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Aktuelle Entwicklungen

An dieser Stelle finden Sie aktuelle Informationen, die die kerntechnische Sicherheit in der Ukraine betreffen in umgekehrter chronologischer Reihenfolge (der jeweils aktuellste Beitrag an oberster Stelle).

Die Entwicklungen bis einschließlich 09.03. finden Sie in diesem Webtext. Ab dem 10.03. informieren wir in Form dieses "News-Blog" über die aktuellen Ereignisse und Entwicklungen und außerdem auch immer auf unserem Twitter-Kanal.

Aktuelle Ereignisse & Entwicklungen

27.05.20222

10:45 Uhr: Die Behörde SNRIU informierte am 26.05. darüber, dass ein Besuch der IAEA  (wie in einer Meldung vom 17.05. vorgeschlagen) am Standort Saporischschja erst dann stattfinden soll, wenn das KKW nicht mehr unter russischer Kontrolle stehe. Die Sicherheitslage um das KKW sei auf Grund der nach wie vor andauernden Kampfhandlungen und der Anwesenheit von Militärs und Waffen auf dem Anlagengelände zu unsicher.  

Das Management zur Verwaltung der Sperrzone Tschernobyl veröffentlichte am 26.05. ein Video zu weiteren Hinterlassenschaften der russischen Besatzer in der Sperrzone.

Darüber hinaus war die Situation an den KKW-Standorten der Ukraine im Vergleich zur Vorwoche unverändert.
 

20.05.2022

10:30 Uhr: Seit dem 17.5. meldet u. a. die Verwaltung der Sperrzone des KKW Tschernobyl wieder vermehrt auftretende Wald- und Flächenbrände rund um das KKW. Begünstigt werde die Entstehung der Brände demnach durch die aktuellen Wetterverhältnisse (Trockenheit und Wind). Der größte Brand umfasst demnach bislang ein Gebiet von ca. 1.500 Hektar. Die Brandbekämpfung werde durch die Wetterverhältnisse und fehlende bzw. zerstörte Ausrüstung (u. a. während Zeit der Besatzung) und Kriegshinterlassenschaften wie Landminen etc. erschwert. Die IAEA ergänzt in diesem Zusammenhang in ihrem Update vom 19.5., dass die Gamma-Ortsdosisleistungen die Referenzwerte nicht überschritten und keine Gefährdung für die Bevölkerung bestünde. Die Aufsichtsbehörde SNRIU beobachtet die Situation vor Ort ebenfalls kontinuierlich.

Die IAEA informierte am 17.5., dass sie in den kommenden Wochen eine weitere Safeguard-Mission an den Standort Tschernobyl plant. Neben Fachleuten für Sicherung werden dann auch Experten*innen für die kerntechnische Sicherheit Teil der Mission sein. Darüber hinaus arbeite die IAEA an der Vereinbarung, Organisation und Leitung einer Mission zu dem von Russland kontrollierten KKW Saporischschja, um an diesem Standort Arbeiten zur nuklearen Sicherheit, Sicherung und Überwachung durchzuführen.

Nach Bekanntwerden der von russischen Regierungsvertretern erhobenen Ansprüche an den vom KKW Saporischschja erzeugten Strommengen veröffentlichte Ukrenergo am 19.5. auf Facebook ein Statement. Darin stellt der Netzbetreiber u. a. fest, dass sich das ukrainische Stromnetz derzeit unter der Kontrolle ukrainischer Spezialisten befände und das Stromsystem keine physischen Verbindungen mit dem Stromsystem Russlands habe. Daher sei die Lieferung von Strom aus ukrainischen Kraftwerken nach Russland derzeit physikalisch nicht möglich.

Darüber hinaus war die Situation an den KKW-Standorten der Ukraine im Vergleich zur Vorwoche unverändert. Nach Angaben der IAEA sind 8 von 15 Reaktorblöcken am Netz.

13.05.2022

10:00 Uhr: Die IAEA teilte diese Woche mit, dass die Fernübertragung von Überwachungsdaten aus dem Kernkraftwerk Tschernobyl mittlerweile vollständig wiederhergestellt werden konnte.

Das Kernkraftwerk Tschernobyl teilte zudem auf seiner Webseite mit, dass es die Kontrolle über die chemischen Parameter des wasserchemischen Systems des Brennelementlagerbeckens ISF-1 wieder vollständig hergestellt hat. Die Kontrolle war aufgrund der russischen Besatzung in Absprache mit der ukrainischen Aufsichtsbehörde teilweise ausgesetzt worden. 

