© Preussen Elektra GmbH (links), Bernhard Ludewig (Mitte) und Adobe Stock/Michal (rechts)
Stilllegungsbroschuere

Wie geht Stilllegung?

Die Stilllegung kerntechnischer Anlagen ist ein komplexer, sicherheitsrelevanter und langfristiger Prozess, in den viele verschiedene Akteure eingebunden sind. Nicht zuletzt deshalb ist es auch ein wichtiges Forschungsthema bei der GRS – und das nicht erst seitdem die letzten deutschen Kernkraftwerke 2023 abgeschaltet wurden.

Mit der Neuauflage der Stilllegungsbroschüre 2026 (PDF), die im Auftrag des Bundesumweltministeriums inhaltlich komplett überarbeitet und aktualisiert wurde, erscheint eine umfassende und praxisnahe Übersicht über alle relevanten Aspekte rund um den Rückbau von Kernkraftwerken, Forschungsreaktoren und Anlagen der nuklearen Ver- und Entsorgung. Mit einem völlig neuen und ansprechenden Design richtet sie sich sowohl an Menschen, die mehr zum Thema Stilllegung wissen möchten als auch an jene, die neu in die Thematik einsteigen.  

Vom ersten deutschen Stilllegungsprojekt bis zum Einsatz von KI beim Rückbau

Die neue Stilllegungsbroschüre bietet einen Einblick in die vielfältigen Aspekte rund um die Stilllegung kerntechnischer Anlagen in Deutschland. Sie beginnt mit einem historischen Überblick und zeigt die aktuellen Entwicklungen für Deutschland auf, die sich aus dem gesetzlich verankerten Atomausstieg ergeben. Dabei werden die Stilllegungsstrategien „direkter Abbau“ und „sicherer Einschluss“ erläutert und hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile gegenübergestellt.

 

Vor- und Nachteile der Stilllegungsstrategien im Vergleich.
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Stilllegungsstrategien bei Kernkraftwerken

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den rechtlichen Rahmenbedingungen: Die Broschüre erklärt die Genehmigungs- und Aufsichtsverfahren nach Atom- und Strahlenschutzrecht und zeigt, wie Behörden, Sachverständige und Betreiber zusammenwirken. Technische Verfahren zur Dekontamination, Zerlegung und Abfallbehandlung werden ebenso behandelt wie die Anforderungen an den Strahlenschutz und die Sicherheit während des gesamten Rückbauprozesses. Auch das Reststoff- und Abfallmanagement wird detailliert beschrieben sowie die Freigabe von Stoffen, die keiner Überwachung mehr bedürfen. Die Broschüre führt beispielhaft auch kurz die Kosten und die Finanzierung der Stilllegung auf, sowohl im privatwirtschaftlichen Bereich als auch bei Anlagen, die sich im Besitz der öffentlichen Hand befinden.

 

Phasen der Stilllegung von Kernkraftwerken.
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Phasen der Stilllegung von Kernkraftwerken

Abschließend wird die Stilllegung im internationalen Kontext betrachtet und wie Deutschland sich in internationalen Gremien und Netzwerken engagiert, um Standards weiterzuentwickeln und Erfahrungen auszutauschen.

Zahlreiche Fallbeispiele aus abgeschlossenen und laufenden Stilllegungsprojekten – etwa aus Niederaichbach, Obrigheim, Greifswald oder Jülich – veranschaulichen einerseits die Herausforderungen, zeigen andererseits aber auch konkrete Lösungsansätze in der Praxis.

Was macht die GRS zum Thema Stilllegung?

Im Auftrag des Bundesumweltministeriums und im Rahmen von Eigenforschungsvorhaben befasst sich die GRS bereits seit Jahrzehnten mit unterschiedlichsten Aspekten der Stilllegung kerntechnischer Anlagen. Neben kontinuierlich laufenden Arbeiten, wie beispielsweise dem internationalen Erfahrungsaustausch zum Stand von Wissenschaft und Technik oder der Weiterentwicklung des Regelwerkes, gehen die Fachleute auch ganz konkreten Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Stilllegungsprozess nach.

So haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im kürzlich abgeschlossenen Vorhaben „Abbau- und Dekontaminationstechniken für die Stilllegung kerntechnischer Anlagen“ erhoben, welche Verfahren und Werkzeuge beim Rückbau von kerntechnischen Anlagen zum Einsatz kommen und welche zukünftigen Anforderungen – etwa bei der Effizienz oder beim Strahlenschutz – sich stellen. Abseits von den technischen Aspekten richten die Fachleute aber auch ihren Blick auf den Faktor Mensch, wie etwa im Vorhaben „Untersuchungen zu stilllegungsrelevanten Betriebserfahrungen im Hinblick auf Sicherheitskultur und MTO-Aspekte in der Stilllegung“. Denn wenn sich mit Beginn des Rückbaus Perspektiven, Abläufe und Routinen ändern und für den Abbau externe Firmen mit anderen Arbeitskulturen hinzukommen, stellt das die Sicherheitskultur einer kerntechnischen Anlage vor ganz neue Herausforderungen. Im Verbundprojekt KISS („Kompetenz, Innovation, Sicherheit, Strahlenschutz“) hingegen soll die Stilllegung durch moderne digitale Werkzeuge effizienter und sicherer gestaltet werden. Dafür wird derzeit unter anderem eine Lernplattform mit Virtual- und Augmented-Reality entwickelt. Außerdem entstehen ein KI-gestütztes Wissenssystem für Fachliteratur zum Rückbau und eine digitale Plattform, die Genehmigungsprozesse transparenter und einfacher machen soll.