Ebenfalls am 01.09. erreichte die Experten-Mission von Vertreterinnen und Vertretern der IAEA den Kraftwerksstandort Saporischschja. Generaldirektor Rafael Mariano Grossi schildert in einem Video vom 02.09. seine Eindrücke (u. a. zu finden in einem Video auf dem Telegram-Kanal von Energoatom). Neben der Besichtigung von Kontrollräumen, Sicherheitseinrichtungen und Notstromdieseln konnte er demnach auch mit Mitarbeitenden des KKW und Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt Enerhodar sprechen. Er kündigt außerdem eine dauerhafte Präsenz von IAEA-Expertinnen und -Experten am Standort an.   

29.08.2022

Wie der Betreiber Energoatom mitteilte, wurde am späten Freitagabend auch der zweite Block des KKW Saporischschja wieder ans Landesnetz angeschlossen. Damit speisen die beiden Blöcke 5 und 6 wieder Strom ins Netz ein; die Blöcke 1 bis 4 sind nach wie vor heruntergefahren. 

Zudem wird Generaldirektor Grossi diese Woche eine IAEA-Mission nach Saporischschja anführen. Die Fachleute wollen insbesondere

  • die physischen Schäden auf dem Anlagengelände analysieren und bewerten,
  • die Funktionstüchtigkeit der Sicherheitssysteme kontrollieren,
  • den Zustand und die Arbeitsbedingungen des Betriebspersonals überprüfen sowie
  • dringende Safeguard-Aktivitäten durchführen.

26.08.2022

Laut Meldung des Betreibers Energoatom wurde einer der beiden Blöcke (5+6) des KKW Saporischschja, die gestern abgeschaltet werden mussten, wieder ans Landesnetz angeschlossen. Derzeit werde die Leistung hochgefahren.

Der Netzbetreiber Ukrenergo informierte, dass das KKW Saporischschja derzeit über zwei Leitungen wieder an die externe Stromversorgung angeschlossen sei. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig, ob es sich dabei um zwei der 750-kV-Leitungen handelt oder um eine 750-kV-Leitung und die 330-kV-Reserveanbindung an das konventionelle Kraftwerk in unmittelbarer Nähe.

Das Management zur Verwaltung der Sperrzone Tschernobyl informierte am 25.8. über Brände in der Sperrzone und angrenzenden Gebieten und veröffentlichte entsprechende Satellitenaufnahmen.

25.08.2022

Laut Telegrammeldung des Betreibers Energoatom wurde die letzte intakte 750-kV-Hochspannungsleitung am Kernkraftwerk Saporischschja heute Mittag durch Brände beschädigt, die Stromanbindung dabei zweimal unterbrochen. Block 5 wurde komplett, Block 6 zunächst auf Eigenbedarf, bei der zweiten Unterbrechung auch komplett heruntergefahren. Die Stromversorgung ist derzeit über eine 330-kV-Leitung zum benachbarten Wärmekraftwerk sichergestellt.

22.08.2022

Auch am Wochenende kam es nach Angaben des Kraftwerksbetreibers Energoatom wieder zu Beschuss von Teilen des Anlagengeländes. Auf seinem Telegram-Kanal meldete das Unternehmen, dass am Samstag eine Fußgängerüberführung beschädigt wurde, die die Kraftwerksgebäude mit anderen Gebäudestrukturen verbindet.

19.08.2022

Ukrainische und russische Medien berichteten am 18.08. über Pläne, die Reaktoren 5 und 6 am Standort Saporischschja vom Netz zu nehmen und in sogenannte „Kaltreserve“ zu überführen (Quellen u. a. hier und hier). Informationen darüber, welche Blöcke des Kernkraftwerkes betrieben werden, sind derzeit aus Geheimschutzgründen nicht öffentlich.

Die Aufsichtsbehörde SNRIU hat die Genehmigungsbedingungen für die Blöcke 1 und 2 des KKW Saporischschja geändert, wie sie in einer Meldung am 19.8. mitteilte. Demnach wurde für den Block 1 der Betriebszustand „Brennstoffumladung – im kalten Stillstand“ und für Block 2 „im kalten Stillstand“ festgelegt.

Auf ihrem Telegram-Kanal informierte die Betreiberin Energoatom am 19.08. über den Beschuss einer 750-kV-Schaltanlage am 13.08. und wies erneut darauf hin, dass der stattfindende Beschuss ein ernsthaftes Risiko für den sicheren Betrieb des KKW Saporischschja sei. 

Das KKW Tschernobyl informierte in einer Meldung vom 18.08., dass die Aufsichtsbehörde die Lizenzen zum Umgang mit radioaktiven Abfällen am Standort wieder erteilt hat. Die Lizenzen waren nach Ende der Besetzung des KKW durch das russische Militär zunächst ausgesetzt worden.

12.08.2022

Nach Angaben sowohl ukrainischer als auch russischer Stellen ist es am Nachmittag des 11.8. erneut zu einem Beschuss im Bereich des KKW Saporischschja gekommen. Der ukrainische Betreiber Energoatom berichtete auf seinem Telegram-Kanal von insgesamt zehn Einschlägen unter anderem in der Nähe einer Feuerwehrstation und einer Schweißwerkstatt. Dabei seien eine Abwasser-Pumpstation schwerer beschädigt sowie kurzzeitig unbefestigte Grünflächen in Brand gesetzt worden.

Laut Energoatom befand sich das KKW durchgehend im Normalbetrieb, erhöhte Strahlungswerte seien nicht gemessen worden. Auch die IAEA geht nach Angaben ihres Generaldirektors Grossi davon aus, dass die Sicherheit der Anlage nicht unmittelbar bedroht sei; dies könne sich aber unter den aktuellen Umständen jederzeit ändern. Stand heute sind nach wie vor zwei von sechs Blöcken des Standorts in Betrieb.

Darüber hinaus wurden in den vergangenen Tagen von verschiedenen Stellen Informationen im Zusammenhang mit der Anbindung des KKW Saporischschja an das Landesnetz veröffentlicht. Laut Mitteilung der IAEA vom 10. August sei eine zwischenzeitlich beschädigte Reserveanbindung an ein in der Nähe befindliches konventionelles Kraftwerk wiederhergestellt. Von Energoatom wurden Meldungen veröffentlicht, denen zufolge mehrere Hochspannungsleitungen im weiteren Umfeld der Anlage beschädigt worden, sodass das KKW gegenwärtig nur über eine der regulären Leitungen an das Landesnetz angebunden sei.