Die KKW liefen auch diese Woche wieder im Normalbetrieb; laut Angaben der IAEA sind nach wie vor 7 von 15 Blöcken am Netz.

06.05.2022

12:30 Uhr: Die KKW in der Ukraine liefen in der letzten Woche im Normalbetrieb; laut Angaben der IAEA sind zurzeit 7 von 15 Blöcken am Netz. 

In der selben Meldung wird auch über das Treffen des IAEA-Generaldirektors Grossi mit dem Gerenaldirektor Likhachev der russischen Rosatom berichtet, in dem es um den sicheren Betrieb des von den Russen besetzten KKW Saporischschja geht. Letzterer teilte in einem offiziellen Statement mit, dass "ensuring safe operation of nuclear installations in the broadest sense possible was an absolute priority for the Russian side and for the Russian nuclear industry." Eine IAEA-Mission nach Saporischschja soll erörtert werden.

In dem Statement berichtet die IAEA außerdem, dass die Monitoring-Systeme in Tschernobyl zum größten Teil wiederhergestellt werden konnten; gleiches gilt für die Übertragung der Daten in das IAEA-Hauptquartier in Wien.

Die Aufsichtsbehörde SNRIU teilte zudem gestern auf ihrer Webseite mit, dass sie einige Lizenzen des KKW Tschernobyl für Stilllegungs- und Konditionierungstätigkeiten vorübergehend ausgesetzt hat. Um welche Genehmigungen es sich genau handelt, haben wir auf unserer Tschernobyl-Unterseite aufgelistet.

Seit dieser Woche sind außerdem wieder aktuelle Radioaktivitäts-Messdaten für den Standort Tschernobyl auf der Webseite von saveecobot verfügbar – zumindest für das nähere Umfeld der Anlage. 

29.04.2022

14:00 Uhr: Die IAEA hat am 28.04. einen zusammenfassenden Bericht zur Situation der kerntechnischen Anlagen in der Ukraine veröffentlicht. Neben Aktivitäten im Zusammenhang mit radioaktiven Quellen werden darin im Wesentlichen Aspekte der Sicherheit, der Sicherung und der Überwachung der Anlagen aufgeführt.

So konstatiert die IAEA in ihrem Bericht unter anderem in Bezug auf den Standort Tschernobyl, dass der Ausfall der externen Stromversorgung durch die Unterbrechung der letzten Netzanbindung am 09.03. zu keinen sicherheitsrelevanten Auswirkungen beim Brennelementlagerbecken ISF-1 geführt hätte. Außerdem bewertet sie die zu Beginn der Invasion ermittelten angestiegenen Strahlungswerte in der Sperrzone – verursacht durch militärische Fahrzeuge, die kontaminierten Staub aufwirbelten – als niedrig und innerhalb des Bereiches, der in der Sperrzone seit ihrer Einrichtung gemessen wurde. Sie geht daher davon aus, dass sie keine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellten.

Eine erste Messung der Ortsdosisleistung in der Sperrzone am 27.4. durch IAEA Personal ergab Werte zwischen 0,2 Mikrosievert/Stunde (μSv/h) und 0,75 μSv/h, was 3- bis 5-mal über dem Wert liegt, der auf der nahe gelegenen Straße gemessen wurde. Die Messung umfasste auch Bereiche, in denen russische Soldaten Gräben ausgehoben haben sollen. Hingegen war es der IAEA bislang nicht möglich, Berichte zu verifizieren, nach denen russische Soldaten während ihres Aufenthaltes in der Sperrzone hohe Strahlendosen erhalten hätten.

Außerdem informierte die IAEA ebenfalls am 28.04., dass nach Angaben der ukrainischen Aufsichtsbehörde SNRIU Daten einer Videoüberwachung des KKW Südukraine vorliegen, die den Überflug einer Rakete am 16.04. direkt über dem KKW zeigen. 

Das KKW Saporischschja war laut einer Meldung des Betreibers Energoatom auf Telegram vom 28.4. aufgrund der Beschädigung einer 330kV-Leitung kurzzeitig in den sogenannten Inselbetrieb übergegangen und versorgte sich auf Eigenbedarfsniveau. Nach der Reparatur der Leitung speist das KKW laut Meldung vom 29.04. wieder auf vorherigem Niveau Strom ins Landesnetz ein.  

