Endlagerung hochradioaktiver Abfälle weltweit
Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) sind weltweit mehr als 400.000 Tonnen Schwermetall in dieser Form angefallen (vgl. Abbildung 1). Aber beispielsweise auch verglaste flüssige Abfälle, die beim Prozess der Wiederaufarbeitung von Brennelementen entstehen, müssen als hochradioaktive Abfälle entsorgt werden. Bis diese Abfälle einem Endlager zugeführt werden können, werden sie auf unterschiedliche Arten zwischengelagert.
Etwa 30 Staaten weltweit betreiben KKW, aber auch in Ländern, die keine Kernenergie nutzen, können hochradioaktive Abfälle anfallen, zum Beispiel aus dem Betrieb von Forschungsreaktoren. Laut IAEO verfügen mehr als 70 Länder über Forschungsreaktoren. Weit mehr als die Hälfte der rund 850 Anlagen befindet sich derzeit im Rückbau oder ist bereits zurückgebaut worden.
Internationale Übereinkommen zur Entsorgung
International herrscht ganz weitgehend wissenschaftlicher Konsens darüber, dass eine endgültige Entsorgung hochradioaktiver Abfälle am sichersten in tiefen geologischen Formationen umgesetzt werden kann – nicht zuletzt deshalb, weil geologische Prozesse gut prognostizierbar sind und sie über lange Zeiträume wirken. Ein Großteil der Länder, darunter Deutschland Frankreich, Schweden, Finnland, die Schweiz, Kanada und Russland, streben ein solches Endlager an. Das Prinzip hierbei ist, dass radioaktive Abfälle am Einlagerungsort eingeschlossen werden, um sie von der Biosphäre zu isolieren. Dabei wird in den meisten Ländern ein Isolationszeitraum von 100.000 Jahren bis eine Million Jahre angestrebt.
Es gibt eine ganze Reihe internationaler Übereinkommen und Gremien, die sich im weiteren Sinne mit der Entsorgung hochradioaktiver Abfälle befassen. Hervorzuheben ist die Joint Convention on the Safety of Spent Fuel Management and on the Safety of Radiaoctive Waste Management. Darin haben sich die Vertragsparteien – so auch Deutschland – auf allgemeine Sicherheitsanforderungen beim Umgang mit hochradioaktiven Abfällen verständigt. So heißt es darin zu Beginn ganz generisch: “[…] to ensure that during all stages of spent fuel and radioactive waste management there are effective defenses against potential hazards so that individuals, society and the environment are protected from harmful effects of ionizing radiation […]”, und in Bezug auf ein Endlager: “[…] before construction of a disposal facility, a systematic safety assessment and an environmental assessment for the period following closure shall be carried out and the results evaluated against the criteria established by the regulatory body”. Im Dreijahresrhythmus finden Überprüfungskonferenzen statt, bei denen die Unterzeichnerländer ihre Fortschritte präsentieren und zu Rückfragen anderer Staaten Stellung beziehen. Daneben haben sich Kernenergiestaaten auch im Rahmen der EURATOM Richtline auf die Zusammenarbeit und gewisse Standards beim Umgang mit hochradioaktiven Abfällen verständigt.
Darüber hinaus fördern internationale Organisationen wie die Nuclear Energy Agency innerhalb der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD NEA) oder die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO – Waste Section) die Entwicklung von gemeinsamen fachlichen Standards, indem sie entsprechende Fachgremien etabliert haben.
Die vorgenannten Übereinkommen sind allgemein gehalten und als Mindeststandard für den Umgang mit bestrahlten Brennelementen und hochradioaktiven Abfällen zu sehen. Dementsprechend sollen sie lediglich als Rahmen für konkrete länderspezifische Vorschriften und die jeweilige nationale Gesetzgebung dienen, da jedes Land individuelle Voraussetzungen beim Thema Endlagerung mitbringt. So kann es Länder geben, die nicht über die geologischen Gegebenheiten für ein Tiefenlager verfügen oder aber solche, die so wenig hochradioaktiven Abfall besitzen, dass für sie der Bau eines eigenen Endlagers nicht sinnvoll erscheint. Auch kann die längerfristige Zwischenlagerung zunächst eine Option darstellen, insbesondere für Staaten, die abwarten wollen, ob sich in den nächsten Jahren neue Technologien oder Verwertungswege für die weitere Nutzung der Abfälle ergeben. Hierbei spielt auch die Entscheidung der Europäischen Kommission eine Rolle, wonach Investitionen im Kernenergiebereich unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen der EU-Taxonomie als ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten eingestuft werden können und somit wirtschaftliche Vorteile bringen.
