Zwischen Mensch und IT: Faktoren für den sicheren Betrieb von Kernkraftwerken

07.12.2017

Neuer GRS-Bericht veröffentlicht

Bei der Steuerung von Kernkraftwerken (KKW) kommen computer- und bildschirmbasierte Benutzungsoberflächen zum Einsatz, um die Aufgaben des Personals zu unterstützen. Man spricht dabei auch von digitalen Mensch-Maschine-Schnittstellen. Zu solchen Schnittstellen zählen neben den Informations- und Bedieneinrichtungen an sich, wie beispielsweise der Bildschirm, auch die Informationen, die diese Einrichtungen dem Menschen z. B. in Form von Alarmen, Meldungen, Messwerten, Schalterstellungen übermitteln. Darüber hinaus kommt in KKW zunehmend auch Automatisierungstechnik zum Einsatz, mit deren Hilfe sich Anlagen und Prozesse auch ganz ohne menschliche Mitwirkung steuern lassen. Die hierbei eingesetzte Technologie basiert sowohl auf rechnergestützten Einrichtungen als auch auf sogenannten programmierbaren logischen Schaltungen (PLD – Programmable Logic Device).

Für den sicheren Betrieb einer Anlage ist demnach wichtig, dass die erforderliche Zuverlässigkeit PLD-basierter Einrichtungen nachgewiesen wird und, dass das Gesamtsystem bestehend aus Mensch, Technik und Organisation funktioniert.

Die daraus resultierenden Herausforderungen für den sicheren Betrieb von KKW sind Gegenstand eines vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojektes, zu dem die GRS ihren Bericht „Neue Methoden zur Bewertung der Zuverlässigkeit fortschrittlicher Mensch-Maschine-Schnittstellen digitaler leittechnischer Einrichtungen und personell organisatorischer Einflüsse“ veröffentlicht hat. Im Rahmen des Forschungsvorhabens haben die Wissenschaftler der GRS Methoden entwickelt, mit deren Hilfe die Aussagekraft und Belastbarkeit von Analysen zu folgenden Fragestellungen verbessert werden soll:  

  • Wie zuverlässig beobachtet das Personal eines Kernkraftwerks sicherheitsrelevante Prozesse und führt diese aus? (bezogen auf das Erkennen, Verstehen, Entscheiden, Urteilen, Planen und die kognitive Beanspruchung)
  • Wie kann die Sicherheit und Zuverlässigkeit digitaler sicherheitsrelevanter Leittechnik nachgewiesen und überprüft werden?

Darüber hinaus greift der GRS-Bericht auch die Aspekte Sicherheitskultur und organisatorische Faktoren auf. Beide können Einfluss auf den sicheren Betrieb einer Anlage haben. Hierzu hat die GRS im Rahmen des Vorhabens Vorstudien erstellt, die sich ebenfalls mit der Entwicklung von Methoden zur Verbesserung der Aussagesicherheit von Untersuchungen befassen. Der Bericht enthält die Konzepte hierzu.   

Der GRS-Forschungsbericht ist ab sofort hier abrufbar.

Weiterführende Links

News-Beitrag auf GRS-Webseite: Faktor Mensch - Wie menschliche Fehlhandlungen in probabilistischen Sicherheitsanalysen berücksichtigt werden