27.04.2022

15:15 Uhr: Dem ukrainischen Netzbetreiber Ukrenergo wurde nach eigenen Angaben gestern der Status eines „observer member“ im Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E zugesprochen.

15:00 Uhr: Die IAEA berichtet über ihre Hilfslieferung an den Standort Tschernobyl und die mitgelieferte Ausrüstung, u. a. bestehend aus Schutzanzügen, Spektrometer und persönlichen Dosimetern.

26.04.2022

17:15 Uhr: Die IAEA-Delegation ist heute am Standort Tschernobyl eingetroffen (s. Ankündigung vom 22.04.). Der Energieversorger Energoatom teilte auf seinem Telegram-Kanal mit, dass heute russische Marschflugkörper über das KKW Saporischschja geflogen seien - gestern habe sich dasselbe bereits über dem KKW Chmelnyzkyj, am 16.04. über dem KKW Südukraine zugetragen.

22.04.2022

17:00 Uhr: Die IAEA kündigt ihre Expertenmission an den Standort Tschernobyl für den 26.4. an. Der Mission werden Fachleute für Sicherheit, Sicherung und sogenannte Safeguards angehören. Das Team soll unter anderem Ausrüstung liefern und die Situation vor Ort radiologisch bewerten.

11:45 Uhr: In ihrem Update vom 21.04. informierte die IAEA, dass die Schichtwechsel am KKW Tschernobyl nach ukrainischen Angaben nun regelmäßig und nach Plan verlaufen. Außerdem informierte die Staatliche Agentur der Ukraine zur Verwaltung der Sperrzone über die Arbeiten nach Abzug der russischen Truppen, u. a. seien an den Kontrollpunkten Dytyatky und Leliv dosimetrische Kontrollpunkte wiederhergestellt worden. Am 20.4. habe zudem ein Gespräch mit Vertretern von EBRD und IAEA stattgefunden, um vorrangige Projekte zur Wiederherstellung der Aktivitäten von Unternehmen der Sperrzone vorzustellen.

20.04.2022

10:00 Uhr: Die IAEA meldete gestern (19.04.) Abend, dass die direkte Kommunikation (Telefonverbindung) zwischen der nationalen Regulierungsbehörde SNRIU und dem Kernkraftwerk Tschernobyl wiederhergestellt wurde, mehr als einen Monat nachdem dieser Kontakt unterbrochen wurde. 

11.04.2022

16:30 Uhr: Die State Agency of Ukraine on Exclusion Zone Management informierte am 9.4. in einem Facebook-Post über die Lage in zwei Laboratorien in der Stadt Tschernobyl. In dem Post heißt es u. a., dass russische Truppen in einem der beiden Laboratorien 133 Strahlungsquellen mit einer Gesamtaktivität von ca. 7 Mio. Becquerel „stahlen und beschädigten“.

Nach Angaben der State Agency habe es sich um sogenannte Kalibrierquellen gehandelt; dafür spricht auch die angegebene Gesamtaktivität. Derartige Quellen werden zur Überprüfung bzw. Kalibrierung von Strahlungsmessgeräten. Die Aktivität solcher Quellen liegt in der Regel erheblich unter der von Strahlungsquellen, die etwa für medizinische Bestrahlungen oder zur zerstörungsfreien Materialprüfung eingesetzt werden. Dementsprechend ist die von ihnen ausgehende Gefahr vergleichsweise gering. Bei unsachgemäßer Handhabung bzw. Lagerung oder gar Zerstörung solcher Quellen kann allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass die betreffenden Personen eine Strahlendosis erhalten, die gesundheitsgefährdend sein kann.

Die State Agency gibt außerdem an, dass der Verbleib weiterer Strahlungsquellen sowie von kernbrennstoffhaltigen Proben aus einem weiteren Labor nicht bekannt sei und weist darauf hin, dass – falls derartige Substanzen bspw. als „Souvenirs“ entwendet und am Körper getragen würden – nach zwei Wochen schwere und dauerhafte Gesundheitsschäden die Folge seien.