Endlagerung weltweit – wer plant was?
Gleichwohl es zum Thema Endlagerung international einen Konsens gibt und umfangreiche Forschungsarbeiten hierzu stattfinden, ist weltweit derzeit noch kein tiefengeologisches Endlager in Betrieb. Finnland, Schweden und seit kurzem auch die Schweiz nehmen in dieser Hinsicht jedoch eine gewisse Vorreiterrolle ein. In den beiden nordeuropäischen Staaten ist die Entscheidung für einen konkreten Standort bereits getroffen und in Finnland befindet man sich – als Funktionstest für die Einlagerung – aktuell in einem Probebetrieb mit Abfallbehältern, die keinen radioaktiven Inhalt beinhalten. Die Schweizer Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat den Standort Nördlich Lägern vorgeschlagen, für den sie die Rahmenbewilligungsgesuche vorgelegt hat. Aber wie sehen die Entsorgungsprogramme anderer Länder – beziehungsweise ihre Planungen dazu – aus? Welche technischen Optionen werden untersucht, welche geologischen Voraussetzungen gibt es jeweils vor Ort? Welche Besonderheiten gibt es bei der Standortauswahl?
Wir geben hier einen kurzen Überblick zum jeweiligen Stand in ausgewählten Ländern, ergänzt um „fast facts“ die einen ersten Vergleich ermöglichen sollen. Die „fast facts“ enthalten neben Angaben zum Wirtsgestein und beteiligten Organisationen unter anderem auch Angaben zur einzulagernden Abfallmenge. Mit Ausnahme von Deutschland, wo durch den Ausstiegsbeschluss die Abfallmengen bereits feststehen, sind diese Angaben bei allen anderen Ländern als Momentaufnahme zu sehen. Zudem weisen die einzelnen Länder ihre Abfallmengen in unterschiedlicher Qualität aus (Volumen, Gewicht, mit/ohne Behälter, Anzahl Behälter…). Ohne weiteren Hinweis handelt es sich bei den von uns angegebenen Daten zur Abfallmenge um Bruttovolumina inklusive Verpackung. In anderen Fällen erfolgen ein Hinweis und gegebenenfalls ein Verweis auf die Webseiten der Betreiber. Die Schwermetallmengen sind in Abbildung 1 angegeben.
Weitere Details zu den Entsorgungsprogrammen einzelner Staaten finden sich unter anderem in den jeweiligen Länderberichten der Joint Convention on the Safety of Spent Fuel Management and on the Safety of Radiaoctive Waste Management.
Deutschland
Nachdem in Deutschland beim Thema Endlagerung jahrzehntelang der Fokus auf dem Wirtsgestein Steinsalz und auf der Erkundung des Salzstocks Gorleben lag, wurde die Standortauswahl 2013 unter anderem mit der Gründung einer Endlagerkommission neu aufgerollt und 2017 mit dem Standortauswahlgesetz (StandAG) auf eine neue Basis gestellt. Das Gesetz sieht den Ablauf des Auswahlverfahrens in drei Phasen vor (siehe hier). Mit der Durchführung des Verfahrens ist die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) beauftragt. Die zuständige Aufsichtsbehörde ist das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE).