Ausführlichere Erläuterungen zur Situation am KKW Saporischschja und zu dessen sicherheitstechnischer Auslegung durch den Leiter der Abteilung Internationale Projekte der GRS, Sebastian Stransky, sind unter anderem in einer Sendung von ZDFheute Live sowie einem Video bei SPIEGEL ONLINE zu finden.

08.08.2022

Das ukrainische Energieversorgungsunternehmen Energoatom berichtet über einen erneuten Beschuss des Kernkraftwerks Saporischschja in der Nacht zu Sonntag. Energoatom zu Folge wurden dabei ein Trockenlager beschossen und drei Sensoren zur Strahlenmessung im Umfeld des Lagers beschädigt. In dem von der Firma Holtec International erbauten Trockenlager lagern derzeit 174 Behälter mit abgebrannten Brennelementen. Nach den vorliegenden Informationen wurden keine Behälter beschädigt.

 Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) zeigt sich besorgt über die neusten Entwicklungen am größten Kernkraftwerk Europas. Generaldirektor Rafael Mariano Grossi drängt darauf, so schnell wie möglich eine Mission mit Expertinnen und Experten nach Saporischschja zu entsenden, um die nukleare Sicherheit und Sicherung am Standort zu bewerten. 

Trockenlager am Kernkraftwerk Saporischschja mit Beton-Silos, in denen jeweils 24 abgebrannte Brennelemente lagern
© hromadske
Trockenlager der Firma Holtec International mit Beton-Silos, in denen jeweils 24 abgebrannte Brennelemente lagern

06.08.2022

Nach übereinstimmenden Meldungen aus offiziellen Quellen (Aufsichtsbehörde SNRIU und Betreiber Energoatom) kam es gestern gegen 14:30 zu einem Angriff auf das ukrainische KKW Saporishshja. Energoatom berichtete einige Zeit später von einem weiteren Angriff am Abend. Offenbar schlugen drei Artilleriegranaten in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks ein. Dabei wurde die Stickstoff-Sauerstoff-Station in einem Nebengebäude beschädigt. Ebenfalls wurde eine 330-kV-Hochspannungsleitung beschädigt und fiel aus. Es handelt sich dabei um die Verbindungsleitung vom Kernkraftwerk zu dem in unmittelbarer Nähe befindlichen Wärmekraftwerk. In einem der drei zu diesem Zeitpunkt in Betrieb befindlichen Blöcke sprach wegen des Ausfalls der Leitung der Notfallschutz an, der Reaktor wurde notabgeschaltet und die Notstromdiesel liefen an, um die Sicherheitssysteme zu versorgen. SNRIU bestätigte in der Meldung zudem, dass keine erhöhte Strahlungssituation vorliegt.   

05.08.2022

Die Aufsichtsbehörde SNRIU hat an die IAEA gemeldet, dass nun auch in der Turbinenhalle von Block 2 des KKW Saporischschja militärisches Equipment untergebracht sei. Der Generaldirektor der IAEA Grossi äußerte in seiner Rede auf der "Non-proliferation Treaty Review Conference" seine Bedenken hinsichtlich der dortigen Situation: “While this war rages on, inaction is unconscionable. If an accident occurs at the Zaporizhzhya Nuclear Power Plant, we will not have a natural disaster to blame. We will have only ourselves to answer to." Zudem betonte er die Dringlichkeit einer IAEA-Mission.

An den übrigen KKW-Standorten der Ukraine ist die Situation im Vergleich zur Vorwoche unverändert.

29.07.2022

Der Netzbetreiber Ukrenergo informierte am 29.7., dass mit den europäischen Betreibern des Übertragungsnetzes (ENTSO-E) vereinbart wurde, die Handelskapazität mit dem Energiesystem Ukraine/Moldawien zu verdoppeln. Ab dem 28. Juli betrug die Gesamtmenge der verfügbaren Kapazität aus dem ukrainischen Stromnetz rund 250 MW – aufgeteilt nach Rumänien (125 MW) und in die Slowakei (125 MW).

Am 25.7. meldete die Aufsichtsbehörde SNRIU, dass im KKW Riwne am 22.7. eine IAEA-Safeguard-Inspektion durchgeführt wurde.

An den übrigen KKW-Standorten der Ukraine ist die Situation im Vergleich zur Vorwoche unverändert.

22.07.2022

Der Betreiber Energoatom meldete am 19.7., dass wiederholt Mitarbeitende des KKW Saporischschja von den russischen Besatzern entführt worden seien. Auch lagere Militärausrüstung, Sprengstoff und Waffen im Maschinenhaus von Block 1. Energoatom wirft den Besatzern zudem vor, dass sie gegen Sicherheitsmaßnahmen innerhalb der Anlage verstoßen würden.

Die Aufsichtsbehörde SNRIU informierte am 20.7. über den Abschluss erster Radioaktivitätsmessungen im Kiewer Stadtgebiet und Vororten. Ziel sei es, radioaktiv kontaminierte Gegenstände, Kalibrierquellen und andere radioaktive Materialien aufzuspüren, die während der Besatzungszeit durch die russische Armee dort hingelangt sein könnten. An der Messung waren unter anderem auch Mitarbeitende der ukrainischen Technischen Sicherheitsorganisation SSTC NRS beteiligt (siehe auch hier).

Der Zustand der Anlagen ist im Vergleich zur Vorwoche unverändert.

15.07.2022

Die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU meldete am 13.7., dass eine Lieferung mit persönlicher Schutzausrüstung und dosimetrischen und radiometrischen Geräten aus Frankreich und Australien eingetroffen sei. Überbracht wurde die Ausrüstung von der Mitarbeitenden der IAEA (siehe auch Meldung der IAEA). Außerdem fand am Standort Riwne vom 9. bis 11. Juli 2022 eine Safeguard-Inspektion durch Vertreterinnen/Vertreter der IAEA statt. Mehr zu den Zielen der Safeguard-Initiative hier.