Am 10.4. gab das KKW Tschernobyl auf Facebook bekannt, dass am Vortag im Rahmen des zweiten Schichtwechsels nach dem Abzug der russischen Truppen rund 50 Mitarbeiter nach Slawutytsch zurückkehren konnten. Für den Transport der Mitarbeiter sei für die Querung des Flusses Pripyat ein Boot des ukrainischen Betreibers Energoatom genutzt worden, da Straßenbrücken zerstört und die Bahnverbindung zwischen Kraftwerk und Slawutytsch durch Belarus nicht verfügbar seien.

09.04.2022

15:30 Uhr: Der Generaldirektor der IAEA erklärte gestern, dass zurzeit umfassende Hilfepakete ("comprehensive assistance packages") vorbereitet werden, die im Rahmen von Hilfsmissionen ("several nuclear safety, security and safeguards missions") in den nächsten Wochen in die Ukraine gebracht werden sollen.

08.04.2022

14:00 Uhr: Die IAEA informiert darüber, dass sie baldmöglichst Hilfspersonal nach Tschernobyl schicken wird. Die Drohnenaufnahmen, die Gräben in der Sperrzone zeigen sollen, sind der Organisation bekannt – dass russische Soldaten radiologisch relevante Strahlendosen erhalten hätten, kann allerdings nicht bestätigt werden. 

05.04.2022

14:00 Uhr: Am Kernkraftwerk Tschernobyl wird laut Internationaler Atomenergieorganisation (IAEA) ein weiterer Schichtwechsel vorbereitet. Das Betriebspersonal wohnt in der ukrainischen Stadt Slawutytsch, die 50 Kilometer entfernt östlich vom Unfallreaktor liegt. Die Planung gestaltet sich herausfordernd, da die Anreise des Personals durch belarussisches Hoheitsgebiet verläuft. Der alternative Weg über Kiew ist aktuell nur schwierig passierbar und bedeutet einen Umweg von mehr als 200 Kilometern.

Vom Kernkraftwerk Tschernobyl (A) bis zur Kleinstadt Slawutytsch (B) verläuft die kürzeste Anreise per Zug (gelbe Linie) oder Auto durch Belarus (blaue Linie), der Umweg über Kiew (rote Linie)
© Open Street Map
Landkarte Ukraine

02.04.2022

12:00 Uhr: Gestern Abend meldete die IAEA in ihrem Update unter anderem, dass sie Berichte, nach denen russische Streitkräfte während ihres Aufenthalts in der Sperrzone von Tschernobyl hohe Strahlendosen erhalten haben sollen, derzeit nicht bestätigen kann.

01.04.2022

16:45 Uhr: Laut Angaben der ukrainischen Aufsichtsbehörde haben die russischen Truppen Tschernobyl verlassen. IAEA-Generaldirektor Grossi kündigte auf Twitter zudem an, dass er zeitnah eine Hilfsmission nach Tschernobyl leiten wolle. 

10:00 Uhr: Auf verschiedenen Social-Media-Kanälen wird von offizieller ukrainischer Seite ein Dokument geteilt, in dem die Übergabe Tschernobyls von den Russen an die Ukrainer am 31.03.2022 von beiden Seiten bestätigt wird – beispielsweise in diesem Facebookpost. Die IAEA teilt mit, dass sie von ukrainischer Seite über das Dokument und den Abzug von russischen Truppen informiert worden sei. Es halte sich aber immer noch russisches Militär auf dem Anlagengelände auf. Der IAEA-Generaldirektor Grossi ist nach seinen gestrigen Gesprächen mit ukrainischen Vertretern heute nach Kaliningrad gereist, um dort mit der russischen Seite über konkrete Schritte zu verhandeln, die die nukleare Sicherheit in der Ukraine gewährleisten sollen.

31.03.2022

12:00 Uhr: Der Generaldirektor der IAEA Rafael Mariano Grossi ist zurzeit auf diplomatischer Mission in der Ukraine, gestern besuchte er das Kernkraftwerk Süd-Ukraine

10:00 Uhr: Gestern exportierte die Ukraine das erste Mal seit der Synchronisation Strom mit dem europäischen Verbundnetz in die EU, genauer nach Polen. Das teilte der Netzbetreiber Ukrenergo gestern in einem Facebookpost mit. 