Das StandAG schreibt unter anderem vor, dass die Wahl auf den Standort fallen muss, „der die bestmögliche Sicherheit für eine Million Jahre gewährleistet.“ Innerhalb dieses Zeitraums sollen Mensch und Umwelt vor den Auswirkungen der Strahlung geschützt werden. Eine Besonderheit stellt das Gesetz hinsichtlich der Anforderungen an Rückholbarkeit und Bergbarkeit der Abfälle dar. So müssen „[…] Endlagergebinde, die in das Endlager eingelagert wurden, bis zum Beginn der Stilllegung des Endlagers rückholbar sein“. Ebenso „[…] sind ausreichende Vorkehrungen dafür zu treffen, dass eine Bergung der eingelagerten Endlagergebinde während der Stilllegung und für einen Zeitraum von 500 Jahren nach dem vorgesehenen Verschluss des Endlagers möglich ist.“
Deutschland hat sich bei der Entsorgung seiner hochradioaktiven Abfälle für die tiefengeologische Lagerung entschieden. Die Abfälle sollen dabei in einem Wirtsgestein eingelagert werden, das aufgrund seiner Eigenschaften eine Ausbreitung von radioaktiven Stoffen verhindern oder zumindest so eindämmen soll, dass für Mensch und Umwelt keine Risiken daraus entstehen. Für ein tiefengeologisches Endlager kommen in Deutschland grundsätzlich drei Wirtsgesteine in Frage: Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein.
Im Herbst 2020 hat die BGE den Zwischenbericht Teilgebiete vorgelegt. Er weist 90 Gebiete in Deutschland aus, die günstige geologische Bedingungen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle aufweisen und weiter untersucht werden sollen und solche, die bereits zum jetzigen Stand ausgeschlossen werden, etwa weil dort bergbauliche Aktivitäten stattgefunden haben. Gebiete, zu denen keine oder nicht hinreichend geologische Daten vorliegen, sollen gesondert ausgewiesen werden und scheiden nicht per se aus dem Suchprozess aus.
Die BGE veröffentlicht fortlaufende Arbeitsstände aus den repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen (rvSU). Ende 2027 sollen einzelne Standortregionen für die übertägige Erkundung vorgeschlagen werden.
Menge der Abfälle für ein Endlager: ca. 27.000 Kubikmeter
In Frage kommende Wirtsgesteinsformation(en): Tongestein, Kristallingestein, Steinsalz
Teufenlage (Tiefe): der einschlusswirksame Gebirgsbereich liegt bei mindestens 300 Meter und maximal 1.500 Meter
Status Quo und Zeitplan: Aktuell werden von der BGE Vorschläge für Standortregionen für die übertägige Erkundung ermittelt. Ende 2027 übermittelt die BGE die Vorschläge zur Prüfung an das BASE.
Beteiligte Stellen (Auswahl): Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE, Standortsuche), Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE, Genehmigungs-/Aufsichtsbehörde)
Schweiz
Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hat im September 2022 das Gebiet Nördlich Lägern als Standort für ein Endlager in der Schweiz vorgeschlagen. Das Gebiet verfügt über Opalinuston als Wirtsgestein und liegt in der Nordschweiz im Züricher Unterland. Nördlich Lägern sei der Standort „mit den grössten Sicherheitsreserven“, so die Nagra. Wie auch Deutschland hat die Schweiz den Betrachtungszeitraum für das Tiefenlager auf eine Million Jahre festgelegt.
Die Nagra hat im November 2024 das sogenannte Rahmenbewilligungsgesuch für das geologische Tiefenlager für radioaktive Abfälle beim Bundesamt für Energie (BFE) eingereicht. Darin sind unter anderem die ungefähre Lage und Größe der wichtigsten Bauten geregelt. Nach einer Prüfung durch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) und die Eidgenössische Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) wird das Gesuch zur Entscheidung an den Bundesrat und das Parlament gehen. Sollten diese das Gesuch bewilligen, kann die Schweizer Bevölkerung ein Referendum hierzu einberufen. Die Nagra prognostiziert, dass die ersten Abfälle voraussichtlich im Jahr 2050 eingelagert werden können.
Zur Standortentscheidung der Schweiz hat sich von deutscher Seite unter anderem die Expertengruppe Schweizer Tiefenlager (ESchT) geäußert, die die Entscheidung der Nagra als plausibel bewertet.
Menge der Abfälle für ein Endlager: ca. 9.300 Kubikmeter
Vorgesehene Wirtsgesteinsformation: Opalinuston
Teufenlage (Tiefe): ca. 800 Meter
Status Quo und Zeitplan: Derzeit prüft der Bund das von der Nagra im November 2024 eingereichte Rahmenbewilligungsgesuch für den Standort Nördlich Lägern. Voraussichtlich 2029 entscheidet der Bundesrat darüber und im Nachgang das Parlament. Anfang der 2030er-Jahre stünde dann eine Volksabstimmung über den Standort für das Schweizer Tiefenlager an.