Die ukrainische Betreibergesellschaft Energoatom informierte am 11.7. über die weitere Zusammenarbeit mit dem Hersteller Westinghouse. Demnach unterzeichneten die Parteien einen neuen Vertrag zur Vertiefung der Zusammenarbeit beim Bau der Blöcke 5 und 6 am Standort Chmelnyzkyj, unter Verwendung der AP1000-Technologie. Gemäß der Vereinbarung wird Westinghouse technische Informationen zur AP1000-Technologie bereitstellen, welche für die Machbarkeitsstudie von Energoatom benötigt werden.

Laut Meldung der IAEA vom 14.7. sind nach Informationen der Ukraine neun der 15 Reaktorblöcke des Landes ans Netz angeschlossen, darunter drei am Standort Saporischschja, zwei im KKW Riwne, zwei im KKW Südukraine und zwei im KKW Chmelnyzkyj. 

08.07.2022

In einer Meldung vom 6. Juli äußerte sich die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU zum Fortschritt bei der Umstellung ihrer Reaktorflotte auf Brennelemente des Herstellers Westinghouse. So wurde der Reaktorkern des KKW Rivne 3 mit entsprechenden Brennelementen beladen. Bislang handele es sich demnach um eine Teilbefüllung, die zunächst in einem Testbetrieb laufen wird. Die Anzahl der Brennelemente soll dann stufenweise aufgestockt werden. Bislang sind in sechs weiteren WWER-1000-Reaktorblöcken von insgesamt 13 ukrainischen Kernreaktoren Westinghouse-Brennelmente im Einsatz: Südukraine 2 und 3 sowie Saporischschja 1, 3, 4 und 5.

In einem Interview wies der Chef der Aufsichtsbehörde darauf hin, dass es am Standort Saporischschja zu einem Mangel an Ersatzteilen wie Ventile und Verbrauchsmaterialen kommen könnte. Nach wie vor sei die Situation am KKW schwierig, da sich Munition ebenso direkt auf dem Gelände befinde wie mehr als 50 Einheiten russischer Militärausrüstung. Er sprach zudem von „Sprengstoffen“(вибухівки), die rund um das Gelände platziert seien.

Am 4. Juli informierte die IAEA in einer Meldung unter anderem darüber, dass die Übertragung von Sicherheitsdaten über das Safeguard-System am Standort Tschernobyl nach wie vor teilweise nicht vollständig funktioniert.

Die Situation an den übrigen KKW-Standorten der Ukraine blieb im Vergleich zur Vorwoche unverändert.

01.07.2022

Am 29.06. informierte die IAEA darüber, dass ihre Verbindung zum Safeguard-Überwachungssystem am Standort Saporischschja erneut ausgefallen sei. Das System dient der Überwachung des Kernmaterials vor Ort im Hinblick auf die Nichtverbreitung atomwaffenfähigen Materials (mehr zur Safeguard-Initiative der IAEA).

Ebenfalls am 29.06. meldete der ukrainische Betreiber Energoatom auf seiner Facebookseite, dass die russischen Besatzer am KKW Saporischschja planten, sog. Sprühbecken am Standort zu entleeren, da sie dort Waffen vermuteten. Aus diesem Grund hier kurz eine Erläuterung zur Funktion der Sprühbecken: Die Sprühbecken (oder auch Sprühteiche) gehören zum sogenannten gesicherten Nebenkühlwassersystem der WWER-Anlagen. Das Nebenkühlwassersystem sichert im Normalbetrieb unter anderem die Wärmeabfuhr aus den Brennelementlagerbecken. Während eines Störfalls sichert es die Kühlung von Komponenten der Sicherheitssysteme, des Reaktorkerns und anderen Hilfssystemen – auch Notstromdiesel zählen dazu. Die vom Nebenkühlwassersystem aufgenommene Wärme wird über die Sprühbecken an die Umgebung abgegeben. Verluste von Kühlwasser in diesen Becken (z. B. durch Verdunsten oder Ablassen) können mit einer Zusatzversorgung ausgeglichen werden. Das Nebenkühlwassersystem jedes der sechs Reaktorblöcke ist mit drei separaten Strängen (d. h. Kreisläufen) ausgelegt, von denen jeweils bereits ein Strang allein alle notwendigen Verbraucher versorgen kann. Dabei sind die drei Stränge eines Blocks jeweils mit einem anderen Sprühbeckens verbunden. Die Entleerung eines Sprühbeckens des Nebenkühlwassersystems hätte daher keine signifikanten Auswirkungen auf die Sicherheit, da das Anlagenkonzept auf einen solchen Fall ausgelegt ist und die Wärmeabfuhr über zwei weitere Stränge gewährleistet werden könnte. Auf der Karte (OpenStreetMap) des Kraftwerksgeländes sind die Sprühbecken rechts neben den Kraftwerksblöcken rechteckig und in hellblau angeordnet.   

Wie der europäische Verband der Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) am 28.06. meldete, sind die technischen Voraussetzungen für einen kommerziellen Stromaustausch der Ukraine mit ihren Nachbarländern Moldawien, Slowakei, Ungarn und Rumänien nun gegeben. Der Stromaustausch soll demnach am 30.06. über die Verbindungsleitung nach Rumänien beginnen. Die weiteren Länder folgen.

27.06.2022

Wie die ukrainische Atomaufsichtsbehörde SNRIU mitteilt, stand die Neutronenquelle in Charkiw am Wochenende unter Beschuss. Es kam dabei zu äußeren Schäden, unter anderem wurde der Notstromdiesel beschädigt. Die Strahlungswerte liegen aber im Normalbereich. Hinter dem eingangs hinterlegten Link findet sich eine Übersicht der Schäden.

24.06.2022

Im letzten IAEA-Update äußerte IAEA-Generaldirektor Grossi Bedenken über den schwierigen Zustand des Personals am KKW Saporischschja. Er betonte in dem Zusammenhang, dass er sich nach wie vor für eine IAEA-Mission einsetzt.

Die Situation an den KKW-Standorten der Ukraine blieb im Vergleich zur Vorwoche unverändert.

17.06.2022

Die IAEA teilte am 12.6. mit, dass die seit dem 30.5. unterbrochene Übertragung von Sicherungsdaten aus dem KKW Saporischschja an die IAEA wieder aufgenommen werden konnte.

Außerdem hatte die Ukraine der IAEA mitgeteilt, dass derzeit acht Reaktorblöcke in Betrieb seien: zwei am Standort Saporischschja, drei in Riwne, zwei am Standort Südukraine und eines in Chmelnyzky. Die sieben anderen Reaktoren seien für Wartungsarbeiten abgeschaltet oder in Reserve.

