Beruflicher Strahlenschutz: Wie wird Personal vor den Auswirkungen von Strahlung geschützt?

25.09.2018

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Piloten, Nuklearmediziner und Mitarbeiter von Kernkraftwerken haben eines gemeinsam: Sie sind bei ihrer Berufsausübung ionisierender Strahlung ausgesetzt. Um diese Personen vor der schädlichen Wirkung der Strahlung zu schützen, werden zahlreiche Maßnahmen und Arbeitsschutzvorkehrungen getroffen. Dabei unterliegen in Deutschland mehr als 400.000 Personen der beruflichen Strahlenschutzüberwachung. Strahlenschutzüberwacht werden alle diejenigen, die während ihrer beruflichen Tätigkeiten im Jahr eine effektive Dosis von mehr als 1 Millisievert erhalten können.

Amtliches Filmdosimeter (Bild: GRS)Dosimeter messen die Strahlendosis

Für die meisten beruflich strahlenexponierten Personen wird die Strahlenexposition im Rahmen ihrer Tätigkeiten mit Dosimetern laufend ermittelt. Der Grenzwert für die berufliche Strahlendosis liegt bei 20 Millisievert pro Jahr. Zum Vergleich: die mittlere effektive Dosis durch natürliche Strahlung liegt in Deutschland jährlich bei 2,1 Millisievert.

Für die amtliche Dosimetrie werden insbesondere Filmdosimeter eingesetzt. Mit ihnen lässt sich die Gesamtdosis für einen bestimmten Zeitraum – meist einen Monat – ermitteln. Behördlich anerkannte Messstellen werten die Dosimeter aus. In Kernkraftwerken müssen die Mitarbeiter neben dem amtlichen Dosimeter zusätzlich ein betriebliches Dosimeter tragen. Für die betriebliche Messung wird ein elektronisches Dosimeter eingesetzt, bei dem sich die Strahlenexposition direkt anzeigen lässt.

Strahlenpass für Fremdpersonal

Strahlenpass

Rund 30.000 Personen, die in wechselnden Betrieben tätig werden, sind darüber hinaus im Besitz eines sogenannten Strahlenpasses. Dazu zählen z. B. Handwerker oder technische Prüfer in Kernkraftwerken. Mit dem Strahlenpass soll verhindert werden, dass durch den wechselnden Einsatz Grenzwerte überschritten werden können. Hierzu enthält der Strahlenpass Angaben zur bisherigen Dosis des Beschäftigten. Der Inhaber eines Strahlenpasses muss bei der zuständigen Behörde registriert sein. Vor Beginn seiner Tätigkeiten legt der Beschäftigte den Strahlenpass im jeweiligen Betrieb vor. Nach dem Einsatz trägt der Betrieb ein, welche Dosis bei der Arbeit mittels betrieblicher Dosimeter gemessen wurde.

Strahlenschutzregister sammelt alle Daten

Die amtlichen Dosisdaten der beruflich strahlenexponierten Personen werden im deutschen Strahlenschutzregister gesammelt und ausgewertet. Das Strahlenschutzregister hat u. a. die Aufgabe zu kontrollieren, dass die Grenzwerte eingehalten werden.
Geführt wird es vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Das BfS wertet die gesammelten Daten statistisch aus und veröffentlicht die Ergebnisse. Neben der Kontrolle dienen die Daten der wissenschaftlichen Auswertung und tragen zur Optimierung des Strahlenschutzes bei.

Neues Strahlenschutzgesetz

Beispiele für Grenzwerte und typische effektive Dosiswerte

Im Mai 2017 hat der Bundesrat dem Gesetz zur Neuordnung des Rechts zum Schutz vor der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlung zugestimmt. Darin wird unter anderem die bisherige Unterscheidung zwischen Tätigkeiten und Arbeiten aufgehoben. Tätigkeiten bezeichnen bislang alle Aktivitäten, bei denen radioaktive Stoffe gezielt und bewusst genutzt werden, z. B. der Umgang mit künstlich erzeugten radioaktiven Stoffen. Der Begriff Arbeiten fasste alle Handlungen zusammen, bei denen Radioaktivität nicht gezielt genutzt wird.

Weiterhin führt das Gesetz eine neue Kategorie behördlicher Vorabkontrollen ein: die sogenannte Anmeldung. Beispielsweise müssen zukünftig bei der Behörde solche Arbeitsplätze angemeldet werden, bei denen die Radon-222-Aktivitätskonzentration in der Raumluft einen bestimmten Wert überschreitet.

Im September 2018 hat das Bundeskabinett die Verordnung zur weiteren Modernisierung des Strahlenschutzrechts beschlossen, um das Strahlenschutzgesetz zu ergänzen. Die Verordnung soll nach Zustimmung des Bundesrates ab Ende 2018 in Kraft treten und wird erstmalig auch Regelungen zu nichtionisierenden Strahlenquellen wie Laser und Ultraschall beinhalten.

Arbeiten der GRS zum angewandten Strahlenschutz

Die GRS wertet die betrieblichen Dosimetriedaten des Personals in kerntechnischen Anlagen im Auftrag des Bundesumweltministeriums aus. Aus den gewonnenen Erkenntnissen lassen sich Entwicklungen im betrieblichen Strahlenschutz ableiten. Diese können wiederum genutzt werden, um den Strahlenschutz zu verbessern. Darüber hinaus unterstützt die GRS das Bundesumweltministerium dabei, die Regelungen für den Strahlenschutz des Personals weiterzuentwickeln. Da z. B. in der Medizin und Industrie ständig neue Techniken und Geräte auf den Markt kommen, müssen die Regeln kontinuierlich angepasst werden.

In einem aktuellen Projekt mit dem Klinikum Augsburg erforscht die GRS beispielsweise die Strahlenexposition des medizinischen Personals in der interventionellen Radiologie. In einem weiteren Projekt hat die GRS gemeinsam mit der Universität Köln ein softwarebasiertes Modell entwickelt, das die komplexen Einflussfaktoren für die Berechnung der sogenannten Ortsdosisleistung in einem Kernkraftwerk handhabbar macht. Dies ist nicht nur für Tätigkeiten während des Betriebs und der Revision relevant, sondern auch die Phase der Stilllegung und des Rückbaus, in der viele länger andauernde Arbeiten durchzuführen sind. Darüber hinaus beobachtet die GRS kontinuierlich die aktuellen technischen Entwicklungen im Strahlenschutz.

Weitere Informationen

Arbeiten der GRS zum Angewandten Strahlenschutz
Informationen des Bundesamtes für Strahlenschutz zum Strahlenschutzregister
Verordnung zur weiteren Modernisierung des Strahlenschutzrechts
GRS-Bericht 406: Generische Studie zum Zusammenhang zwischen Kontamination von Primärkreislaufmedien und beruflicher Strahlenexposition bei Kernkraftwerken mit Druckwasserreaktor