Auf Achse: GRS wertet Vorkommnisse bei der Beförderung radioaktiver Stoffe aus

25.06.2018

©  IAEA/ Dean Calma

Jedes Jahr passieren laut Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) mehr als 500.000 Versandstücke mit radioaktiven Stoffen Deutschlands Verkehrswege. Die meisten von ihnen haben nur eine geringe Aktivität und stammen aus dem wissenschaftlichen, industriellen oder medizinischen Bereich. Die Beförderung von Kernbrennstoffen macht dabei mit weniger als ein Promille einen relativ geringen Anteil aus.
 
Da radioaktive Stoffe zu den Gefahrgütern zählen („Gefahrgut der Klasse 7“), gelten für ihre Beförderung besondere Vorschriften. Eine der wichtigsten Vorschriften ist dabei das „Konzept des sicheren Versandstücks“. Dies bedeutet, dass die Sicherheit durch die Eigenschaft des Versandstücks (Verpackung und Inhalt) gewährleistet werden muss – weitestgehend unabhängig vom jeweiligen Verkehrsträger. Fast jede Beförderung – egal ob Medikament oder Brennelement  – muss vorab bei der jeweils zuständigen Behörde angezeigt bzw. von dieser genehmigt werden.

GRS wertet Vorkommnisse bei der Beförderung radioaktiver Stoffe aus

Transportvorkommnisse im Zeitraum 1995 – 2016 aufgeschlüsselt nach Ereignistyp (Quelle: GRS)

Die GRS hat in einer aktuellen Studie Verstöße gegen die Vorschriften bei der Beförderung radioaktiver Stoffe in den Jahren 1995 bis 2016 ausgewertet. Datengrundlage bildeten dabei unter anderen die Angaben zu meldepflichtigen Ereignissen der zuständigen Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden sowie der jährliche Parlamentsbericht des Bundesumweltministeriums. Im oben genannten Zeitraum wurden insgesamt 911 Vorkommnisse identifiziert. Die Auswertung zeigte, dass es sich überwiegend um Verstöße gegen technisch-administrative Bestimmungen handelte, wie zum Beispiel fehlende oder fehlerhafte Transportdokumente oder falsche Kennzeichnung von Versandstücken. Auch Beschädigungen von Versandstücken durch unsachgemäße Betriebsabläufe oder Handhabung (z.B. Verstauung, Beladung) zählen mit zu den häufigsten Ursachen. Verkehrsunfälle mit Personen- oder Sachschäden machen dagegen mit 2,3 Prozent (21 Unfälle) nur einen relativ kleinen Anteil aus.

Schiffverkehr: Fehler bei Deklaration von Konsumgütern

In einer separaten Auswertung wurden auch Abweichungen beim Seeverkehr untersucht. Hier betraf ein wiederkehrender Mangel die Fehldeklaration von schwachradioaktiven Gebrauchsgütern in deren Ursprungsländern. In dem Bereich der Klasse-7-Güter wurden beispielsweise in den Jahren 2014 bis 2016 insgesamt 149 derartiger Fälle registriert. Bei diesen Gütern handelte es sich zumeist um schwachradioaktive Halogen-Metalldampflampen und Ionisationsrauchmelder, die in China und Indien produziert worden waren.

Die Fachleute der GRS kommen zu dem Schluss, dass die geringe Unfallquote für ein hohes Sicherheitsniveau bei der Beförderung radioaktiver Stoffe spricht. Verbesserungspotenzial zeigt sich hinsichtlich administrativer Fehler oder mangelnder Sorgfalt. Eine Lösung hierfür könnten Schulungen oder Weiterbildungen des Transportpersonals sein, über die das Problembewusstsein gefördert und die Sicherheitskultur verbessert werden kann.

Arbeiten der GRS zur Beförderung radioaktiver Stoffe

Die GRS begutachtet und forscht auf den Gebieten der Sicherheit und der Sicherung bei der Beförderung radioaktiver Stoffe. Die Strahlenschutzexperten der GRS untersuchen beispielsweise Szenarien (z.B. unfallfreier Transport, Unfallszenarien) für verschiedene Verkehrsträger (z.B. Schiene, Straße, Luft, Wasser) und damit zusammenhängende mögliche Kontaminationen oder Strahlenexpositionen für Bevölkerung und Umwelt.
 
Die GRS unterstützt auf technisch-wissenschaftlicher Ebene das Bundesumweltministerium bei der Evaluation des Regelwerks für die Sicherung und Sicherheit von Transporten von Kernbrennstoffen und sonstigen radioaktiven Stoffe. In einer kürzlich abgeschlossenen Studie zur Überprüfung des unfallbedingten Freisetzungsverhaltens bei der Beförderung radioaktiver Stoffe hat die GRS beispielsweise untersucht, in wieweit die in Deutschland bei Analysen der Transportsicherheit verwendeten Annahmen zur Freisetzung von Radionukliden aus Abfallgebinden während eines Unfalls dem internationalen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen. In diesem Zuge haben die Fachleute vor allem die Datengrundlagen, Annahmen und Eingangsparameter für Simulationsrechnungen und Modelle unter die Lupe genommen, bewertet und überarbeitet.

Weitere Informationen

GRS-Bericht 482: Überprüfung des unfallbedingten Freisetzungsverhaltens bei der Beförderung radioaktiver Stoffe 
GRS-Bericht 481: Datenerhebung und Auswertung von Vorkommnissen bei der Beförderung radioaktiver Stoffe 
GRS-Bericht 479: Aufbereitung von Statistiken zu Verkehrsaufkommen und Unfallgeschehen 
GRS-Bericht 477: Weiterentwicklung der Ansätze zur Berechnung der grundlegenden Aktivitätsgrenzwerte der Transportvorschriften