10.06.2022

Der IAEA-Generaldirektor Grossi betonte noch einmal die Dringlichkeit einer IAEA-Mission in das von den Russen besetzte KKW Saporischschja. Sorgen bereiteten vor allem die stressvollen Arbeitsbedingungen, die das Kraftwerkspersonal seit Monaten extrem belasteten. Außerdem würden wichtige Wartungsarbeiten an dem AKW ständig verschoben und wesentliche Geräte nicht geliefert.  

Die IAEA teilte zudem mit, dass die auf dem Standort des Kernkraftwerks Tschernobyl installierten Strahlungsdetektoren wieder Daten an das Incident and Emergency Centre übermitteln. Die Übertragung war mit dem Einmarsch der russischen Truppen unterbrochen worden. Die übermittelten Werte liegen in Bereichen, die denen vor der Besatzung entsprechen.

Die Situation an den übrigen KKW-Standorten der Ukraine blieb im Vergleich zur Vorwoche unverändert.

03.06.2022

Der Präsident des ukrainischen KKW-Betreibers Energoatom und der Präsident und CEO des amerikanischen Unternehmens Westinghouse haben gestern in Anwesenheit des ukrainischen Energieministers drei Vereinbarungen unterzeichnet. So sollen statt der bislang geplanten fünf nun neun AP1000-Reaktorblöcke errichtet werden. Außerdem sollen die Versorgung mit amerikanischem Kernbrennstoff erhöht sowie ein Ingenieur- und Technik-Zentrum gegründet werden. Eine ausführliche Pressemitteilung findet sich auf dieser Seite des ukrainischen Energieministeriums.

Eine Expertenmission der IAEA war diese Woche in Tschernobyl, um dort technische Unterstützung zu bieten. Genauere Informationen finden sich in der Mitteilung der IAEA.  

Außerdem inspizierte ein IAEA-Team das KKW Riwne, wie die ukrainische Aufsichtsbehörde mitteilt.

Die Situation an den KKW-Standorten der Ukraine blieb im Vergleich zur Vorwoche unverändert.

 

27.05.20222

10:45 Uhr: Die Behörde SNRIU informierte am 26.05. darüber, dass ein Besuch der IAEA  (wie in einer Meldung vom 17.05. vorgeschlagen) am Standort Saporischschja erst dann stattfinden soll, wenn das KKW nicht mehr unter russischer Kontrolle stehe. Die Sicherheitslage um das KKW sei auf Grund der nach wie vor andauernden Kampfhandlungen und der Anwesenheit von Militärs und Waffen auf dem Anlagengelände zu unsicher.  

Das Management zur Verwaltung der Sperrzone Tschernobyl veröffentlichte am 26.05. ein Video zu weiteren Hinterlassenschaften der russischen Besatzer in der Sperrzone.

Darüber hinaus war die Situation an den KKW-Standorten der Ukraine im Vergleich zur Vorwoche unverändert.

20.05.2022

10:30 Uhr: Seit dem 17.5. meldet u. a. die Verwaltung der Sperrzone des KKW Tschernobyl wieder vermehrt auftretende Wald- und Flächenbrände rund um das KKW. Begünstigt werde die Entstehung der Brände demnach durch die aktuellen Wetterverhältnisse (Trockenheit und Wind). Der größte Brand umfasst demnach bislang ein Gebiet von ca. 1.500 Hektar. Die Brandbekämpfung werde durch die Wetterverhältnisse und fehlende bzw. zerstörte Ausrüstung (u. a. während Zeit der Besatzung) und Kriegshinterlassenschaften wie Landminen etc. erschwert. Die IAEA ergänzt in diesem Zusammenhang in ihrem Update vom 19.5., dass die Gamma-Ortsdosisleistungen die Referenzwerte nicht überschritten und keine Gefährdung für die Bevölkerung bestünde. Die Aufsichtsbehörde SNRIU beobachtet die Situation vor Ort ebenfalls kontinuierlich.

Die IAEA informierte am 17.5., dass sie in den kommenden Wochen eine weitere Safeguard-Mission an den Standort Tschernobyl plant. Neben Fachleuten für Sicherung werden dann auch Experten*innen für die kerntechnische Sicherheit Teil der Mission sein. Darüber hinaus arbeite die IAEA an der Vereinbarung, Organisation und Leitung einer Mission zu dem von Russland kontrollierten KKW Saporischschja, um an diesem Standort Arbeiten zur nuklearen Sicherheit, Sicherung und Überwachung durchzuführen.

Nach Bekanntwerden der von russischen Regierungsvertretern erhobenen Ansprüche an den vom KKW Saporischschja erzeugten Strommengen veröffentlichte Ukrenergo am 19.5. auf Facebook ein Statement. Darin stellt der Netzbetreiber u. a. fest, dass sich das ukrainische Stromnetz derzeit unter der Kontrolle ukrainischer Spezialisten befände und das Stromsystem keine physischen Verbindungen mit dem Stromsystem Russlands habe. Daher sei die Lieferung von Strom aus ukrainischen Kraftwerken nach Russland derzeit physikalisch nicht möglich.

Darüber hinaus war die Situation an den KKW-Standorten der Ukraine im Vergleich zur Vorwoche unverändert. Nach Angaben der IAEA sind 8 von 15 Reaktorblöcken am Netz.

13.05.2022

10:00 Uhr: Die IAEA teilte diese Woche mit, dass die Fernübertragung von Überwachungsdaten aus dem Kernkraftwerk Tschernobyl mittlerweile vollständig wiederhergestellt werden konnte.

Das Kernkraftwerk Tschernobyl teilte zudem auf seiner Webseite mit, dass es die Kontrolle über die chemischen Parameter des wasserchemischen Systems des Brennelementlagerbeckens ISF-1 wieder vollständig hergestellt hat. Die Kontrolle war aufgrund der russischen Besatzung in Absprache mit der ukrainischen Aufsichtsbehörde teilweise ausgesetzt worden. 

Die KKW liefen auch diese Woche wieder im Normalbetrieb; laut Angaben der IAEA sind nach wie vor 7 von 15 Blöcken am Netz.

06.05.2022

12:30 Uhr: Die KKW in der Ukraine liefen in der letzten Woche im Normalbetrieb; laut Angaben der IAEA sind zurzeit 7 von 15 Blöcken am Netz. 