Beteiligte Stellen (Auswahl): Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (NAGRA, Standortsuche, Bau eines Endlagers), Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI, Aufsichtsbehörde)
Frankreich
Frankreich hat sich zur Endlagerung seiner hochradioaktiven Abfälle in einer Tongesteinsformation entschieden. Der geplante Einlagerungsort soll im Departement Meuse/Haute-Marne im Osten Frankreichs entstehen und liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gemeinde Bure. In Bure wird bereits ein Felslabor betrieben, dessen Infrastruktur für den Endlagerbetrieb genutzt werden soll. In dem zukünftigen Endlager mit dem Projektnamen Cigéo sollen sowohl langlebige mittel- als auch hochradioaktive Abfälle aus allen französischen Nuklearanlagen und aus der Wiederaufarbeitung bestrahlter Brennelemente aufgenommen werden. Es ist geplant, die Einlagerungsorte in einer Teufenlage (Tiefe) von etwa 500 Metern zu errichten. Sie sollen im Laufe des Betriebs kontinuierlich erweitert werden. Es sind getrennte Lagerungsbereiche für hochradioaktive und mittelradioaktive Abfälle vorgesehen (siehe Abbildung, roter und gelber Bereich). Nach Einlagerung der Abfälle – hierfür sind mehr als 100 Jahre vorgesehen – soll das Endlager verschlossen werden.
Mit der Planung und dem Bau des Endlagers und der oberirdischen Verpackungsanlagen ist die Nationale Agentur für das Management radioaktiver Abfälle (Andra) betraut, die dem Umweltministerium untersteht.
Auslegung Cigéo: 10.000 Kubikmeter hochradioaktive und 73.000 Kubikmeter langlebige mittelradioaktive Abfälle
Vorgesehene Wirtsgesteinsformation: Tongestein
Teufenlage (Tiefe): ca. 500 Meter
Status Quo und Zeitplan: 2023 wurde der Antrag auf Baugenehmigung beim Ministerium für Energiewende eingereicht, dessen technische Prüfung (Demande d’autorisation de création, DAC) durch die Aufsichtsbehörde Autorité de sûreté nucléaire et de radioprotection (ASNR) 2025 positiv abgeschlossen wurde. Eine öffentliche Anhörung (Enquête publique) ist für das 2. Halbjahr 2026 angekündigt. Der reguläre Betrieb soll in den Jahren 2035-2040 aufgenommen werden.
Beteiligte Stellen (Auswahl): Nationale Agentur für die Entsorgung radioaktiver Abfälle (Andra, Standortsuche), Ministerium für Energiewende (Aufsicht)
Finnland
In Finnland wird derzeit das weltweit erste Endlager für hochradioaktive Abfälle in Kristallingestein gebaut (Onkalo). Der Standort befindet sich auf der Insel Olkiluoto in der Gemeinde Eurajoki an der Westküste Finnlands und ist nur wenige Kilometer vom Kernkraftwerk Olkiluoto entfernt. Ende 2021 reichte die Betreiberin Posiva Oy (ein Joint Venture der Betreiberfirmen von Olkiluoto und Loviisa) beim Ministerium für Wirtschaft und Arbeit einen Antrag auf Betriebsgenehmigung ein.
Menge der hochradioaktiven Abfälle, die in Onkalo eingelagert werden sollen: rund 6.500 Kubikmeter (bis zum Jahr 2120)
Vorgesehene Wirtsgesteinsformation: Kristallingestein
Teufenlage (Tiefe): mind. 430 Meter
Status Quo und Zeitplan: Seit 2024 läuft der „trial run of final disposal“ (Endlagerbetriebstest), bei dem der gesamte Prozess der Endlagerung mit simulierten Brennelementen getestet wird. 2026 soll mit der Einlagerung von Abfällen begonnen werden.