29.03.2022

12:00 Uhr: Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA, Rafael Mariano Grossi, reist in die Ukraine, um mit Regierungsvertretern über die Unterstützung für die Sicherheit und Sicherung nuklearer Anlagen zu sprechen. Grossi möchte sich dafür einsetzen, dass die sieben Säulen für die Gewährleistung von Sicherheit und Sicherung beachtet werden. In den letzten Wochen waren mehrere dieser Säulen gefährdet - darunter die physische Unversehrtheit der Anlagen, der Zugang zur externen Stromversorgung sowie die Sicherstellung, dass das Betriebspersonal ohne unangemessenen Druck arbeiten kann.

28.03.2022

16:00 Uhr: Die nukleare Versuchsanlage in Charkiw ist nach Angaben der ukrainischen Aufsichtsbehörde SNRIU am 28.03. zum vierten Mal unter Beschuss geraten und dabei beschädigt worden. Radioaktive Stoffe blieben laut der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA unversehrt. Bei der Forschungseinrichtung in Charkiw handelt es sich um eine unterkritische Neutronenquelle, die von einem Elektronenbeschleuniger angetrieben wird. Unterkritisch bedeutet, dass die Spaltstoffe so angeordnet sind, dass es keine sich selbst erhaltende Kettenreaktion geben kann. 
 

27.03.2022

19:30 Uhr: Die Behörde SNRIU hat um 17:40 (OZ) in einer Meldung auf ihrer Webseite darüber informiert, dass es nach bisherigen Erkenntnissen ist am Forschungsreaktor in Charkiw (einer unterkritischen Neutronenquelle) wohl nur zu leichteren Gebäudeschäden gekommen ist. Die externe Stromversorgung sei noch nicht wiederhergestellt, die radiologische Situation im Normbereich. 

12:15 Uhr: Bereits am gestrigen Abend informierte die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU auf ihrer Facebookseite, dass es wegen anhaltender Kampfhandlungen in Charkiw nicht möglich sei, eventuelle Schäden am dortigen Forschungsreaktor (seit dem 24.2. in "tiefen, unterkritischen Zustand" versetzt) zu identifizieren. Zuvor hatte u. a. die IAEO unter Berufung auf SNRIU berichtet, dass in der Nähe der Anlage nach neuerlichem Beschuss auf Charkiw eine nicht explodierte Rakete gefunden worden sei. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden von SNRIU oder der IAEO keine weiteren Informationen über mögliche Schäden am Forschungsreaktor veröffentlicht. 

26.03.2022

20:15 Uhr: In ihrem Update berichtet die IAEA, dass die Stadt Slavutych nach ukrainischen Angaben nun von russischen Truppen eingenommen sei. Zudem meldet die Aufsichtsbehörde SNRIU, dass der Forschungsreaktor in Charkiw erneut unter Beschuss geraten sei. Schäden seien noch nicht abzuschätzen. 

10:00 Uhr: Am Abend des 25.3. informierte die IAEA in einem Update darüber, dass die Betriebsmannschaft am Standort in Tschernobyl seit dem 21.3. nicht ausgetauscht wurde. Nach Angaben der ukrainischen Behörde hatte der Beschuss von Checkpoints nahe der Stadt Slavutych das Personal davon abgehalten, sowohl zum Kernkraftwerksstandort zu gelangen als auch davon wegzufahren. 

25.03.2022

12:00 Uhr: Auf seiner Facebookseite informierte das Kernkraftwerk Tschernobyl gestern (24.3.), dass die Checkpoints der Stadt Slavutych unter Beschuss russischer Truppen stehen. Die Stadt, in der zahlreiche Mitarbeitende des KKW-Standortes leben, liegt etwa 50 Kilometer vom Kraftwerk entfernt. Die IAEA zeigte sich insbesondere im Hinblick auf die damit einhergehende Belastung des Personals besorgt.

24.03.2022

10:30 Uhr: Die IAEA informierte in einer Meldung am Abend des 23.3. über die Situation bzgl. der Waldbrände im Umkreis des KKW Tschernobyl. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde seien demnach „Brandereignisse“ registriert worden. Feuerwehrleute versuchen, Waldbrände in der Nähe des KKW Tschernobyl zu löschen. Die örtliche Feuerwache habe derzeit keinen Zugang zum Stromnetz. Die Station sei auf Dieselgeneratoren angewiesen.

In der Sperrzone würden zudem derzeit keine Strahlungsmessungen durchgeführt.

In Kiew und an zwei KKW-Standorten westlich von Tschernobyl sei ein leichter Anstieg der Cäsiumkonzentration in der Luft festgestellt worden. Dies werfe jedoch keine erheblichen radiologischen Bedenken auf.