In der selben Meldung wird auch über das Treffen des IAEA-Generaldirektors Grossi mit dem Gerenaldirektor Likhachev der russischen Rosatom berichtet, in dem es um den sicheren Betrieb des von den Russen besetzten KKW Saporischschja geht. Letzterer teilte in einem offiziellen Statement mit, dass "ensuring safe operation of nuclear installations in the broadest sense possible was an absolute priority for the Russian side and for the Russian nuclear industry." Eine IAEA-Mission nach Saporischschja soll erörtert werden.

In dem Statement berichtet die IAEA außerdem, dass die Monitoring-Systeme in Tschernobyl zum größten Teil wiederhergestellt werden konnten; gleiches gilt für die Übertragung der Daten in das IAEA-Hauptquartier in Wien.

Die Aufsichtsbehörde SNRIU teilte zudem gestern auf ihrer Webseite mit, dass sie einige Lizenzen des KKW Tschernobyl für Stilllegungs- und Konditionierungstätigkeiten vorübergehend ausgesetzt hat. Um welche Genehmigungen es sich genau handelt, haben wir auf unserer Tschernobyl-Unterseite aufgelistet.

Seit dieser Woche sind außerdem wieder aktuelle Radioaktivitäts-Messdaten für den Standort Tschernobyl auf der Webseite von saveecobot verfügbar – zumindest für das nähere Umfeld der Anlage. 

29.04.2022

14:00 Uhr: Die IAEA hat am 28.04. einen zusammenfassenden Bericht zur Situation der kerntechnischen Anlagen in der Ukraine veröffentlicht. Neben Aktivitäten im Zusammenhang mit radioaktiven Quellen werden darin im Wesentlichen Aspekte der Sicherheit, der Sicherung und der Überwachung der Anlagen aufgeführt.

So konstatiert die IAEA in ihrem Bericht unter anderem in Bezug auf den Standort Tschernobyl, dass der Ausfall der externen Stromversorgung durch die Unterbrechung der letzten Netzanbindung am 09.03. zu keinen sicherheitsrelevanten Auswirkungen beim Brennelementlagerbecken ISF-1 geführt hätte. Außerdem bewertet sie die zu Beginn der Invasion ermittelten angestiegenen Strahlungswerte in der Sperrzone – verursacht durch militärische Fahrzeuge, die kontaminierten Staub aufwirbelten – als niedrig und innerhalb des Bereiches, der in der Sperrzone seit ihrer Einrichtung gemessen wurde. Sie geht daher davon aus, dass sie keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellten.

Eine erste Messung der Ortsdosisleistung in der Sperrzone am 27.4. durch IAEA Personal ergab Werte zwischen 0,2 Mikrosievert/Stunde (μSv/h) und 0,75 μSv/h, was 3- bis 5-mal über dem Wert liegt, der auf der nahe gelegenen Straße gemessen wurde. Die Messung umfasste auch Bereiche, in denen russische Soldaten Gräben ausgehoben haben sollen. Hingegen war es der IAEA bislang nicht möglich, Berichte zu verifizieren, nach denen russische Soldaten während ihres Aufenthaltes in der Sperrzone hohe Strahlendosen erhalten hätten.

Außerdem informierte die IAEA ebenfalls am 28.04., dass nach Angaben der ukrainischen Aufsichtsbehörde SNRIU Daten einer Videoüberwachung des KKW Südukraine vorliegen, die den Überflug einer Rakete am 16.04. direkt über dem KKW zeigen. 

Das KKW Saporischschja war laut einer Meldung des Betreibers Energoatom auf Telegram vom 28.4. aufgrund der Beschädigung einer 330kV-Leitung kurzzeitig in den sogenannten Inselbetrieb übergegangen und versorgte sich auf Eigenbedarfsniveau. Nach der Reparatur der Leitung speist das KKW laut Meldung vom 29.04. wieder auf vorherigem Niveau Strom ins Landesnetz ein.  

27.04.2022

15:15 Uhr: Dem ukrainischen Netzbetreiber Ukrenergo wurde nach eigenen Angaben gestern der Status eines „observer member“ im Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E zugesprochen.

15:00 Uhr: Die IAEA berichtet über ihre Hilfslieferung an den Standort Tschernobyl und die mitgelieferte Ausrüstung, u. a. bestehend aus Schutzanzügen, Spektrometer und persönlichen Dosimetern.

26.04.2022

17:15 Uhr: Die IAEA-Delegation ist heute am Standort Tschernobyl eingetroffen (s. Ankündigung vom 22.04.). Der Energieversorger Energoatom teilte auf seinem Telegram-Kanal mit, dass heute russische Marschflugkörper über das KKW Saporischschja geflogen seien - gestern habe sich dasselbe bereits über dem KKW Chmelnyzkyj, am 16.04. über dem KKW Südukraine zugetragen.

22.04.2022

17:00 Uhr: Die IAEA kündigt ihre Expertenmission an den Standort Tschernobyl für den 26.4. an. Der Mission werden Fachleute für Sicherheit, Sicherung und sogenannte Safeguards angehören. Das Team soll unter anderem Ausrüstung liefern und die Situation vor Ort radiologisch bewerten.

11:45 Uhr: In ihrem Update vom 21.04. informierte die IAEA, dass die Schichtwechsel am KKW Tschernobyl nach ukrainischen Angaben nun regelmäßig und nach Plan verlaufen. Außerdem informierte die Staatliche Agentur der Ukraine zur Verwaltung der Sperrzone über die Arbeiten nach Abzug der russischen Truppen, u. a. seien an den Kontrollpunkten Dytyatky und Leliv dosimetrische Kontrollpunkte wiederhergestellt worden. Am 20.4. habe zudem ein Gespräch mit Vertretern von EBRD und IAEA stattgefunden, um vorrangige Projekte zur Wiederherstellung der Aktivitäten von Unternehmen der Sperrzone vorzustellen.

20.04.2022

10:00 Uhr: Die IAEA meldete gestern (19.04.) Abend, dass die direkte Kommunikation (Telefonverbindung) zwischen der nationalen Regulierungsbehörde SNRIU und dem Kernkraftwerk Tschernobyl wiederhergestellt wurde, mehr als einen Monat nachdem dieser Kontakt unterbrochen wurde. 