Beteiligte Stellen (Auswahl): Posiva Oy (Entsorgungsgesellschaft), Säteilyturvakeskus (STUK, Aufsichtsbehörde)
Schweden
Das Endlager für bestrahlte Brennelemente soll in Söderviken in der Nähe des Kernkraftwerks Forsmark im Granitgestein in etwa 500 Metern Tiefe errichtet werden. In einem jahrzehntelangen Suchprozess waren zuvor alle Gemeinden Schwedens angefragt worden. In Östhammar schließlich trafen die geologischen Gegebenheiten und die Zustimmung der Bevölkerung aufeinander. Im Jahr 2022 genehmigte das schwedische Parlament den Bau des Endlagers.
Für Standortauswahl und Errichtung des Endlagers ist die Gesellschaft für Kernbrennstoff- und Abfallmanagement (SKB) zuständig, die unter anderem den Betreiberfirmen der Kernkraftwerke gehört. SKB rechnet mit einer Bauzeit von 10 Jahren ab Baubeginn.
Menge der hochradioaktiven Abfälle: Das Endlager wird 6.000 Behälter mit rund 12.000 Tonnen genutzter Brennelemente fassen.
Vorgesehene Wirtsgesteinsformation: Kristallingestein
Teufenlage (Tiefe): ca. 500 Meter
Status quo und Zeitplan: Im Januar 2025 wurde mit der Errichtung des Endlagers begonnen - zunächst sind zwei Jahre Oberflächenarbeiten vorgesehen, dann soll der bergmännische Vortrieb beginnen. Die Inbetriebnahme mit ersten Einlagerungen wird derzeit in den 2030er Jahren erwartet.
Beteiligte Stellen (Auswahl): Swedish Nuclear Fuel and Waste Management Company (SKB, Betreiberin), Swedish Radiation Safety Authority (SSM, Aufsichtsbehörde)
Tschechien
In Tschechien ist die Správa úložišť radioaktivních odpadů (SÚRAO) mit der Suche nach einem tiefen geologischen Endlager für hochradioaktive Abfälle betraut. Im Jahr 2020 grenzte die Regierung, nach übertägiger Erkundung von sieben potenziellen Standorten, die in Frage kommenden Orte auf vier Standorte im Kristallingestein ein: Hrádek und Horka in der zentralen Region des Landes, Březový potok im Südwesten und Janoch in der Nähe des Kernkraftwerks Temelín. Aus Sicht der Behörde erfüllen alle diese Standorte die sicherheitstechnischen Voraussetzungen für ein Tiefenlager und werden nun genauer untersucht.
Daneben läuft ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm, um Erkundungsmethoden, Einlagerungstechniken und Arbeitsabläufe bei der Konstruktion zu etablieren. Die Arbeiten finden unter anderem in den drei Untertagelaboren Bedrichov, Josef und Bukov statt.
Menge der hochradioaktiven Abfälle: ca. 38.000 Kubikmeter, bestehend aus Brennelementen und langlebigen radioaktiven Stoffen, sollen in das zukünftige Endlager eingelagert werden.
Vorgesehene Wirtsgesteinsformation: Kristallingestein
Teufenlage (Tiefe): ca. 500 Meter
Status quo und Zeitplan: SÚRAO führt derzeit geologische, hydrogeologische und geophysikalische Untersuchungen an allen vier Standorten durch. Parallel wird die technische Auslegung des Endlagers sowie die langfristige Sicherheitsbewertung (Safety Case 1) weiterentwickelt. Der Betrieb des Endlagers ist ab 2050 und für 100 Jahre vorgesehen.
Beteilitgte Stellen (Auswahl): Správa úložišť radioaktivních odpadů (SÚRAO, Standortsuche), Radioactive Waste Repository Administration (RAWRA, organisatorische Einheit des Bundesstaates/Aufsicht)
Kanada
Die kanadische Nuclear Waste Management Organization (NWMO) ist mit der Standortsuche und Umsetzung eines tiefengeologischen Endlagers für benutzten Kernbrennstoff in Kanada betraut. Grundlage ist der sogenannte „Adaptive Phased Management‑Ansatz“, der sowohl technische Sicherheit als auch die Zustimmung der betroffenen Gemeinden vorsieht.
Nach einem seit 2010 durchgeführten landesweiten, freiwilligen und gemeinschaftsbasierten Auswahlverfahren hat die NWMO Ende 2024 das Gebiet der Wabigoon Lake Ojibway Nation in Zusammenarbeit mit der Township of Ignace in der Provinz Ontario als bevorzugten Standort ausgewählt.
