Versteckte Gefahr: GRS und Europäische Kommission unterstützen Mongolei beim Auffinden radioaktiver Quellen

04.06.2018

©  GRS/ Sebastian Feige

Weltweit werden regelmäßig sogenannte verwaiste radioaktive Quellen (engl. „orphan sources“) gefunden. Dabei handelt es sich beispielsweise um nicht sachgemäß entsorgte oder verlorene Prüf- und Messquellen aus der Industrie und dem Bergbau oder Kalibrier- oder Bestrahlungsgeräten aus Forschung und Medizin.

Gerade von hochradioaktiven Strahlenquellen kann bei unsachgemäßem Umgang oder gezieltem Missbrauch eine beträchtliche Gefahr ausgehen. In Deutschland und Europa unterliegt die Nutzung radioaktiver Strahlenquellen deshalb  der staatlichen Aufsicht und erfordert eine Genehmigung. Das Bundesamt für Strahlenschutz dokumentiert alle hochradioaktiven Quellen im Register über hochradioaktive Strahlenquellen (HRQ-Register), um den Aufsichts- und Ermittlungsbehörden eine lückenlose Kontrolle zu ermöglichen. Trotzdem kann das Abhandenkommen oder der Fund einer herrenlosen Strahlenquelle nicht vollständig ausgeschlossen werden. Das Bundesumweltministerium dokumentiert solche Fälle im Jahresbericht "Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung".

© GRS/ Sebastian Feige

Wissenstransfer: GRS schult mongolische Behörde

Auch im zentralasiatischen Binnenstaat Mongolei sind verwaiste Strahlenquellen ein Grund zur Besorgnis. Auf alten Industriestandorten und Schrottplätzen finden sich immer wieder verwaiste radioaktive Quellen – z. B. in Form von Prüfstrahlern, Radiographiegeräten, Bohrlochscannern oder Füllstandsanzeigern.

Die GRS unterstützt aktuell mongolische Behörden und Organisationen dabei, unbekannte radioaktive Quellen zu suchen und zu bergen. Nicht immer haben die Vorbesitzer dieser Quellen die Verwendung den zuständigen Behörden in der Vergangenheit angezeigt.

Das Projekt zählt zu den Aktivitäten des „Instruments für Zusammenarbeit im Bereich der nuklearen Sicherheit“ (INSC) der Europäischen Kommission. Die Europäische Kommission setzt sich mit dem Hilfsprogramm für verbesserte nukleare Sicherheitsstandards in Schwellen- und Entwicklungsländern ein. Sie finanziert das zweijährige Projekt mit 1,1 Mio. Euro. Im Projekt bringt die GRS ihre internationalen Erfahrungen beim Suchen, Auffinden, Klassifizieren, Sichern und Transportieren radioaktiver Quellen ein. Die GRS begleitet regelmäßig ausländische Behörden und technische Sicherheitsorganisationen (TSO) mit Know-how-Transfer.

Fit für den Ernstfall: GRS kombiniert im Training Theorie und Praxis

Ziel des Trainings der GRS und ihres Tochterunternehmens Riskaudit war es, die über 40 Teilnehmende aus Behörden, Medizin, Militär, Umweltschutz und anderen Institutionen theoretisch und praktisch im Strahlenschutz zu schulen und für die Suche nach verwaisten Quellen fit zu machen. Dafür wurden die “Best Practices“ der EU und der internationalen Gemeinschaft auf dem Gebiet der Identifizierung, Charakterisierung und Bergung von verwaisten radioaktiven Quellen vorgestellt. Die Inhalte erstrecken sich von den Grundlagen des Strahlenschutzes über die Berechnungen und Messung von Aktivität bis hin zur Abschirmwirkung von Strahlung. Ebenfalls thematisiert wurden die Planung von Suchaktivitäten, der Einsatz von Messgeräten sowie die Bergung und der Transport einer aufgefundenen Quelle.

In Feldübungen mussten die mongolischen Fachleute radioaktive Quellen in Gebäuden und auf einem militärischen Außengelände lokalisieren. Die Teams sollten dabei die Fragen lösen, wie, wo und wie lange gesucht werden soll und wie Aufgaben und Ressourcen (z. B. Messgeräte für Strahlung) zu verteilen sind. Nachdem die Quellen erfolgreich lokalisiert worden waren, mussten die Teams entscheiden, was mit den Quellen geschehen sollte. Die Quellen mussten zunächst charakterisiert und anschließend für den Transport sicher verpackt und an ein geeignetes Zwischen- oder Endlager gebracht werden. Abschließend diskutierten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen und machten offenen Bedarf an Wissen und technischer Ausstattung aus. Dabei wurde auch der Wunsch nach regelmäßigen Fortbildungen geäußert.

© GRS/ Sebastian FeigeFachleute entwickeln strategischen Leitfaden

Die Fachleute der GRS und der mongolischen Nuklearenergie-Kommission (Nuclear Energy Commision (NEC)) erstellten für das Projekt einen strategischen Leitfaden für das Auffinden und Charakterisieren von herrenlosen Strahlenquellen. Während der Feldübung wurde der Leitfaden getestet. Aktuell wird er vor dem Hintergrund der gemachten Erfahrungen optimiert. Er soll eine planvolle Herangehensweise an Suchaktivitäten fördern.

Vor allem in der Region um die von Eisenindustrie geprägten Stadt Erdent in der mongolischen Provinz Orkhon werden häufig herrenlose radioaktive Bauteile gefunden und weitere vermutet. Die GRS wird daher im Herbst dieses Jahres zusammen mit den mongolischen Verantwortlichen Verdachtsflächen eingehend untersuchen. Dazu werden Experten der GRS mit eigener Messtechnik die Arbeit der mongolischen Kollegen unterstützen.

Mehr Informationen

INSC - Europäische Kommission
Jahresbericht "Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung" des Bundesumweltministeriums
HRQ-Register des Bundesamtes für Strahlenschutz