11.04.2022

16:30 Uhr: Die State Agency of Ukraine on Exclusion Zone Management informierte am 9.4. in einem Facebook-Post über die Lage in zwei Laboratorien in der Stadt Tschernobyl. In dem Post heißt es u. a., dass russische Truppen in einem der beiden Laboratorien 133 Strahlungsquellen mit einer Gesamtaktivität von ca. 7 Mio. Becquerel „stahlen und beschädigten“.

Nach Angaben der State Agency habe es sich um sogenannte Kalibrierquellen gehandelt; dafür spricht auch die angegebene Gesamtaktivität. Derartige Quellen werden zur Überprüfung bzw. Kalibrierung von Strahlungsmessgeräten. Die Aktivität solcher Quellen liegt in der Regel erheblich unter der von Strahlungsquellen, die etwa für medizinische Bestrahlungen oder zur zerstörungsfreien Materialprüfung eingesetzt werden. Dementsprechend ist die von ihnen ausgehende Gefahr vergleichsweise gering. Bei unsachgemäßer Handhabung bzw. Lagerung oder gar Zerstörung solcher Quellen kann allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass die betreffenden Personen eine Strahlendosis erhalten, die gesundheitsgefährdend sein kann.

Die State Agency gibt außerdem an, dass der Verbleib weiterer Strahlungsquellen sowie von kernbrennstoffhaltigen Proben aus einem weiteren Labor nicht bekannt sei und weist darauf hin, dass – falls derartige Substanzen bspw. als „Souvenirs“ entwendet und am Körper getragen würden – nach zwei Wochen schwere und dauerhafte Gesundheitsschäden die Folge seien.

Am 10.4. gab das KKW Tschernobyl auf Facebook bekannt, dass am Vortag im Rahmen des zweiten Schichtwechsels nach dem Abzug der russischen Truppen rund 50 Mitarbeiter nach Slawutytsch zurückkehren konnten. Für den Transport der Mitarbeiter sei für die Querung des Flusses Pripyat ein Boot des ukrainischen Betreibers Energoatom genutzt worden, da Straßenbrücken zerstört und die Bahnverbindung zwischen Kraftwerk und Slawutytsch durch Belarus nicht verfügbar seien.

09.04.2022

15:30 Uhr: Der Generaldirektor der IAEA erklärte gestern, dass zurzeit umfassende Hilfepakete ("comprehensive assistance packages") vorbereitet werden, die im Rahmen von Hilfsmissionen ("several nuclear safety, security and safeguards missions") in den nächsten Wochen in die Ukraine gebracht werden sollen.

08.04.2022

14:00 Uhr: Die IAEA informiert darüber, dass sie baldmöglichst Hilfspersonal nach Tschernobyl schicken wird. Die Drohnenaufnahmen, die Gräben in der Sperrzone zeigen sollen, sind der Organisation bekannt – dass russische Soldaten radiologisch relevante Strahlendosen erhalten hätten, kann allerdings nicht bestätigt werden. 

05.04.2022

14:00 Uhr: Am Kernkraftwerk Tschernobyl wird laut Internationaler Atomenergieorganisation (IAEA) ein weiterer Schichtwechsel vorbereitet. Das Betriebspersonal wohnt in der ukrainischen Stadt Slawutytsch, die 50 Kilometer entfernt östlich vom Unfallreaktor liegt. Die Planung gestaltet sich herausfordernd, da die Anreise des Personals durch belarussisches Hoheitsgebiet verläuft. Der alternative Weg über Kiew ist aktuell nur schwierig passierbar und bedeutet einen Umweg von mehr als 200 Kilometern.

Vom Kernkraftwerk Tschernobyl (A) bis zur Kleinstadt Slawutytsch (B) verläuft die kürzeste Anreise per Zug (gelbe Linie) oder Auto durch Belarus (blaue Linie), der Umweg über Kiew (rote Linie)
© Open Street Map
Landkarte Ukraine

02.04.2022

12:00 Uhr: Gestern Abend meldete die IAEA in ihrem Update unter anderem, dass sie Berichte, nach denen russische Streitkräfte während ihres Aufenthalts in der Sperrzone von Tschernobyl hohe Strahlendosen erhalten haben sollen, derzeit nicht bestätigen kann.

01.04.2022

16:45 Uhr: Laut Angaben der ukrainischen Aufsichtsbehörde haben die russischen Truppen Tschernobyl verlassen. IAEA-Generaldirektor Grossi kündigte auf Twitter zudem an, dass er zeitnah eine Hilfsmission nach Tschernobyl leiten wolle. 

10:00 Uhr: Auf verschiedenen Social-Media-Kanälen wird von offizieller ukrainischer Seite ein Dokument geteilt, in dem die Übergabe Tschernobyls von den Russen an die Ukrainer am 31.03.2022 von beiden Seiten bestätigt wird – beispielsweise in diesem Facebookpost. Die IAEA teilt mit, dass sie von ukrainischer Seite über das Dokument und den Abzug von russischen Truppen informiert worden sei. Es halte sich aber immer noch russisches Militär auf dem Anlagengelände auf. Der IAEA-Generaldirektor Grossi ist nach seinen gestrigen Gesprächen mit ukrainischen Vertretern heute nach Kaliningrad gereist, um dort mit der russischen Seite über konkrete Schritte zu verhandeln, die die nukleare Sicherheit in der Ukraine gewährleisten sollen.

31.03.2022

12:00 Uhr: Der Generaldirektor der IAEA Rafael Mariano Grossi ist zurzeit auf diplomatischer Mission in der Ukraine, gestern besuchte er das Kernkraftwerk Süd-Ukraine

10:00 Uhr: Gestern exportierte die Ukraine das erste Mal seit der Synchronisation Strom mit dem europäischen Verbundnetz in die EU, genauer nach Polen. Das teilte der Netzbetreiber Ukrenergo gestern in einem Facebookpost mit. 

29.03.2022

12:00 Uhr: Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA, Rafael Mariano Grossi, reist in die Ukraine, um mit Regierungsvertretern über die Unterstützung für die Sicherheit und Sicherung nuklearer Anlagen zu sprechen. Grossi möchte sich dafür einsetzen, dass die sieben Säulen für die Gewährleistung von Sicherheit und Sicherung beachtet werden. In den letzten Wochen waren mehrere dieser Säulen gefährdet - darunter die physische Unversehrtheit der Anlagen, der Zugang zur externen Stromversorgung sowie die Sicherstellung, dass das Betriebspersonal ohne unangemessenen Druck arbeiten kann.