Der Standort liegt im kristallinen Wirtsgestein des Canadian Shield. Mit der Einreichung einer ersten Projektbeschreibung Anfang Januar 2026 wurde das formale Genehmigungsverfahren eingeleitet, das eine integrierte Umweltverträglichkeitsprüfung sowie ein Lizenzierungsverfahren umfasst.
Menge der hochradioaktiven Abfälle: 5,9 Millionen CANDU‑Brennelementbündel (entspricht ca. 112.000 t Schwermetall) prognostiziert bis zum Ende der KKW-Laufzeiten
Vorgesehene Wirtsgesteinsformation: Kristallin
Teufenlage (Tiefe): 500 – 800 Meter
Status quo und Zeitplan: Genehmigungsverfahren startete Anfang 2026; möglicher Baubeginn in den 2030er‑Jahren
Beteiligte Stellen (Auswahl): Nuclear Waste Management Organization (NWMO), Canadian Nuclear Safety Commission (CNSC), Impact Assessment Agency of Canada (IAAC), Natural Resources Canada (NRCan), Wabigoon Lake Ojibway Nation und Township of Ignace (Host Communities)
Weitere Staaten im Überblick
Ursprünglich hatte die Regierung der USA 1987 im „Nuclear Waste Policy Act“ Yucca Mountain als Ort für ein Endlager für bestrahlte Brennelemente und anderen hochradioaktiven Abfall festgelegt. Der Bergkamm befindet sich etwa 130 Kilometer nordwestlich des Las Vegas Valley im Bundesstaat Nevada und beherbergt bereits ein gleichnamiges Versuchslabor im Tuffstein. Ein entsprechender Ausbau des Standortes fand jedoch seitdem nicht statt. Vielmehr verfolgen die USA derzeit einen „consent-based“ Ansatz für ein bundesweites konsolidiertes Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle. Das Department of Energy (DOE) finanziert in diesem Zusammenhang seit 2023/2024 unterschiedliche Konsortien und hatte für 2025/2026 nächste Programmschritte angekündigt. Das Nuclear Waste Technical Review Board (NWTRB) hat 2025 erneut die Notwendigkeit eines geologischen Endlagers betont und an den US-Kongress und das DOE adressiert.
Russland errichtet in Schelesnogorsk, in der Region Krasnojarsk (Sibirien) derzeit ein unterirdisches Forschungslabor in den Gneis des Nischnekansk-Massivs. Das Untertagelabor soll der langfristigen Untersuchung der Eignung dieses Standortes als Endlager für hochradioaktive und langlebige mittelradioaktive Abfälle dienen. Das Untertagelabor wird in Gneisen und granitoiden Gesteinen in einer Tiefe von etwa 450 bis 525 Metern aufgefahren. Dort sollen über mehrere Jahrzehnte geowissenschaftliche, geotechnische und hydrogeologische Untersuchungen durchgeführt werden, um die Eigenschaften des Wirtsgesteins sowie das Zusammenwirken natürlicher und technischer Barrieren zu bewerten. Die Inbetriebnahme des Untertagelabors ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht vor der zweiten Hälfte der 2020er Jahre zu erwarten. Daran anschließend ist eine langfristige Forschungs- und Demonstrationsphase bis mindestens in die 2030er Jahre vorgesehen. Zuständig für die Planung und Umsetzung eines Endlagerstandortes für hochradioaktive Abfälle ist die nationale Betreiberorganisation für Abfallmanagement FSUE (NO RAO), ein Tochterunternehmen des Staatskonzerns Rosatom.
Die Niederlande planen die oberirdische Zwischenlagerung ihrer radioaktiven Abfälle für einen Zeitraum von mindestens 100 Jahren. Während dieses Zeitraums wird zu Möglichkeiten einer geologischen Tiefenlagerung (einschließlich Reversibilität und Rückholbarkeit) geforscht. Sowohl Salz‑ als auch Tonformationen gelten in niederländischen Studien als grundsätzlich geeignet.
