(GRS-849) Kristallingestein als Wirtsgestein für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle – Protokoll zum Workshop am 24./25.06.2025 in Hannover
Die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle im Kristallingestein stellt besondere Anforderungen, da dieses Wirtsgestein zugleich günstige Eigenschaften wie hohe Festigkeit, Stabilität und geringe Wärmeempfindlichkeit aufweist, aber auch stark von diskontinuierlichen Strukturen geprägt sein kann. Klüfte und Störungen können – abhängig von ihrer Ausprägung und Vernetzung – potenzielle Wasserwegsamkeiten bilden und damit die langfristige Sicherheit eines Endlagers beeinflussen. Für einen belastbaren Sicherheitsnachweis ist es deshalb entscheidend, die Durchlässigkeit und Fluidbewegung im einschlusswirksamen Gebirgsbereich (ewG) zuverlässig zu charakterisieren und prognostizieren zu können. Da entsprechende Standortdaten in Deutschland bislang weitgehend fehlen, bestehen erhebliche Herausforderungen sowohl in der Erkundung des Kristallins als auch in der Modellierung geologischer und hydrogeochemischer Prozesse über sehr lange Zeiträume.
Internationale Erfahrungen, etwa aus Finnland und Schweden, bieten wertvolle Erkenntnisse, sind jedoch aufgrund standortspezifischer Unterschiede nur eingeschränkt übertragbar. Zudem sind viele etablierte Erkundungsmethoden aus Ton- und Salzformationen nicht ohne Weiteres auf Kristallingestein anwendbar. Vor diesem Hintergrund hat die GRS im Auftrag der BGE im Juni 2025 einen nationalen Workshop durchgeführt, in dem zentrale Fragen zur Endlagerung im Kristallin diskutiert wurden: ob im Kristallin grundsätzlich ein ewG ausweisbar ist, wo die Grenzen der Erkundbarkeit liegen und unter welchen Bedingungen eine verlässliche Modellierung der Standortentwicklung möglich ist. Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an weiterentwickelten methodischen Ansätzen sowie an belastbaren Datengrundlagen, um die sicherheitsrelevanten Eigenschaften kristalliner Wirtsgesteine umfassend und langfristig bewerten zu können.