28.03.2022

16:00 Uhr: Die nukleare Versuchsanlage in Charkiw ist nach Angaben der ukrainischen Aufsichtsbehörde SNRIU am 28.03. zum vierten Mal unter Beschuss geraten und dabei beschädigt worden. Radioaktive Stoffe blieben laut der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA unversehrt. Bei der Forschungseinrichtung in Charkiw handelt es sich um eine unterkritische Neutronenquelle, die von einem Elektronenbeschleuniger angetrieben wird. Unterkritisch bedeutet, dass die Spaltstoffe so angeordnet sind, dass es keine sich selbst erhaltende Kettenreaktion geben kann. 
 

27.03.2022

19:30 Uhr: Die Behörde SNRIU hat um 17:40 (OZ) in einer Meldung auf ihrer Webseite darüber informiert, dass es nach bisherigen Erkenntnissen ist am Forschungsreaktor in Charkiw (einer unterkritischen Neutronenquelle) wohl nur zu leichteren Gebäudeschäden gekommen ist. Die externe Stromversorgung sei noch nicht wiederhergestellt, die radiologische Situation im Normbereich. 

12:15 Uhr: Bereits am gestrigen Abend informierte die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU auf ihrer Facebookseite, dass es wegen anhaltender Kampfhandlungen in Charkiw nicht möglich sei, eventuelle Schäden am dortigen Forschungsreaktor (seit dem 24.2. in "tiefen, unterkritischen Zustand" versetzt) zu identifizieren. Zuvor hatte u. a. die IAEO unter Berufung auf SNRIU berichtet, dass in der Nähe der Anlage nach neuerlichem Beschuss auf Charkiw eine nicht explodierte Rakete gefunden worden sei. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden von SNRIU oder der IAEO keine weiteren Informationen über mögliche Schäden am Forschungsreaktor veröffentlicht. 

26.03.2022

20:15 Uhr: In ihrem Update berichtet die IAEA, dass die Stadt Slavutych nach ukrainischen Angaben nun von russischen Truppen eingenommen sei. Zudem meldet die Aufsichtsbehörde SNRIU, dass der Forschungsreaktor in Charkiw erneut unter Beschuss geraten sei. Schäden seien noch nicht abzuschätzen. 

10:00 Uhr: Am Abend des 25.3. informierte die IAEA in einem Update darüber, dass die Betriebsmannschaft am Standort in Tschernobyl seit dem 21.3. nicht ausgetauscht wurde. Nach Angaben der ukrainischen Behörde hatte der Beschuss von Checkpoints nahe der Stadt Slavutych das Personal davon abgehalten, sowohl zum Kernkraftwerksstandort zu gelangen als auch davon wegzufahren. 

25.03.2022

12:00 Uhr: Auf seiner Facebookseite informierte das Kernkraftwerk Tschernobyl gestern (24.3.), dass die Checkpoints der Stadt Slavutych unter Beschuss russischer Truppen stehen. Die Stadt, in der zahlreiche Mitarbeitende des KKW-Standortes leben, liegt etwa 50 Kilometer vom Kraftwerk entfernt. Die IAEA zeigte sich insbesondere im Hinblick auf die damit einhergehende Belastung des Personals besorgt.

24.03.2022

10:30 Uhr: Die IAEA informierte in einer Meldung am Abend des 23.3. über die Situation bzgl. der Waldbrände im Umkreis des KKW Tschernobyl. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde seien demnach „Brandereignisse“ registriert worden. Feuerwehrleute versuchen, Waldbrände in der Nähe des KKW Tschernobyl zu löschen. Die örtliche Feuerwache habe derzeit keinen Zugang zum Stromnetz. Die Station sei auf Dieselgeneratoren angewiesen.

In der Sperrzone würden zudem derzeit keine Strahlungsmessungen durchgeführt.

In Kiew und an zwei KKW-Standorten westlich von Tschernobyl sei ein leichter Anstieg der Cäsiumkonzentration in der Luft festgestellt worden. Dies werfe jedoch keine erheblichen radiologischen Bedenken auf.

21.03.2021

20:40 Uhr: Die ukrainische Aufsichtsbehörde meldet, dass die Betriebsmannschaft des Kernkraftwerks Tschernobyl komplett ausgewechselt werden konnte. Auch die IAEA bestätigte dies.

20.03.2022

21:50 Uhr: Laut einer Meldung der ukrainischen Aufsichtsbehörde und der IAEA konnte gestern die Hälfte des Betriebspersonals des KKW Tschernobyl nach fast 4-wöchiger Arbeit durch neue ukrainische Mitarbeitende ausgetauscht werden. 

19.03.2022

18:30 Uhr: Die ukrainische Aufsichtsbehörde teilte heute auf Facebook mit, dass bereits gestern eine der vier Hochspannungsleitungen repariert werden konnte. Zusätzlich zur Standby-Leitung sind damit aktuell zwei von vier aktiven Hochspannungsleitungen intakt.

In einem weiteren Post berichtet die Aufsichtsbehörde, dass sie über das Tschernobyl-Management in Slawutytsch (ca. 70 km von Tschernobyl) Kontakt zur Betriebsmannschaft aufnehmen konnte. Demnach sind die radiologische Situation auf dem Anlagengelände und die Werte im New Safe Confinement stabil. Da das Überwachungssystem nach wie vor nicht verfügbar ist, werden die ODL-Werte manuell vor Ort gemessen.  

18.03.2022

10:00 Uhr: Wie die IAEA mitteilt, ist am KKW Saporischschja von vier aktiven Hochspannungsleitungen aktuell nur noch eine intakt. Es existiert allerdings noch eine weitere Standby-Leitung. 

17.03.2022

17:00 Uhr: Nach Angaben der ukrainischen Aufsichtsbehörde ist der Forschungsreaktor in Charkiw wieder vom Netz ("ongoing hostilities in the Pyatykhatky district of Kharkiv resulted in damage to the power supply lines, which forced to terminate power supply").

11:30 Uhr: Wie der ukrainische Netzbetreiber mitteilt, ist das ukrainische Stromnetz seit gestern Abend mit dem europäischen verbunden. Damit befindet sich die Ukraine nicht mehr im sogenannten Inselbetrieb. 