Darüber hinaus halten sich die Niederlande – ergänzend zur nationalen Entsorgungsoption – einen multinationalen Ansatz offen, bei dem mehrere Länder sich für ein Endlager zusammenschließen würden, ohne hierfür allerdings bislang konkrete Planungen oder Festlegungen zu treffen.
Spanien hat bislang weder einen ausgewählten Standort noch eingegrenzte Standortregionen für ein tiefengeologisches Endlager. Pläne für ein zentrales Zwischenlager wurden ab 2018 politisch aufgegeben, so dass die Abfälle derzeit an den Kernkraftwerksstandorten lagern. ENRESA ist beauftragte Agentur zur Endlagersuche, führt jedoch derzeit keine aktive Endlagersuche im Sinne einer Standortsuche durch, sondern betreibt lediglich Forschung im Bereich der geologischen Endlagerung (Optionen: Kristallin- und Sedimentgestein sowie Steinsalz).
In Belgien wurde 2022/23 eine politische Grundsatzentscheidung zugunsten der geologischen Endlagerung getroffen, jedoch ohne Standortwahl. Seit über 40 Jahren betreibt das Land allerdings systematische Forschung zur tiefengeologischen Endlagerung hochradioaktiver und langlebiger Abfälle. Der „Boom Clay“ in der Nähe der Stadt Mol wird als bevorzugtes Wirtsgestein untersucht. 1980 begannen dort die Bauarbeiten für das unterirdische Forschungslabor High-activity disposal experimental site (Hades). Betrieben wird Hades von der Kooperation „European underground research infrastructure for disposal of radioactive waste in a clay environment“ (Euridice), die von der belgischen Organisation für die Zwischen- und Endlagerung radioaktiver Abfälle (ONDRAF/NIRAS) und dem belgischen Kernforschungszentrum SCK.CEN gegründet wurde.
Im Vereinigten Königreich ist die Nuclear Waste Services (NWS) damit beauftragt, die Pläne für ein geologisches Tiefenlager (Geological Disposal Facility, GDF) für hoch- und mittelaktive Abfälle – wie sie unter anderem auf dem Gelände des Nuklearkomplexes in Sellafield zwischengelagert werden – zu entwickeln. Nachdem sich mehrere Regionen aus einem freiwilligen Standortsuchprozess zurückgezogen haben, verbleiben aktuell zwei Community Partnerships in Cumbria (Mid Copeland und South Copeland). Seit Januar 2025 hat die NWS innerhalb der beteiligten Gemeinden sogenannte „Areas of Focus“ benannt, um vertiefte geologische, umweltbezogene und raumplanerische Voruntersuchungen durchzuführen.
In Japan ist die Nuclear Waste Management Organization (NUMO) für die Suche nach einem tiefengeologischen Endlager für hochradioaktive Abfälle zuständig. Aufgrund der tektonischen Lage des Landes ergeben sich für die Endlagerung besondere Herausforderungen, da potenzielle Standorte ausreichend Abstand zu aktiven Vulkanen, Störungszonen sowie großräumigen Hebungs‑ und Erosionsprozessen aufweisen müssen; diese Aspekte sind sowohl bei der Standortwahl als auch bei der Auslegung des Sicherheits‑ und Einlagerungskonzepts von zentraler Bedeutung. Der ursprünglich verfolgte freiwillige Bewerbungsansatz für Gemeinden blieb lange Zeit ohne nennenswerte Resonanz. Mit politischer Unterstützung des Wirtschaftsministeriums (METI) wurden daher im Jahr 2020 erstmals Literaturstudien in den Gemeinden Suttu und Kamoenai an der Westküste der Insel Hokkaido begonnen, beide in relativer Nähe zum Kernkraftwerk Tomari. Diese erste Untersuchungsphase, die auf der Auswertung vorhandener geologischer Daten beruht, wurde im November 2024 abgeschlossen; aus fachlicher Sicht ist ein Übergang in die nächste Untersuchungsstufe möglich, wobei eine entsprechende Zustimmung auf Präfekturebene bislang aussteht. Ergänzend betreibt Japan mit den Untertagelaboren Horonobe (Tongestein) und Mizunami (Kristallingestein) zwei wichtige Forschungsinfrastrukturen zur Untersuchung der geologischen Endlagerung.
Stand: Mai 2026