Virtuelles Untertagelabor VIRTUS

3D-Grubengebäude eines Endlagers (Bild: © IFF/ GRS))

Die GRS hat zusammen mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), der DBE TECHNOLOGY GmbH und dem Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) einen Prototyp des ersten virtuellen Untertagelabors der Welt entwickelt.

Derzeit wird der Prototyp in erster Linie von den Projektpartnern zur Bewertung von geomechanischen und geochemischen Prozessen in Endlagern genutzt. Es ist jedoch vorgesehen, VIRTUS mittelfristig für Forscher weltweit zugänglich zu machen. Durch die Möglichkeit, die Prozesse mit 3D-Animationen sichtbar zu machen, soll die Software-Plattform dann zudem auch zu einer verständlicheren und transparenteren Information der Öffentlichkeit beitragen.

VIRTUS als Instrument der Forschung
Die Forscher sollen mit VIRTUS die Möglichkeit haben, virtuelle Experimente in einer detailgetreuen Nachbildung von Endlagerbergwerken in realen geologischen Formationen durchzuführen. Die Prozesse und ihre komplexen Wechselwirkungen lassen sich dabei nicht nur detailliert untersuchen, sondern darüber hinaus auch visuell darstellen.

Virtuelles Modell eines Untertagelabors in einer 360-Grad-Darstellung im Fraunhofer IFF. Wenn alle Betroffenen die Details vor Augen haben, lassen sich Entscheidungsprozesse einfacher gestalten. (Quelle: Dirk Mahler/ Fraunhofer IFF)Langfristig sollen Forscher auf der ganzen Welt auf die VIRTUS-Plattform zugreifen, virtuell "experimentieren" und Ergebnisse austauschen können. Für die Forschung ist das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderte Projekt auch deshalb interessant, weil damit in Zukunft ergänzend zu den bisher exklusiv für Endlager in Salzformationen durchgeführten Arbeiten auch endlagerrelevante Prozesse in Ton- und Granitgestein veranschaulicht werden können.

VIRTUS zur Unterstützung der Standortauswahl
VIRTUS könnte auch bei der Auswahl eines Endlagerstandorts eine wichtige Rolle spielen. Will man die Eignung eines möglichen Standorts untersuchen, so muss dazu ein Endlager konzipiert werden. Erst auf dieser Grundlage ist es möglich zu beurteilen und ggf. nachzuweisen, dass am betreffenden Standort radioaktive Abfälle über den geforderten Zeitraum von einer Million Jahre von der Biosphäre abgeschlossen gelagert werden können. VIRTUS soll die notwendige Entwicklung dieses Konzeptes und damit verbundene Sicherheitsanalysen effizienter und nachvollziehbarer gestalten.

Ausschnitt aus der Simulation eines Endlagerbergwerks. Im Vordergrund wurden drei virtuelle Abfallbehälter (rot) in eine Strecke eingebracht, um die Ausbreitung der von ihnen ausgehenden Wärme zu simulieren (Quelle: GRS)Öffentlichkeit durch verständliche Darstellung einbinden
Vor allem die bildliche Darstellung von Experimenten und deren Ergebnissen kann VIRTUS zu einem wichtigen Hilfsmittel bei der Einbindung der Öffentlichkeit in die Suche nach einem Endlagerstandort machen. Das virtuelle Modell ermöglicht auch Laien einen gewissen Sachverstand zu den komplizierten Prozessen zu entwickeln, die in Endlagern ablaufen.

Abstrakte wissenschaftliche und nur schwer in ihrer Gänze formulierbare Zusammenhänge lassen sich mit VIRTUS verständlich in Bildern darstellen. Möglich sind darüber hinaus auch virtuelle „Flüge“ durch dreidimensionale Salzstöcke, vorbei an Grubengebäuden und Strecken gefüllt mit Behältern, in denen radioaktive Abfälle lagern.

Weiterführende Informationen
Pressemitteilung (Juli 2015)

 

Stand: Juli 2015