15.03.2022

18:50 Uhr: Laut IAEA ist das KKW Tschernobyl wieder an das ukrainische Stromnetz angeschlossen.

12:40 Uhr: Nach Angaben der IAEA  hat die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU darüber informiert, dass russische Kräfte auf dem Gelände des KKW Saporischschja Blindgänger („unexploded munitions“) gesammelt und durch Sprengungen beseitigt hätten. Die Munition sei im Bereich des Trainingszentrum und an anderen Orten aufgefunden worden und stamme von dem Angriff russischer Truppen am 04.03.

11:15 Uhr: Der Forschungsreaktor in Forschungsreaktor in Charkiw (Neutronenquelle) ist laut einer Meldung der ukrainischen Atomaufsichtsbehörde SNRIU wieder an die Stromversorgung angeschlossen.

14.03.2022

16:00 Uhr: Der Netzbetreiber Ukrenergo meldet auf seiner Webseite, dass die Stromleitung am Standort Tschernobyl erneut beschädigt wurde. Damit ist Tschernobyl wieder nicht mit dem ukrainischen Stromnetz verbunden.

13.03.2022

21:05 Uhr: Das ukrainische Energieministerium meldet kurz nach 18 Uhr, dass die Verbindung zum externen Stromnetz am KKW-Standort Tschernobyl wieder hergestellt worden ist.

13:15 Uhr: Die Chefs der Energieversorger Energoatom (Ukraine) und Rosatom (Russland) bestätigten gegenüber der IAEA (Meldung vom 12.03.), dass Personal des russischen Energieversogers Rosatom am Standort Saporischschja eingetroffen sei.

13:00 Uhr: Die für die Verwaltung der Sperrzone zuständige „State Agency on Exclusion Zone Management“ berichtet in einem Facebookpost (13.03., 9:40 MEZ) von mehreren neu entstandenen Bränden innerhalb der Sperrzone um das KKW Tschernobyl.

12.03.2022

09:25 Uhr: Die Aufsichtsbehörde SNRIU gibt am 11.03. einen Überblick zu den Arbeiten des staatlichen Unternehmens RADON, welches an fünf Standorten in der Ukraine Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle betreibt. Demnach beschränken sich die Arbeiten aufgrund der Militärhandlungen derzeit auf Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit von Endlagern, der Strahlenkontrolle und -überwachung und des physischen Schutzes. Die Strahlungssituation liege demnach im Normbereich, allerdings gebe es an der Zweigstelle in Charkiw Probleme mit der Rotation des Personals.  

09:05 Uhr: Laut Twittermeldung der IAEA ist die Safeguard-Überwachung am Standort Saporischschja wieder hergestellt, am Standort in Tschernobyl ist sie nach wie vor unterbrochen. Mehr zu den Aufgaben der Safeguard-Überwachung der IAEA findet sich hier.

11.03.2022

17:15 Uhr: Die Aufsichtsbehörde SNRIU informiert in zwei aktuellen Facebookmeldungen über die Situation am KKW Standort Tschernobyl und zu den Beschädigungen am Forschungsreaktor in Charkiw. Demnach wird am Standort Tschernobyl immer noch versucht, die externe Stromversorgung wiederherzustellen. Eine Lieferung Dieselkraftstoff zur Sicherstellung der derzeitigen Versorgung über die Notstromdiesel sei am Standort eingetroffen. Hinsichtlich der Situation in Charkiw meldet SNRIU, dass die Stromversorgung der Sicherheitssysteme / Komponenten wiederhergestellt sei. Es wurden keine Schäden am Zustand der Nuklear- und Strahlensicherheit festgestellt. Die Strahlungssituation am Standort sei innerhalb der Norm.

10:30 Uhr: Medienberichten zufolge wird laut Info des russischen Energieministeriums das KKW Tschernobyl nach Anbindung an das belarussische Netz wieder mit Strom versorgt. Weder die ukrainische Aufsichtsbehörde noch der Betreiber haben dies bislang bestätigt.

10:20 Uhr: Auf ihrer Webseite teilte die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU am 10.03. um 23:00 Uhr mit, dass bei Angriffen auf die Stadt Charkiw erneut der dortige Forschungsreaktor in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Bei der Anlage handelt es sich um eine unterkritische Neutronenquelle, die zu Forschungszwecken und zur Produktion von Radioisotopen für medizinische Zwecke genutzt wird. Sie wurde nach Angaben der Behörde bereits am 24.02. durch das Betriebspersonal in einen „tiefen unterkritischen Zustand“ versetzt.

Nach Informationen von SNRIU waren Teile der Anlage bereits am 06.03. bei Angriffen beschädigt worden. Die Schäden betrafen vor allem die Stromversorgung; hier war es zur Zerstörung der Umspannstation sowie zu äußeren Schäden am Gebäude gekommen. Zum aktuellen Zustand teilte die Behörde mit, dass die Anbindung an das Stromnetz ausgefallen sei. Ob dies ursächlich bereits durch die Schäden vom 06.03. oder durch etwaige neue verursacht wurde, lässt sich aus den letzten Informationen nicht entnehmen.

10.03.2022

14:15 Uhr: In einer Facebookmeldung informierte die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU um 13:00 Uhr zur Situation am KKW Standort Saporischschja. Demnach sind zwei der sechs Reaktorblöcke am Netz. Zwei an den Standort angeschlossene Hochspannungsleitungen sind beschädigt und abgeschaltet. Derzeit finde ein Schichtwechsel beim Betriebspersonal statt. Die routinemäßigen Wartungs-/Reparaturarbeiten an Block 1 wurden wieder aufgenommen. Am abgeschalteten Block 6 werden Schäden am Blocktransformator behoben. In beiden Fällen fehle es jedoch an Ersatzteilen und Fachpersonal.

09.03.2022

13:30 Uhr: Wie der Netzbetreiber Ukrenergo gegen 11:30 OZ bei Facebook mitteilte, ist die bisherige 750-kV-Leitung zur Versorgung des Standortes Tschernobyl, die seit einigen Tagen die einzige Verbindung zum ukrainischen Landesnetz dargestellt hat, infolge von Kriegshandlungen unterbrochen. Damit ist die Energieversorgung für den Standort aus dem Landesnetz der Ukraine heraus nicht mehr gegeben. Weitere Informationen