21.03.2021

20:40 Uhr: Die ukrainische Aufsichtsbehörde meldet, dass die Betriebsmannschaft des Kernkraftwerks Tschernobyl komplett ausgewechselt werden konnte. Auch die IAEA bestätigte dies.

20.03.2022

21:50 Uhr: Laut einer Meldung der ukrainischen Aufsichtsbehörde und der IAEA konnte gestern die Hälfte des Betriebspersonals des KKW Tschernobyl nach fast 4-wöchiger Arbeit durch neue ukrainische Mitarbeitende ausgetauscht werden. 

19.03.2022

18:30 Uhr: Die ukrainische Aufsichtsbehörde teilte heute auf Facebook mit, dass bereits gestern eine der vier Hochspannungsleitungen repariert werden konnte. Zusätzlich zur Standby-Leitung sind damit aktuell zwei von vier aktiven Hochspannungsleitungen intakt.

In einem weiteren Post berichtet die Aufsichtsbehörde, dass sie über das Tschernobyl-Management in Slawutytsch (ca. 70 km von Tschernobyl) Kontakt zur Betriebsmannschaft aufnehmen konnte. Demnach sind die radiologische Situation auf dem Anlagengelände und die Werte im New Safe Confinement stabil. Da das Überwachungssystem nach wie vor nicht verfügbar ist, werden die ODL-Werte manuell vor Ort gemessen.  

18.03.2022

10:00 Uhr: Wie die IAEA mitteilt, ist am KKW Saporischschja von vier aktiven Hochspannungsleitungen aktuell nur noch eine intakt. Es existiert allerdings noch eine weitere Standby-Leitung. 

17.03.2022

17:00 Uhr: Nach Angaben der ukrainischen Aufsichtsbehörde ist der Forschungsreaktor in Charkiw wieder vom Netz ("ongoing hostilities in the Pyatykhatky district of Kharkiv resulted in damage to the power supply lines, which forced to terminate power supply").

11:30 Uhr: Wie der ukrainische Netzbetreiber mitteilt, ist das ukrainische Stromnetz seit gestern Abend mit dem europäischen verbunden. Damit befindet sich die Ukraine nicht mehr im sogenannten Inselbetrieb. 

15.03.2022

18:50 Uhr: Laut IAEA ist das KKW Tschernobyl wieder an das ukrainische Stromnetz angeschlossen.

12:40 Uhr: Nach Angaben der IAEA  hat die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU darüber informiert, dass russische Kräfte auf dem Gelände des KKW Saporischschja Blindgänger („unexploded munitions“) gesammelt und durch Sprengungen beseitigt hätten. Die Munition sei im Bereich des Trainingszentrum und an anderen Orten aufgefunden worden und stamme von dem Angriff russischer Truppen am 04.03.

11:15 Uhr: Der Forschungsreaktor in Forschungsreaktor in Charkiw (Neutronenquelle) ist laut einer Meldung der ukrainischen Atomaufsichtsbehörde SNRIU wieder an die Stromversorgung angeschlossen.

14.03.2022

16:00 Uhr: Der Netzbetreiber Ukrenergo meldet auf seiner Webseite, dass die Stromleitung am Standort Tschernobyl erneut beschädigt wurde. Damit ist Tschernobyl wieder nicht mit dem ukrainischen Stromnetz verbunden.

13.03.2022

21:05 Uhr: Das ukrainische Energieministerium meldet kurz nach 18 Uhr, dass die Verbindung zum externen Stromnetz am KKW-Standort Tschernobyl wieder hergestellt worden ist.

13:15 Uhr: Die Chefs der Energieversorger Energoatom (Ukraine) und Rosatom (Russland) bestätigten gegenüber der IAEA (Meldung vom 12.03.), dass Personal des russischen Energieversogers Rosatom am Standort Saporischschja eingetroffen sei.

13:00 Uhr: Die für die Verwaltung der Sperrzone zuständige „State Agency on Exclusion Zone Management“ berichtet in einem Facebookpost (13.03., 9:40 MEZ) von mehreren neu entstandenen Bränden innerhalb der Sperrzone um das KKW Tschernobyl.

