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Europäischer Druckwasserreaktor (EPR)

Europäischer Druckwasserreaktor EPR (Bild: GRS)Der europäische Druckwasserreaktor (engl. European Pressurized Water Reactor) – kurz EPR – ist ein neuer Reaktortyp mit einer Nettoleistung von 1.600 Megawatt. Der EPR wird derzeit in Finnland (Olkiluoto), Frankreich (Flamanville) und in China (Taishan) errichtet. Auch in den USA soll der EPR gebaut werden und wurde zu diesem Zweck für den amerikanischen Markt in Evolutionary Pressurized Water Reactor umbenannt.

Der EPR ist ein Reaktor der sogenannten dritten Generation. Grundsätzlich wird in der Reaktor- und Sicherheitsentwicklung zwischen vier Generationen differenziert:
•    I. Generation: frühe Prototypen
•    II. Generation: kommerzielle Leistungsreaktoren (z.B. deutsche Leichtwasserreaktoren)
•    III. Generation: fortschrittliche Reaktoren (z.B. EPR)
•    IV. Generation: zukünftige Reaktorkonzepte (z.B. Hochtemperaturreaktoren)

EPR als Weiterentwicklung der Druckwasserreaktoren
Reaktoren der dritten Generation stellen eine Fortentwicklung der bereits seit den Siebzigern existierenden Leichtwasserreaktoren (LWR) dar. Der EPR weist also – verglichen mit den Reaktoren der vierten Generation – kein innovatives, neuartiges Design auf. Es handelt sich viel eher um eine Überarbeitung in Form eines evolutionären Designs. Wesentliche Veränderungen betreffen vor allem die Leistungsfähigkeit, die Zuverlässigkeit und das Sicherheitskonzept.

Sicherheit des EPR
Bei der Entwicklung des EPR wurden sicherheitstechnisch fortgeschrittene Anforderungen und ein überarbeitetes Sicherheitskonzept zugrunde gelegt. Das Konzept berührt unter anderem die folgenden Punkte:

•   Auswirkung und Wahrscheinlichkeit schwerer Störfälle reduzieren
Wichtige sicherheitsrelevante Systeme sind, wie teilweise bereits bei den Reaktoren der zweiten Generation, vierfach vorhanden und räumlich voneinander getrennt. Durch den Einsatz unterschiedlicher, voneinander unabhängiger Sicherheitsleittechniksysteme sollen Störfälle und ihre Folgen besser beherrschbar sein. Ein doppelwandiges Containment soll den Austritt von Radioaktivität durch Einwirkungen von innen oder außen verhindern. Beispielsweise soll die 1,8 Meter dicke äußere Stahlbetonhülle dem Absturz eines großen Passagierflugzeugs standhalten.

•   Unfälle mit Kernschmelze beherrschen
Ein keramisches Auffangbecken unterhalb des Reaktorkerns – der sogenannte Core Catcher – soll im Falle einer Kernschmelze den geschmolzenen Kernbrennstoff auffangen. Ein Eintritt radioaktiver Stoffe in das Erdreich soll somit verhindert werden. Die Masse soll sich im Core Catcher zur Kühlung auf einer großen Fläche gleichmäßig verteilen. Zusätzlich wird sie dort über zulaufendes Wasser und ein Wasserrohrsystem im Betonfundament des Core Catchers gekühlt (Containment Heat Removal System).

•   Ausschluss bestimmter Störfälle
Technische Neuerungen sollen bisher unbeherrschbaren Störfallszenarien im EPR entgegenwirken. Beispielsweise soll die Wahrscheinlichkeit eines Versagens des Reaktorbehälters bei hohem Druck durch den Einbau diversitärer Druckventile reduziert werden.