12.03.2022

09:25 Uhr: Die Aufsichtsbehörde SNRIU gibt am 11.03. einen Überblick zu den Arbeiten des staatlichen Unternehmens RADON, welches an fünf Standorten in der Ukraine Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle betreibt. Demnach beschränken sich die Arbeiten aufgrund der Militärhandlungen derzeit auf Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit von Endlagern, der Strahlenkontrolle und -überwachung und des physischen Schutzes. Die Strahlungssituation liege demnach im Normbereich, allerdings gebe es an der Zweigstelle in Charkiw Probleme mit der Rotation des Personals.  

09:05 Uhr: Laut Twittermeldung der IAEA ist die Safeguard-Überwachung am Standort Saporischschja wieder hergestellt, am Standort in Tschernobyl ist sie nach wie vor unterbrochen. Mehr zu den Aufgaben der Safeguard-Überwachung der IAEA findet sich hier.

11.03.2022

17:15 Uhr: Die Aufsichtsbehörde SNRIU informiert in zwei aktuellen Facebookmeldungen über die Situation am KKW Standort Tschernobyl und zu den Beschädigungen am Forschungsreaktor in Charkiw. Demnach wird am Standort Tschernobyl immer noch versucht, die externe Stromversorgung wiederherzustellen. Eine Lieferung Dieselkraftstoff zur Sicherstellung der derzeitigen Versorgung über die Notstromdiesel sei am Standort eingetroffen. Hinsichtlich der Situation in Charkiw meldet SNRIU, dass die Stromversorgung der Sicherheitssysteme / Komponenten wiederhergestellt sei. Es wurden keine Schäden am Zustand der Nuklear- und Strahlensicherheit festgestellt. Die Strahlungssituation am Standort sei innerhalb der Norm.

10:30 Uhr: Medienberichten zufolge wird laut Info des russischen Energieministeriums das KKW Tschernobyl nach Anbindung an das belarussische Netz wieder mit Strom versorgt. Weder die ukrainische Aufsichtsbehörde noch der Betreiber haben dies bislang bestätigt.

10:20 Uhr: Auf ihrer Webseite teilte die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU am 10.03. um 23:00 Uhr mit, dass bei Angriffen auf die Stadt Charkiw erneut der dortige Forschungsreaktor in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Bei der Anlage handelt es sich um eine unterkritische Neutronenquelle, die zu Forschungszwecken und zur Produktion von Radioisotopen für medizinische Zwecke genutzt wird. Sie wurde nach Angaben der Behörde bereits am 24.02. durch das Betriebspersonal in einen „tiefen unterkritischen Zustand“ versetzt.

Nach Informationen von SNRIU waren Teile der Anlage bereits am 06.03. bei Angriffen beschädigt worden. Die Schäden betrafen vor allem die Stromversorgung; hier war es zur Zerstörung der Umspannstation sowie zu äußeren Schäden am Gebäude gekommen. Zum aktuellen Zustand teilte die Behörde mit, dass die Anbindung an das Stromnetz ausgefallen sei. Ob dies ursächlich bereits durch die Schäden vom 06.03. oder durch etwaige neue verursacht wurde, lässt sich aus den letzten Informationen nicht entnehmen.

10.03.2022

14:15 Uhr: In einer Facebookmeldung informierte die ukrainische Aufsichtsbehörde SNRIU um 13:00 Uhr zur Situation am KKW Standort Saporischschja. Demnach sind zwei der sechs Reaktorblöcke am Netz. Zwei an den Standort angeschlossene Hochspannungsleitungen sind beschädigt und abgeschaltet. Derzeit finde ein Schichtwechsel beim Betriebspersonal statt. Die routinemäßigen Wartungs-/Reparaturarbeiten an Block 1 wurden wieder aufgenommen. Am abgeschalteten Block 6 werden Schäden am Blocktransformator behoben. In beiden Fällen fehle es jedoch an Ersatzteilen und Fachpersonal.

09.03.2022

13:30 Uhr: Wie der Netzbetreiber Ukrenergo gegen 11:30 OZ bei Facebook mitteilte, ist die bisherige 750-kV-Leitung zur Versorgung des Standortes Tschernobyl, die seit einigen Tagen die einzige Verbindung zum ukrainischen Landesnetz dargestellt hat, infolge von Kriegshandlungen unterbrochen. Damit ist die Energieversorgung für den Standort aus dem Landesnetz der Ukraine heraus nicht mehr gegeben. Weitere Informationen